Report Saatgut Raps

Lehren aus einem enttäuschenden Anbaujahr


Raps lässt in diesem Jahr häufig zu wünschen übrig. Ein genauer Blick offenbart die Ursachen, weiß Pflanzenbauberater Rainer Cloos.
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Raps lässt in diesem Jahr häufig zu wünschen übrig. Ein genauer Blick offenbart die Ursachen, weiß Pflanzenbauberater Rainer Cloos.

Wetterextreme setzen dem Raps besonders zu. Landauf, landab diskutieren Landwirte und Berater über Konsequenzen für die nächste Saison. Die agrarzeitung fasst die wesentlichen Fragen mit möglichen Antworten zusammen.

Kann die Anbausaison 2017/18 als Ausnahmejahr abgehakt werden oder kommen solche Extreme jetzt öfter?

Die ungünstige Kombination von nassem Herbst und warmem Winter mit dem anschließenden nahtlosen Übergang von einem kalten Frühjahr in den vorgezogenen Hochsommer bleibt hoffentlich die Ausnahme (siehe Übersicht). Jedes Phänomen für sich genommen kann sich jedoch jederzeit wiederholen. Rapszüchter testen ihre Sorten zunehmend auf Robustheit gegenüber Frost, Hitze und Staunässe. Landwirte sollten diese Eigenschaften ebenfalls stärker beachten. „Die züchterische Leistung ist drin, die Witterung muss sie zulassen! Deswegen ist das beste Saatgut und die beste Sorte eine neue Chance“, macht Dietmar Brauer von der Norddeutschen Pflanzenzucht (NPZ) den Landwirten Mut.

Lassen sich Lehren für den Pflanzenschutz ziehen?

Dem Raps haben vielerorts ein unerkannter Befall mit Stängelrüsslern sowie der Starkbefall mit Rapsglanzkäfern zugesetzt. Oft kam die Insektizidbehandlung zu spät. Problematisch waren aber auch die hohen Temperaturen, die eine geringere Dauerwirkung der Insektizide zur Folge hatten. All diese Faktoren zusammen haben voraussichtlich auch den Knospenabwurf im April ausgelöst. Ein anderes Thema ist die Weißstängeligkeit. Jedes Jahr diskutieren die Landwirte, ob eine Blütenbehandlung erforderlich ist. Die Entscheidung ist schlagspezifisch. Dort, wo sich in den vergangenen beiden Starkbefallsjahren die Sklerotien im Boden angereichert haben, ist in den typischen Rapsfruchtfolgen die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion hoch. Hier haben sich vorbeugende Spritzungen auch 2018 als sinnvoll erwiesen. Dort, wo Anbaupausen von mindestens vier Jahren eingehalten werden, gibt das Sklerotinia-Prognosemodell Hinweise auf die Behandlungsbedürftigkeit.


Was leisten Sortenresistenzen?

Züchter arbeiten generell an der Widerstandsfähigkeit ihrer Rapssorten gegen Verticillium, Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV) und Phoma. Sorten mit eigenen Resistenzen gegen Kohlhernie sind zudem bei mehreren Züchtern im Programm. Die Toleranz gegenüber TuYV ist bei einigen Saatgutanbietern Thema, andere weisen darauf hin, dass bereits das Standardsortiment einen ausreichenden Schutz vor Ertragseinbußen bietet. Landwirte sollten standortspezifisch prüfen, ob und welche spezifische Resistenzausstattung ihnen nutzt.

Gibt es Aussichten für neue insektizide Rapsbeizen?

Das ist seit dem Wegfall der Beizen auf Basis Neonicotinoide ein heikles Thema. Zur bevorstehenden Rapsaussaat haben fast alle Saatgutanbieter Sorten im Programm, die mit Lumiposa (Wirkstoff Cyantraniliprole) gebeizt sind. Das Produkt hat nicht die breite Wirkung wie die Neonicotinoide, wirkt aber gegen die Kleine Kohlfliege. Die Beize ist allerdings nur in Polen zugelassen, in Deutschland befinden sich Produkte mit dem Wirkstoff im Antragsverfahren. Vorerst muss die Beizung in Polen erfolgen. Das gebeizte Saatgut wird dann importiert. Wegen des hohen logistischen Aufwands konzentrieren die Saatgutanbieter dieses Angebot auf wenige Sorten. Außerdem hat der Hersteller des Wirkstoffs nur begrenzte Mengen zugeteilt.

Gibt es neue Ansätze im Bienenschutz?

Bienenschutz ist im Raps möglich und machbar. „Die Landwirte haben eine Holschuld, sich über die Möglichkeiten zu informieren und sie anzuwenden“, sagt ein Pflanzenbauberater klipp und klar. Einige Empfehlungen gelten generell zur Blütenbehandlung. Landwirte sollten erst in den späten Abendstunden in die Bestände fahren. Oft reicht eine Randbehandlung aus. Und die Erfahrungen mit Dropleg-Düsen sind durchweg positiv. Sinnvoll ist darüber hinaus, Imker über geplante Pflanzenschutzmaßnahmen zu informieren.

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