Dr. Helmut Schramm, IVA-Präsident
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Dr. Helmut Schramm, IVA-Präsident

Eine Steuer auf Pflanzenschutzmittel wird immer wieder diskutiert. Die agrarzeitung (az) stellt in einem Pro&Kontra die Argumente gegenüber. Hier die Kontra-Stimme:

- Die Befürworter der Steuer sprechen von einem ökonomischen Steuerungsinstrument und gehen davon aus, dass, wenn man durch eine Steuer Pflanzenschutzmittel verteuert, sich deren Einsatz verringert und so die Umwelt sowie die Staatskasse profitieren. Bei diesem Ansatz bleibt jedoch der pflanzenbauliche Sachverstand völlig außen vor. Dreh- und Angelpunkt der Überlegungen ist nämlich eine klassische ökonomische Produktionsfunktion, wonach, vereinfacht gesprochen, der Einsatz eines bestimmten landwirtschaftlichen Produktionsfaktors – zum Beispiel Beregnung – sich nur so lange lohnt, bis ein ökonomisches Optimum erreicht ist.

Nur lässt sich dieser theoretische Ansatz nicht einfach auf den Pflanzenschutz übertragen. Der Landwirt kann die Aufwandmenge beispielsweise zur Bekämpfung des Ackerfuchsschwanzes nicht beliebig auf 80, 70 oder 60 Prozent reduzieren, nur weil eine Steuer das Mittel künstlich verteuert hat. Die beabsichtigte Wirkung wird bei Unterschreitung der Aufwandmenge nicht eintreten und die Behandlung ist vergebens; allenfalls steigt die Gefahr der Resistenzbildung. Mit guter fachlicher Praxis ist das nicht vereinbar.

Pflanzenschutz ist Phytomedizin! Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, aus Kostengründen den vom Arzt verordneten Medikamenteneinsatz zu reduzieren. Der Landwirt hat in aller Regel nicht die Wahl, die für eine ökonomische Lenkungswirkung der Steuer erforderlich wäre. Er muss sich entweder für oder gegen eine Behandlung entscheiden. Entscheidet er sich für den Einsatz, bedeutet eine Pflanzenschutzmittelsteuer für ihn schlicht Einkommensverlust, da er den erhöhten Aufwand nicht unmittelbar an den Markt weitergeben kann.

„Eine Steuer verteuert die Agrarproduktion und macht ertragsschwache Standorte sogar unrentabel. “
Dr. Helmut Schramm, 


Die wirtschaftlichen Folgen einer solchen Steuer hatte der Göttinger Agrarökonom Professor Oliver Mußhoff im Auftrag des IVA durchgerechnet. Das Ergebnis: Die Einkommensverluste des landwirtschaftlichen Sektors in Deutschland würden sich auf jährlich rund 2 Milliarden Euro belaufen. Auf ertragsschwachen Standorten würde die Steuer die Landwirtschaft sogar unrentabel machen.

Das gerne in diesem Zusammenhang zitierte Beispiel Dänemark hat gezeigt, dass die Produktivität durch die Einführung der Steuer zurückgeht. Die Agrarimporte sind in dem Land gestiegen. Die Erträge liegen zum Teil deutlich unter denen von Schleswig-Holstein.

Pflanzenschutzmittel sind kostenträchtige Betriebsmittel, die Landwirte mit Sachverstand gezielt einsetzen. Das zeigt diese Saison wieder einmal ganz deutlich. Bleiben die Krankheiten aufgrund der Witterung aus, entfallen Anwendungen. Mit dem Einzug der Digitalisierung wird der Pflanzenschutzeinsatz zudem noch nachhaltiger.

Fazit: Eine Sondersteuer auf Pflanzenschutzmittel würde die beabsichtigte Lenkungswirkung verfehlen und den landwirtschaftlichen Betrieben eine erhebliche finanzielle Belastung aufbürden.



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