Report Saatgut

„Auch Importware ist ausverkauft“

FOTO: BVO

Saatgetreide wird nach dem längerfristigen Bedarf vermehrt. Steigt wie in diesem Frühjahr als Folge des nassen Herbstes die Nachfrage kurzfristig stark an, steht nicht überall genug Saatgut der Sommerungen zur Verfügung.

az: Lässt sich die höhere Nachfrage nach Sommergerstensaatgut bedienen?

Ruopp: Üblicherweise wird die Vermehrung der Sommergerstensorten regional auf die Nachfrage der Mälzereien nach Braugerste und in begrenztem Umfang nach Futtergerste ausgerichtet. Eine zusätzliche Versorgung des Marktes mit Saatgut ist nur dann möglich, wenn überdurchschnittliche Saatguterträge aus der zurückliegenden Ernte erzielt wurden. Dies war regional der Fall. Ein Gesamtüberblick ist aufgrund der Intransparenz des Marktes aber nicht gegeben. Momentan versuchen die Züchter über die mit ihnen zusammenarbeitenden VO-Firmen eine bessere Datenlage zu bekommen.

Wie sieht es bei den übrigen Sommergetreidearten aus?

Ruopp: Neben Sommergerste sind Hafer und Sommerweizen von flächenmäßiger Bedeutung. Auch hier richtet sich die Vermehrung auf den jährlichen und regional abgestimmten Bedarf aus. Hier gibt es deutliche Engpässe. Saatgut von Sommerweizen ist aus deutscher Provenienz nicht mehr verfügbar. Auch Importware scheint inzwischen ausverkauft zu sein.

Muss in diesem Jahr mehr vermehrt werden, um die Bestände aufzufüllen?

Ruopp: Die Vermehrung und Produktion von Getreidesaatgut erfolgt aus Risikogründen nur für den aktuellen Bedarf. Die am Markt zu erzielenden Margen reichen nicht aus, um Lagerkosten zu decken.

Wie sind die Vermehrungen von Leguminosen gelungen?

Ruopp: Bei Saatgut von Erbsen und Lupinen zeichnet sich derzeit noch keine Knappheit ab, lediglich bei Ackerbohnen scheint eine ausreichende Verfügbarkeit nicht gegeben zu sein. Mit steigender Anbaufläche bei diesen Arten steigt auch die Problematik des Käferbefalls von Saatgutpartien. Nicht-abgestimmte Fruchtfolgen, aber auch fehlende Zulassungen wirksamer Insektizide, zeigen hier ihre Wirkung.

Handelsexperte
Hans-Peter Ruopp ist erster stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der VO-Firmen (BVO). Hauptberuflich ist er Geschäftsbereichsleiter Saatgut und Pflanzenschutz der Firma Beiselen GmbH in Ulm. Ruopp ist gelernter Landwirt und studierter Agraringenieur. Vor seiner Position bei Beiselen war er im Landhandel in Deutschland und Frankreich sowie im genossenschaftlichen Handel tätig.

Mit welcher Nachfrage nach Leguminosen kalkulieren Sie?

Ruopp: Die Entscheidung der Politik, im Rahmen des Greenings Pflanzenschutzanwendungen nicht mehr zuzulassen, dürfte sich auf den Leguminosenanbau insgesamt negativ auswirken. Mechanische Maßnahmen reichen für einen erfolgreichen Anbau nicht immer aus, auch durch Ausgleichszahlungen ist eine Wirtschaftlichkeit nur begrenzt gegeben. Bei gleichzeitiger Forderung nach einer inländischen Versorgung mit Eiweißfuttermitteln ist dieses politisch verordnete Verbot von Pflanzenschutz im Greening als kontraproduktiv zu bezeichnen.

Die Fragen stellte Henrike Schirmacher

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