Report Saatgut

Landwirt baut Soja selbst an

Hausgemacht: Holtmeyers Kühe fressen Eiweißfutter vom eigenen Hof.
Foto: SB
Hausgemacht: Holtmeyers Kühe fressen Eiweißfutter vom eigenen Hof.

Ein- bis zweimal in der Woche wirft Christian Holtmeyer die kleine Getreidemühle auf seinem Hof an, um Eiweißfutter für seine 50 Kühe zu mahlen. Mit einer Schaufel füllt der 32-Jährige Sojabohnen und Lupinensamen in die Mühle, in der die Körner grob zerkleinert werden. Geerntet hat der Milchbauer aus Belm-Haltern bei Osnabrück die Sojabohnen und Lupinen im Sommer und Herbst auf seinen eigenen Flächen.

Der Anbau von Eiweißpflanzen hat auf dem Hof eine lange Tradition, berichtet der Landwirtschaftsmeister. Sein Vater Georg, mit dem er den 65-Hektar-Hof gemeinsam betreibt, baute über viele Jahre Ackerbohnen an. Seit 2013 beteiligt sich der Betrieb an einem Demonstrationsnetzwerk, mit dem das Potenzial des Sojaanbaus in Niedersachsen ermittelt werden soll. Es ist Teil eines bundesweiten Programms, an dem sich deutschlandweit 120 Landwirte beteiligen. Anbau und Verwertung der Sojabohne sollen dadurch verbessert werden.

Holtmeyers Erfahrungen mit dem Sojaanbau sind gut. Zwar schwanken, wie bei allen Kulturen, witterungsbedingt die Erträge, auch Taubenfraß sei in einem Jahr ein Problem gewesen. Doch seine Zwischenbilanz fällt positiv aus. Auf 1 bis 1,5 ha baut er kältetolerante Sorten an. Er sät nach dem letzten Frost Ende April, Anfang Mai. Mit Pflug, Egge und Grubber wird das Saatbett vorbereitet. Nach der Aussaat der Bohnen in einem Reihenabstand von 25 cm erfolgt eine Vorauflaufbehandlung gegen Unkraut. Außerdem muss das Saatgut jedesmal auf ein Neues mit Knöllchenbakterien geimpft werden. Nur mithilfe der Bakterien gelingt es den Pflanzen, Stickstoff aus der Luft aufzunehmen. Zum Wachsen benötigen die Bohnen in den kommenden Monaten Wärme und Feuchtigkeit. Der Reihenschluss erfolgt bereits nach wenigen Wochen, sodass eine weitere Unkrautbehandlung nicht notwendig ist, berichtet Holtmeyer. Als Kulturneuling in der Region gibt es bisher keine Krankheiten und Schädlinge. Die Bestandsführung der Sojabohne ist deshalb nicht viel komplizierter als beim Mais, urteilt Holtmeyer.

„Die Bohnen können unbehandelt verfüttert werden.“
Christian Holtmeyer, Milchviehhalter, 

Ähnlich gestaltet sich der Lupinenanbau. Nach der Aussaat Ende März bis Anfang April mit einem Reihenabstand von 12,5cm bieten die Lupinen mit ihren farbigen Blüten im Sommer nicht nur Bestäubern Nahrung, sie sind in der intensiv genutzten niedersächsischen Agrarlandschaft auch optisch ein Gewinn. Gedroschen werden die Lupinen etwa zur selben Zeit wie Weizen. Wichtig ist eine gleichmäßige Wasserversorgung, sonst leide der Ertrag. Selbst nach kürzeren Trockenphasen bilden die Pflanzen schon weniger Hülsen.

Die Sojabohne wird erst im Oktober geerntet. Um Verluste zu vermeiden, muss das Schneidwerk so tief wie nur möglich geführt werden. Das gelingt am besten auf ebenem Boden. Holtmeyer empfiehlt deswegen, die Fläche nach der Aussaat zu walzen, um Kluten zu zerstören, Steine in den Boden zu drücken und Unebenheiten auszugleichen.

Geerntet werden Sojabohnen und Lupinen mit Wassergehalten, die deutlich über 20 Prozent liegen können. Nach der hofeigenen Wagentrocknung haben die Körner nur noch einen Wassergehalt von 14 Prozent. Seine Kühe fressen die Bohnen und Lupinen ausschließlich im Winter. Täglich mischt Holtmeyer dann jeweils zwei Kilogramm geschrotete Sojabohnen und Lupinensamen je Kuh in die Ration. „Im Sommer kommen die Kühe auf die Weide, dort bekommen sie genug Protein“, berichtet der Milchbauer. Ihre Milch verkauft er als GVO-freie Weidemilch an das DMK. Er hat zwar noch nicht detailliert errechnet, wie sich der Anbau wirtschaftlich darstellt. Doch die Vermarktung der Milch als GVO-freies Produkt lohnt sich.



Vorteile sieht Holtmeyer auch in der Auflockerung der Fruchtfolge und im höheren Vorfruchtwert der Sojabohne. Für Milchviehbetriebe, die GVO-frei füttern, sei der Sojabohnenanbau auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, um eigenes Proteinfutter herzustellen, denn die Bohnen können unbehandelt verfüttert werden. Auf die Leistung seiner Herde von durchschnittlich 10200 Litern pro Kuh und Jahr habe die Umstellung der Fütterung keinen Einfluss gehabt.

Aufwendiger ist hingegen die Verfütterung an Geflügel oder Schweine, gibt Christian Kreikenbohm, Berater Landwirtschaftskammer Niedersachsen, zu bedenken. Er betreut Betriebe, die im Soja- und Lupinennetzwerk mitarbeiten. Die Tierhalter müssen einen zusätzlichen Arbeitsschritt machen, damit Schweine und Geflügel das Eiweiß gut verdauen: Die Bohnen werden getoastet. Der Futterwert der Sojabohne kann allerdings überzeugen. „Er übersteigt den Futterwert von Ackerbohne und Erbse erheblich“, erläutert Kreikenbohm. Die Proteinzusammensetzung der Sojabohne sei viel besser an den Bedarf der Tiere angepasst. In den vergangenen Jahren ist die Sojafläche in Deutschland auf einem noch niedrigen Niveau kontinuierlich gewachsen. Sie betrug 2012 noch 5000 ha, 2014 waren es bereits doppelt so viele Hektare. Im vergangenen Jahr betrug die Fläche mehr als 19000 ha. In Niedersachsen wurden im Jahr 2017 480 ha Soja angebaut.

Allerdings dürfen Landwirte seit diesem Jahr keine Pflanzenschutzmitteln, mehr auf ökologischen Vorrangflächen ausbringen. Wie sich dies auf den Anbau auswirkt, müsse abgewartet werden, sagt Berater Kreikenbohm. Für die Unkrautregulierung auf den Greeningflächen stehen nun nur noch mechanische Verfahren zur Verfügung. Andererseits biete der Trend zu einer gentechnikfreien Fütterung in der Milchproduktion auch eine Chance, den einheimischen Anbau auszudehnen. Denn preislich konkurriert die deutsche Sojabohne in der Fütterung nun mit dem rund 40 Prozent teureren GMO-freien Sojaschrot aus Südamerika.

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