Lager vorbeugen: Auf den Zeitpunkt kommt es an.
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Lager vorbeugen: Auf den Zeitpunkt kommt es an.

Auch in schwierigen witterungsbedingten Situationen verbessern Wachstumsregler das Betriebsergebnis. Erträge und Qualitäten werden wirkungsvoll abgesichert. Ein Einsatz vor der Schossphase ist eine neue Möglichkeit, Lager zu vermeiden.

Das vergangene Jahr 2017 war geprägt von zahlreichen Wetterkapriolen, welche die Bestandesführung im Getreide enorm erschwert haben. Durch ein ungewöhnlich kaltes und regional wieder sehr trockenes zeitiges Frühjahr – insbesondere im Nordosten – verlief die Entwicklung der Getreidebestände zunächst sehr zögerlich. In der zweiten Junihälfte änderten sich aber die Bedingungen schlagartig. Unwetterartige Niederschläge und anhaltend feuchte Bedingungen führten zu flächendeckendem Lager und stark erschwerten Erntebedingungen.

Einsatz vor der Schossphase bringt Vorteile

Am Ende standen vielerorts unbefriedigende Getreideerträge und die Frage nach der „richtigen“ Intensität beim Einsatz der Produktionsfaktoren wie zum Beispiel Wachstumsregler. Ergebnisse aus Praxis und Versuchen zeigten jedoch, dass der rechtzeitige Einsatz leistungsstarker Wachstumsregler besonders unter problematischen Bedingungen einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Deckungsbeitrags leistet.

Der Einsatz von Wachstumsreglern ist eine wichtige Versicherungsmaßnahme, denn erfahrungsgemäß kann es trotz großer Trockenheit zu Lager im Bestand kommen. Wichtig für die Praxis ist, die Basis für die Wachstumsregulierung termingerecht bis zum Beginn der Schossphase zu legen. Die Erfahrungen aus 2017 zeigen außerdem, dass späte Maßnahmen die Bestände oftmals nicht ausreichend stabilisieren können. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Wachstumsregler im Getreide auch unter trockenen und kühlen Bedingungen frühzeitig bis zum Beginn des Schossens einzusetzen. Beim Übergang von der Kurz- zur Langtagsperiode und bei steigenden Temperaturen im Frühjahr bilden sich in den Wachstumszonen der Pflanze Pflanzenhormone, sogenannte Gibberelline, die unter anderem das Schossen des Getreides beeinflussen. Trinexapac-haltige Wachstumsregler hemmen gezielt die Synthese dieser Gibberelline und somit auch das Wachstum der Pflanzen. Die Zellstreckung wird reduziert und die Zelldichte erhöht. Der untere Bereich des Halmes wird eingekürzt, und es kommt zu einer Verdickung der Halmbasis. Die Statik des Halmes verbessert sich und der Schwerpunkt der Pflanze verlagert sich nach unten. Der Bestand wird so optimal vor Lager geschützt.

Formulierung befördert Wirkstoffe

Vor diesem Hintergrund wurde im Hause Syngenta der Trinexapac-haltige Wachstumsregler Moddevo entwickelt und in den Markt eingeführt, der bereits vor der Schossphase des Getreides eingesetzt werden kann, also ab BBCH 25 in Weizen, Roggen und Triticale und ab BBCH 29 in Gerste. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten zur wirkungsvollen Wachstumsregulierung und Lagervermeidung im Getreide. In der frühen Einsatzphase herrschen meist kühle Temperaturen und kleinere Zielflächen wie Pflanzen oder Blätter vor. Die Wirkstoffanlagerung und die Wirkstoffaufnahme sind damit erschwert. Dies stellt höhere Ansprüche an die Produktformulierung. Durch die Entwicklung eines Dispersionskonzentrats (DC) verteilt sich der Wirkstoff besser und gleichmäßiger auf der Blattoberfläche und wird schneller aufgenommen. Daraus resultiert eine sichere Wirkung, auch wenn die Bedingungen nicht optimal sind.

Untersuchungen ergaben außerdem, dass der frühe Einsatz bereits ab der Bestockung zusätzliche Qualität in der Lagervermeidung bringt. Die Verbesserung der Lagerfestigkeit kann vorrangig auf die Einkürzung und Stabilisierung der untersten Internodien der Getreidepflanzen zurückgeführt werden.

Zusätzlich konnten neben der besseren Lagervermeidung auch physiologische Zusatzwirkungen nachgewiesen werden. Durch frühe Anwendungen wird die Wurzelbildung unterstützt, was die Wasser- und Nährstoffaufnahme verbessert. Das konnte durch die konsistente Erhöhung des Chlorophyll-N-Gehaltes in den Blättern belegt werden. Diese Vorteile erlangen besonders bei Vorsommertrockenheit, leichten Böden oder schlechter Wasserführung eine große Relevanz. In Summe ließen sich durch Lagervermeidung und physiologische Zusatzwirkungen positive Ertragsleistungen belegen. Unter den außergewöhnlichen Bedingungen der vergangenen Saison wurde auch deutlich, dass die Produktformulierung eine wichtige Rolle spielt. Versuche mit dem Wirkstoff Trinexapac-ethyl zeigen, dass sich die Wirkstoffaufnahme mittels einer Mikroemulsion sehr genau steuern lässt. Die gleichmäßige Wirkstoffaufnahme ist Basis für eine kalkulierbare Wirkung und eine gute Verträglichkeit. Insbesondere in Mehrfachmischungen (zum Beispiel mit Fungiziden, Blattdüngern, Insektiziden) kommen diese Vorteile zum Tragen.

Sommergerste reagiert empfindlicher

Aufgrund der schlechten Befahrbarkeit der Flächen im vergangenen Herbst steht in vielen Regionen (insbesondere im Norden) ein höherer Anteil von Sommergetreide. Beim Einsatz von Wachstumsreglern in Sommergetreide ist besondere Vorsicht geboten, da Sommergetreide im Allgemeinen empfindlicher reagiert als Wintergetreide. Das bedeutet, dass die Aufwandmenge entsprechend angepasst werden muss und nur explizit freigegebene Tankmischpartner kombiniert werden dürfen. Außerdem gilt es, die Zulassungssituation zu beachten, da nicht alle Wachstumsregler auch in allen Sommergetreidearten zugelassen sind.

Dr. Holger Weichert,
Syngenta Agro GmbH, Maintal 

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