Report Pflanzenschutz

Rapsanbau stößt an Grenze


Als Alternative zu Raps kommt für Wulf Sophus Theophile zuallererst eine ausgewogenere Fruchtfolge infrage.
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Als Alternative zu Raps kommt für Wulf Sophus Theophile zuallererst eine ausgewogenere Fruchtfolge infrage.

Die Rapsfläche für die Ernte 2019 auf Gut Satjewitz in Ostholstein könnte in diesem Jahr kleiner ausfallen. Bisher war der Raps auf rund 30 bis 35 Prozent der 950 ha zu finden. Betriebsinhaber Wulf Sophus Theophile nennt mehrere Gründe für diese Entscheidung.

Grundsätzlich ist die Fruchtfolge mit einem guten Drittel auf dem Betrieb in der Nähe von Oldenburg in Holstein bereits ausgereizt. Aber auch der Wegfall der Neonicotinoide seit ein paar Jahren und die Wetterkapriolen der vergangenen Jahre haben dazu beigetragen, dass die Erträge nicht so ausgefallen sind, wie der Betriebsleiter es in den vergangenen Jahren gewöhnt war. „2009 haben wir in der Spitze 5,4 Tonnen je Hektar geerntet. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 3,8 bis 3,9 Tonnen je Hektar“, ist er von der Entwicklung enttäuscht. Rund 20 Prozent weniger Raps wurden in Satjewitz in den vergangenen Jahren eingefahren. Rund 10 bis 15 Prozent des Minderertrages gehen seiner Meinung nach auf das Konto der fehlenden Beize gegen Erdfloh und Kohlfliege. „Die Schädlinge legen ihre Eier in den Wurzelhals und die Larven fressen sich an der Pflanze satt beziehungsweise fressen den Wurzelhals ab“, erklärt er weiter. Auch die aktuell niedrigen Preise für den Raps machen die Frucht weniger wirtschaftlich.

„Wenn es die Witterung verlangt, müssen wir umdisponieren. “
Wulf Sophus Theophile, 

Der Handlungsspielraum ist nahezu ausgeschöpft

Tendenziell versucht Theophile mithilfe einer späteren Saat den Schädlingen einen Strich durch die Rechnung zu machen. „Dann wird es schon kühler und die Tiere fühlen sich nicht mehr so wohl“, so seine Erfahrung. Außerdem kann sich die Brut nicht mehr so stark entwickeln wie bei höheren Temperaturen. Ein warmer Herbst ist daher nicht hilfreich. Aber eine nicht so dichte Aussaat kann gegen Schädlingsbefall unterstützen. „In dünneren Beständen haben die einzelnen Pflanzen die Möglichkeit, sich besser zu entwickeln“, ergänzt der Agraringenieur. Ansonsten hilft später nur noch der mehrfache Einsatz eines weiteren Insektizids gegen den Erdfloh. Auch die Kohlmotte kann auf diese Weise bekämpft werden. Gegen die Kohlfliege hilft allerdings kein Insektizid. Damit ist sein Handlungsspielraum gegen die Schädlinge mit den bisher ergriffenen Maßnahmen nahezu erschöpft.

Aber auch die Wetterkapriolen der vergangenen Jahre haben verhindert, dass im Norden Deutschlands ordentliche Erträge beim Raps eingefahren werden konnten. Ganz unterschiedliche Phänomene haben dazu geführt, dass die Erträge gelitten haben. Zunächst entscheidet das Wetter im Aussaatmonat August. Im vergangenen Herbst war es zu nass, um das Saatgut ordentlich ausbringen zu können. Die Wurzel war geschwächt und die Kohlfliege hat den Rapspflanzen zusätzlich geschadet. In diesem Frühjahr kam aufgrund der Trockenheit die Knospenwelke hinzu. Eine schwache oder keine Schotenbildung war zusätzlich die Folge. In anderen Jahren hat es nach einem milden Winter noch einmal eine späte Kältephase im April oder Mai vor der Blüte gegeben und den Pflanzen maßgebliche Probleme bereitet. Der Blütenansatz und damit der Schotenansatz waren geringer.

Ebenso kann Durchwuchsraps auf einigen Flächen ein Problem darstellen. Hagel, eine zu tiefe Bodenbearbeitung nach dem Rapsdrusch oder Starkwindereignisse sind häufige Ursachen. Eine tiefe Bodenbearbeitung nach dem Drusch hat zur Folge, dass ausgefallene Rapskörner nicht keimen und – nachdem sie untergearbeitet wurden – im Boden mehrere Jahre überdauern können. Wenn sie später wieder in den Saathorizont gelangen, keimen sie wieder. Nach dem Drusch sollten deshalb möglichst alle ausgefallenen Rapskörner keimen, um sie auf einmal bekämpfen zu können. Clearfieldraps kommt für Theophile aber nicht infrage. Das Problem wird seiner Erfahrung nach dadurch nicht geringer.

Erfahrungen mit Sommerungen müssen noch gesammelt werden

Der feuchte Herbst im vergangenen Jahr hat bereits in diesem Wirtschaftsjahr dazu geführt, dass rund 20 bis 25 Prozent der Winterungen nicht ausgebracht werden konnten. Sommergerste und Sommerweizen wurden in diesem Jahr als Alternativen gewählt. Damit müssen in Satjewitz aber noch Erfahrungen gesammelt werden. Als Alternative zum Raps kommt für Theophile grundsätzlich in erster Linie eine ausgewogenere Fruchtfolge infrage. Weizen erfährt seine Begrenztheit aufgrund der Düngeverordnung. Und auch beim Drusch haben sie mit einem hohen Weizenanteil ihre Kapazitäten voll ausgeschöpft. Hafer wäre für den Betriebsleiter in seinem Familienbetrieb neben Ackerbohnen auch eine Alternative. Aber auch damit müsste er sich zunächst genauer auseinandersetzen. Die 60 bis 70 Bodenpunkte ermöglichen in jedem Fall den Anbau fast aller Produkte. So gibt es auch in diesem Jahr einen Anbauplan. „Wenn es die Witterung verlangt, müssen wir aber umdisponieren“, sagt er.

Die gesamte Ernte in Satjewitz wird zunächst auf dem Hof aufbereitet, getrocknet und in den eigenen Silos gelagert. Rund 80 Prozent seiner Menge vermarktet Theophile mit „seiner“ Genossenschaft als Mitglied des Aufsichtsrates bei der LEV – der Landwirtschaftlichen Ein- und Verkauf Ostholstein eG. Häufig teilt er die Vermarktung auf jeweils rund 25 Prozent der Menge über das Jahr auf. Auch Vorverträge werden getätigt. „Wenn die Erträge in diesem Jahr wirklich so schlecht werden, dann habe ich schon 50 Prozent meines Rapses und Weizens verkauft.“

Öffentlichkeitsarbeit ist ein Herzensanliegen

Neben seiner Tätigkeit auf seinem Betrieb engagiert sich der Landwirt auch in ehrenamtlichen Gremien. Denn die Öffentlichkeitsarbeit liegt dem Holsteiner sehr am Herzen. „Ich bin gern im Kontakt mit den Verbrauchern und erkläre ihnen bei Interesse unsere landwirtschaftliche Welt.“ Im Juni hatte er 1500 Besucher beim Tag des offenen Hofes auf seinem Betrieb. Und wenn er viel Zeit hat, lädt er die Gäste der umliegenden Campingplätze auf seinen Hof ein. „Meistens habe ich gute Erfahrungen mit diesen Aktionen gemacht und bin bei diesen persönlichen, offenen Gesprächen auf Verständnis gestoßen.“

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