Eine schwache Wurzelentwicklung hemmt die Aufnahme von Mikronährstoffen.
N.U. Agrar
Eine schwache Wurzelentwicklung hemmt die Aufnahme von Mikronährstoffen.

Aufgrund der ergiebigen Niederschläge in der zweiten Jahreshälfte 2017 konnten viele Flächen nicht wie geplant mit Wintersaaten bestellt werden. Vor allem nördlich der Autobahn A2 und regional auch im Süden haben die Ackerbauern mit der anhaltenden Nässe zu kämpfen. Besonders betroffen ist Schleswig-Holstein, wo ab Mitte Juni bis zum Jahresende zwischen 700 und 800mm Regen fielen. In der Jahressumme wurde damit in vielen Orten die 1000mm-Grenze übertroffen. Wo dennoch Wintergetreide und Raps bestellt wurden, war dies oft nur mit Zugeständnissen an die Bodenstruktur zu erkaufen.

Schwierige Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz in Gerste

Während in Raps die Vorauflaufbehandlungen im Herbst in aller Regel noch durchgeführt werden konnten und lediglich Nachbehandlungen mit Fox oder Runway unterbleiben mussten, wurden in Wintergetreide vielfach keine Herbizidanwendungen mehr durchgeführt.

Dies ist besonders in Wintergerste auf Standorten mit Ackerfuchsschwanz-Besatz problematisch, da die Bekämpfung im Frühjahr in Abhängigkeit der Resistenzsituation schwierig bis unmöglich ist. Hier waren Landwirte gut beraten, zumindest eine Solo-Flufenacet-Vorlage im Herbst durchzuführen. Ist dies nicht geschehen, bleibt für das Frühjahr letztlich nur der Einsatz von Pinoxaden-haltigen Produkten wie Axial oder Axial Komplett in voller Aufwandmenge. Trespen werden durch diese Maßnahme aber nicht erfasst. Windhalm und Weidelgräser hingegen werden durch das Pinoxaden selbst nach Beginn der Bestockung noch sicher bekämpft.

Spät gesäter Weizen hat wenig Unkrautdruck

In Winterweizen ist die Lage deutlich entspannter: Zum einen aufgrund der vielfältigeren Produktpalette, zum anderen lagen die Aussaatzeitpunkte des Weizens – insbesondere nach Hackfrüchten – deutlich später. Damit ist die Entwicklung der Ungräser und Unkräuter noch relativ schwach ausgeprägt. Gegen Ackerfuchsschwanz sollte in jedem Fall auf den stärksten ALS-Hemmer Mesosulfuron im Produkt Atlantis zurückgegriffen werden, vor allem wenn Ackerfuchsschwanz nach Bestockungsbeginn bekämpft werden muss. Die Zugabe von 30 l AHL unterstützt die Atlantis-Wirkung. Das AHL hat einen sehr geringen Deliqueszenzpunkt, der die Grenz-Luftfeuchtigkeit, bei der ein Stoff vom trockenen in den gelösten Zustand übergeht, beschreibt. Dadurch trocknet der aufgebrachte Spritztropfen selbst bei sehr geringer relativer Luftfeuchte nicht aus. Eine kontinuierliche, sichere Wirkstoffaufnahme wird so gewährleistet. Durch das Zusetzen von 30 g Concert SX kann die Atlantis-Wirkung weiter verbessert werden.

Die zusätzliche Sulfonylharnstoffmenge zum Beispiel von Metsulfuron oder Thifensulfuron muss von den Ungräsern ebenso entgiftet werden wie das Mesosulfuron und führt so zur Überforderung der enzymatischen Abbausysteme. Neben höheren Wirkungsgraden gegen Ungräser verbessert Concert auch die Breitenwirkung gegen Dikotyle wie Klatschmohn und Storchschnabel.

Im Rapsnachbau auf persistente Wirkstoffe verzichten

Bei geplantem Rapsnachbau sollte in Winterweizen im Frühjahr auf den Einsatz persistenter Wirkstoffe wie unter anderen Mesosulfuron und Propoxycarbazone verzichtet werden. Stattdessen kommt für die Bekämpfung sensitiver Ungräser der Wirkstoff Pyroxsulam in Betracht. Pyroxsulam reicht gegen Ackerfuchsschwanz nicht an die Leistung des Mittels Atlantis heran, hat aber eine ausgesprochene Stärke bei der Bekämpfung von Trespen. Durch die Kombination mit Florasulam, enthalten in Broadway, wird auch eine sehr gute Wirkung gegen eine Vielzahl von Unkräutern erreicht.Bei bereits erfolgter Gräserbekämpfung im Herbst muss im Frühjahr meist nur noch gegen Dikotyle vorgegangen werden. Eine geringe Mischverunkrautung aus Kamille, Raps, Kornblume und Klette wird wirkungsvoll mit 4,5 bis 5,0 g Florasulam, also 90 bis 100 ml Saracen oder Troller, bekämpft. Große Kamille oder Kornblume erfordert den Zusatz von Clopyralid, beispielsweise 200 ml Primus Perfect. Damit wird auch ALS-resistente Kamille erfasst.

Gegen Kerbel und Storchschnabel sind Metsulfuron-haltige Produkte zu bevorzugen wie Concert SX, Dirigent SX oder Pointer Plus. Ehrenpreis wird von den Sulfonylen dagegen nur unzureichend bekämpft und bedarf deshalb des Einsatzes von Carfentrazon, enthalten in Artus.

Nährstoffversorgung der Pflanzen ist wichtig

In diesem Jahr muss bei allen Herbizidmaßnahmen die hohe Wassersättigung des Bodens berücksichtigt werden. Sollte der Frost der vergangenen Tage zu keiner Verbesserung in der Bodenstruktur beigetragen haben, ist mit schlechter Kulturverträglichkeit der Herbizide zu rechnen. Blattaktive Wirkstoffe werden auch von den Kulturpflanzen aufgenommen.

Die Selektivität ergibt sich in der Regel aus einer schnelleren Detoxifizierung in den Kulturpflanzen im Vergleich zu den Unkräutern. Hierfür sind in Abhängigkeit der Wirkstoffgruppe unterschiedliche Enzyme verantwortlich, deren Synthese einer guten (Mikro-)Nährstoffversorgung der Kulturpflanzen bedarf. Für den Aufbau der Cyt-MOG, die den Abbau von ALS- und ACCase-Hemmern bewerkstelligt, wird neben Mangan, Kupfer und Zink auch Eisen benötigt. Aufgrund der reduzierenden Bedingungen infolge der staunassen Böden und der pH-Reduktion im Oberboden durch die Auswaschung von Kalk dürfte die Verfügbarkeit der genannten Nährstoffe hoch sein. Allerdings bedeutet dies nicht gleichzeitig, dass auch die Pflanzen ausreichend versorgt sind:

- Kupfer muss wie Phosphor im Wesentlichen durch die Pflanzenwurzeln aufgenommen werden. Bei geringer Feinwurzeldichte könnte die Kupferversorgung vor allem auf humosen Böden zum Problem werden.

- Eisen muss durch die Pflanzen aktiv aufgenommen werden. Da es sich dabei um einen energieaufwendigen Prozess handelt, für den ein Mindestmaß an Sauerstoff notwendig ist, kann auch Eisen zum begrenzenden Faktor werden.

- Schwefel ist durch die Niederschläge weitgehend aus der Wurzelzone ausgewaschen worden. Die Glutathion-S-Transferase, die Bleacher wie Diflufenican und Brenner wie Carfentrazon abbaut, ist hochgradig schwefelbedürftig.

Die große Herausforderung besteht in diesem Jahr also darin, den Herbizideinsatz im Frühjahr kulturverträglich zu gestalten. Rechtzeitige Pflanzenanalysen und ein Blick in den Boden zur Überprüfung der Struktur helfen unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Gerrit Hogrefe, N.U. Agrar GmbH, Schackenthal

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