Verträglichkeit im Frühjahr: Weizen mit gräserwirksamen Sulfonylharnstoffen behandelt (links), ohne Behandlung.
Foto: G. Hogrefe
Verträglichkeit im Frühjahr: Weizen mit gräserwirksamen Sulfonylharnstoffen behandelt (links), ohne Behandlung.

Eine Herbizidbehandlung im Herbst bietet Vorteile, die genutzt werden sollten. Dann muss im Frühjahr nicht nachbehandelt werden. Neue Produkte sind für den Herbsteinsatz zugelassen.

Im vergangenen Herbst wurden viele Wintergetreidebestände nicht mehr mit Herbiziden behandelt. Das war vor dem Hintergrund der hohen Wassersättigung der Böden auch richtig. Insbesondere die Bodenherbizide hätten unter diesen Bedingungen zu Verträglichkeitsproblemen geführt und das ohnehin spärliche (Wurzel-)Wachstum weiter eingeschränkt. Im Frühjahr wurden damit umfassende Bekämpfungsmaßnahmen notwendig. Allerdings mussten auch hier Abstriche in der Verträglichkeit gemacht werden. Grundsätzlich ist weiterhin eine hohe Herbstbehandlungsquote anzustreben.

Bei später Vegetation wird es im Frühjahr eng

Werden im Herbst keine Herbizide gespritzt, muss im Frühjahr neben Gräsern meist auch eine breite Palette an dikotylen Schadpflanzen bekämpft werden. Vor allem weit entwickelter Ehrenpreis, Taubnesseln und Stiefmütterchen bereiten dann ungeahnte Probleme. Denn die für eine sichere Kontrolle notwendigen „Brenner“ (PPGO-Hemmer) wie Carfentrazon (Artus) oder Bifenox (Fox) lassen sich nicht mit gängigen Gräserherbiziden kombinieren, ohne Zugeständnisse bei Wirkung oder Kulturverträglichkeit zu machen. Damit werden zwei Überfahrten erforderlich, die zudem noch in gewissem zeitlichen Abstand erfolgen müssen. In Jahren mit spätem Vegetationsbeginn wird die Zeit dann knapp.

Werden im Herbst hingegen „Bleacher“-Herbizide mit Wirkstoffen wie Diflufenican, Flurtamone, Picolinafen oder Beflubutamid gespritzt, sind Ehrenpreis, Taubnessel und Stiefmütterchen genauso sicher unter Kontrolle wie Kamille, Vogelmiere oder Klatschmohn. Die Chlorotika (Bleacher) sind Filmbildner und benötigen deshalb eine möglichst ebene Bodenoberfläche für eine gute Wirkung. Lediglich gegen Unkräuter, die noch spät aus tieferen Schichten auflaufen wie beispielsweise Klettenlabkraut, können dann im Frühjahr noch gezielte Nachbehandlungen notwendig werden.

Verträglichkeit im Herbst: Wintergerste mit Flufenacet-Schaden infolge zu flacher Ablage und hoher Niederschläge.
Foto: G. Hogrefe
Verträglichkeit im Herbst: Wintergerste mit Flufenacet-Schaden infolge zu flacher Ablage und hoher Niederschläge.

Flufenacet bleibt weiterhin der „Gräser-Standard“

Wenn aufgrund des gewählten Saattermins zu erwarten ist, dass Ungräser die Bestockung erreichen, müssen zwingend gräserwirksame Herbizide im Herbst gespritzt werden. Die tragende Säule in der Ungrasbekämpfung im Herbst ist seit Jahren der Wirkstoff Flufenacet (siehe Übersicht). In Abhängigkeit von Bodenart, Leitungras und Kultur können die Aufwandmengen zwischen 80 g und 240 g variieren. Die unteren Aufwandmengen beziehen sich auf sehr leichte Böden, wenn nur Windhalm bekämpft werden muss. Die maximale Aufwandmenge sollte auf schweren Böden mit hohem Ackerfuchsschwanzdruck zum Einsatz kommen. Als stärkste Kombination hat sich in den vergangenen Jahren 0,3 Herold + 2,0 Malibu herausgestellt. Beim Einsatz von Flufenacet ist auf eine ausreichende Saattiefe von 2 cm zu achten, um eine gute Kulturverträglichkeit zu gewährleisten.

Roggen reagiert von allen Getreidearten am empfindlichsten auf den Einsatz von Flufenacet. Deshalb sollte nach Möglichkeit im Roggen auf alternative Wirkstoffe wie Chlortoluron oder Pendimethalin ausgewichen werden. Ist dies nicht möglich, muss auch der Roggen tiefer gesät werden. In Wintergerste ist eine Herbstbehandlung mit Flufenacet dringend angeraten, da im späten Nachauflauf nur noch der Wirkstoff Pinoxaden (Axial) eingesetzt werden kann, dessen Wirkung vor allem gegen Trespen und ACCase-resistenten Ackerfuchsschwanz nicht ausreicht. Gegen Letzteren werden mit Pinoxaden (Axial in Wintergerste, Traxos in Weizen) kurz vor Vegetationsende höhere Wirkungsgrade erreicht als mit der zeitigen Frühjahrsanwendung.

Wintergerste reagiert empfindlich auf (zu) hohe Bleacher-Mengen, weswegen gegen Ackerfuchsschwanz nicht die vollen Aufwandmengen von Kombinationsprodukten (beispielsweise Flufenacet + Diflufenican) eingesetzt werden sollten. Zielführender ist es, die halbe Aufwandmenge eines Kombipräparats mit einem Solo-Flufenacet (Cadou, Fence und anderen) aufzumischen.

Der aus Frühjahrsanwendungen bekannte neue Wuchsstoff Halauxifen (Arylex) ist nun zusammen mit dem bewährten Florasulam im Produkt Zypar auch im Herbst zugelassen.

Zypar erfasst ein sehr breites Spektrum an Unkräutern. Die besondere Stärke liegt in der Bekämpfung von Erdrauch, Kerbel oder Storchschnabel. Schwächen zeigt das Produkt bei Stiefmütterchen und Ehrenpreis. Aufgrund der ausschließlichen Blattwirkung sollten Anwendungen im späten Nachauflauf eingeplant werden.

Das Produkt Cleanshot bringt mit dem Wirkstoff Isoxaben einen zusätzlichen Wirkmechanismus (Zellulose-Synthese-Hemmer, HRAC L) in die Herbstanwendung im Getreide ein. Isoxaben wirkt langanhaltend über den Boden. Besonders interessant: Cleanshot erfasst auch Ausfallraps von Clearfieldsorten. Die hohe Persistenz des Wirkstoffs könnte bei vorzeitigem Umbruch und in Trockenjahren aber zu Nachbauproblemen in dikotylen Kulturen führen. Auch Cleanshot enthält zusätzlich den Wirkstoff Florasulam.

Trockenjahre fördern Populationen von Zikaden

In Jahren mit einem hohem Druck durch Virusvektoren kann es sinnvoll sein, Herbizidmaßnahmen im frühen Nachauflauf durch Insektizide zu ergänzen. Damit kann der Erstzuflug und in der Folge frühe Infektionen mit Verzwergungsviren verhindert werden. Obwohl die hohen Temperaturen dieses Jahres den Aufbau der Blattlauspopulationen hätten fördern müssen, ist derzeit kein verstärktes Aufkommen zu beobachten. Offenbar haben die Gegenspieler der Blattläuse ganze Arbeit geleistet.

Anders dürfte sich die Situation aber bei den Zikaden darstellen. Bereits nach dem letzten Trockenjahr 2003 wurden im Frühjahr 2004 vermehrt in Beständen der Weizenverzwergungsvirus (WDV) beobachtet, der durch Zikaden übertragen wird. Leider haben die gegen Blattläuse zugelassenen Pyrethroide gegen die sehr mobilen Zikaden nur eine Nebenwirkung.

Gerrit Hogrefe, N.U. Agrar, Schackenthal

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