Report Saatgut

„Saatgut für Leguminosen ist knapp“


Foto: BVO

Qualität von Hülsenfrüchten lässt zu wünschen übrig, weiß Hans-Peter Ruopp vom Bundesverband der VO-Firmen

Besonders Acker- und Sojabohne haben unter der Trockenheit im vergangenen Jahr gelitten. Die Versorgung mit Saatgut von Leguminosen ist in diesem Frühjahr eng, sagt der Saatgutexperte Hans-Peter Ruopp. Alternativen sind nicht immer leicht zu finden.

agrarzeitung: Welche Folgen haben Trockenheit und Dürre für die Saatgutversorgung in diesem Frühjahr?

Hans-Peter Ruopp: Eine generelle Knappheit kann nach heutigen Erkenntnissen nicht prognostiziert werden. In den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg, aber auch in Teilen Sachsens und anderer Bundesländer war die Lage bei Weitem nicht so dramatisch, wie man aus den Ernten der von Dürre betroffenen Gebiete ableiten könnte. Dennoch wird für einzelne Sorten nicht ausreichend Saatgut zur Verfügung stehen. Besonders die Vermehrung von Leguminosen hat stark gelitten.

Inwiefern?

Schätzungsweise wurde in den klassischen Vermehrungsgebieten für Ackerbohne, Erbse, Lupine und Sojabohne weniger als die Hälfte geerntet als üblich. Außerdem hat das Saatgut von Acker- und Sojabohne Probleme, zu keimen. Bis Ende Mai dieses Jahres ist es deswegen erlaubt, einen gewissen Anteil der Ware mit einer Keimfähigkeit von lediglich 70 Prozent in den Verkehr zu bringen. Das betrifft insgesamt 1660 Tonnen bestimmter Sorten der Ackerbohne und 2000 Tonnen bestimmter Sorten der Sojabohne. Die entsprechenden Packungen und Behältnisse sind mit einem Zusatzetikett oder einem Begleitpapier zu versehen, in dem auf die verminderte Keimfähigkeit hingewiesen wird.

Kann die Nachfrage gedeckt werden?

Aus heutiger Sicht kann sie nicht oder zu wesentlichen Teilen nicht gedeckt werden. Dies trifft vor allem Öko-Betriebe. In der Vergangenheit konnten diese sich alternativ an noch ungebeizter, konventionell erzeugter Ware bedienen. Aber auch hier fehlt der Nachschub in diesem Frühjahr.

Was empfehlen Sie Landwirten vor diesem Hintergrund?

Landwirte werden gezwungenermaßen auf Sommergetreidearten ausweichen müssen. Das ist zwar in Getreidefruchtfolgen nicht optimal, doch die einmalige Unterbrechung sollte keine allzu großen Probleme aufwerfen. Besonders konventionell wirtschaftende Betriebe werden, je nach Verwendungsmöglichkeit, Mais zur Körnernutzung oder Silomais als Ersatz anbauen.

Darüber hinaus gibt es keine wirkliche Alternative zu Leguminosen. Besonders Betriebe, die an mehrjährigen Förderprogrammen teilnehmen, müssen die Fruchtfolge einhalten. Das trifft vor allem Öko-Betriebe. Je nach Standort haben diese die Möglichkeit, die wärmeliebende Sojabohne anzubauen oder hofeigenes Saatgut von Ackerbohne, Erbse und Lupine für den Nachbau zu verwenden.

Welche Getreidesorten sind bereits vergriffen?

Derzeit kann noch keine verlässliche Aussage getroffen werden. Allerdings wurde ein Antrag gestellt, die Keimfähigkeit für 250 Tonnen einer Sorte Sommer-Triticale von 85 auf 70 Prozent zu senken. Die Genehmigung seitens der EU-Behörden steht noch aus.

Trotz schlechter Prognose für die Versorgung: Ist es gar nicht so schlimm?

In der Realität sieht es mit der Versorgung gar nicht schlecht aus. Ernst ist die Lage jedenfalls noch nicht. Die Annahme, Saatgut sei knapp, hat im vergangenen Herbst dazu geführt, dass sich einige Akteure dazu veranlasst sahen, Saatgut aus den europäischen Nachbarländern zu importieren. Darüber hinaus hat die Prognose zu einer deutlich höheren Nachbau-Quote in einzelnen Gebieten geführt. Somit ist die Absatzquote aus Inlandsvermehrungen nicht exorbitant höher als in anderen Jahren. Die der Spekulation zum Opfer gefallenen Importeure müssen sogar Saatgut ins nächste Jahr überlagern.

Zur Person

Hans-Peter Ruopp ist erster stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der VO-Firmen (BVO). Hauptberuflich ist er Geschäftsbereichsleiter Saatgut und Pflanzenschutz der Firma Beiselen GmbH in Ulm. Ruopp ist gelernter Landwirt und studierter Agraringenieur. Vor seiner Position bei Beiselen war er im Landhandel in Deutschland und Frankreich sowie im genossenschaftlichen Handel tätig.

Was raten Sie vor diesem Hintergrund Vermehrern von Saatgut?

Die Vermehrungsbetriebe und die mit ihnen partnerschaftlich verbundenen VO- und Unter-VO-Firmen sind es gewohnt, mit sich ändernden Bedingungen umzugehen. Überreaktionen bleiben in der Regel aus, das zeigt zumindest die Erfahrung aus vergangenen Jahren. Nichtsdestotrotz werden die Risiken sehr wohl abgeschätzt.

Dies zeigt sich in kleinen Anpassungen der Vermehrungsflächen über die Jahre. Ein einziges katastrophales Jahr führt in der Regel aber nicht dazu, dass Vermehrungsflächen über Gebühr nach oben oder unten korrigiert werden.

Darüber hinaus wird bei Getreidekulturen nicht auf Bestand produziert. Überlagert werden, wenn überhaupt, nur die Mengen, die nicht verkauft werden konnten. Gewisse Risiken durch Qualitätsverlust sind nämlich nicht von der Hand zu weisen. Deutlich mehr Effekt auf die Wirtschaftlichkeit der Saatgut-Produktion haben allerdings die sich jährlich ändernden Vermehrungspreise. Hier kann von einem Jahr zum anderen durchaus mal die mögliche Handelsspanne weg sein oder sogar Verlust entstehen.

Wird es doch einmal knapp: Welche Betriebe kommt das teuer zu stehen?

Das alles ist zwar für die Aussaat im Frühjahr 2019 noch sehr hypothetisch. Aber besonders Betriebe, die Sommerbraugerste und Hafer mit Schäleignung anbauen, sind alternativlos, wenn hier in der Erfassung und Vermarktung spezifische Sorten verlangt werden. Grundsätzlich gilt: Wenn einzelne Sorten nicht mehr verfügbar sind, so ist ein Sortenwechsel bei der Aussaat zur Verwendung als Futtergetreide eher unkritisch.

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