Belastungsprobe für den Dinkelteig: Die Verarbeiter fordern hohe Backqualität.
Foto: H. Beck/Uni Hohenheim
Belastungsprobe für den Dinkelteig: Die Verarbeiter fordern hohe Backqualität.

Um mit Erfolg für die Dinkel-Nische zu produzieren, müssen Landwirte andere Dinge als im Weizenanbau beachten. Verträge mit zuverlässigen Abnehmern sichern die Preise.

Die als Urgetreide geltenden Arten Dinkel, Einkorn und Emmer erzielen höhere Preise als konventioneller Backweizen. Damit der Anbau aber tatsächlich eine wirtschaftliche Alternative wird, müssen Landwirte einige Herausforderungen meistern, sagt Dr. Friedrich Longin von der Universität Hohenheim. Für Dinkel nennt der Weizenexperte drei wesentliche Punkte:

Erstens müssen die höheren Dinkelpreise auch den Ertragsverlust durch die Entspelzung ausgleichen. Im Unterschied zum Weizen ist das Dinkelkorn fest mit den Spelzen verwachsen. Dadurch erfordert die Aufbereitung einen zusätzlichen Verarbeitungsschritt.

Zweitens sollte der Dinkelanbauer rund 50 kg Stickstoff weniger düngen als bei Weizen. Dinkel benötigt nur 150 kg Stickstoff. Longin kann sich vor dem Hintergrund der neuen Düngeverordnung vorstellen, dass Dinkel für einige Landwirte in der Fruchtfolge eine Alternative sein könnte.

Drittens sollte sich der Landwirt unbedingt um feste Anbauverträge bemühen und vorher abklären, welche Sorten die Mühle der Wahl bevorzugt. Mühlen, die langjährige Erfahrungen in der Dinkelverarbeitung haben, sind etwa die Schapfenmühle und die Heimatsmühle in Baden-Württemberg oder die Saalemühle in Sachsen-Anhalt.

Anbauverträge empfehlen sich umso mehr, wenn Landwirte statt Dinkel die selteneren Weizenarten Einkorn und Emmer anbauen. Die Herbstbestellung 2018 ist ein günstiger Zeitpunkt, um in die Erzeugung für die Urgetreide-Nische einzusteigen, meinen Marktbeobachter. Allerdings wäre es hilfreich, wenn ein jährliches Flächenwachstum von 5 bis 6Prozent nicht überschritten wird. Dann schätzen Experten das Preisniveau von Dinkel als stabil ein. Bei ausgeglichenen Marktbedingungen können Landwirte für konventionell angebauten Dinkel mit Preisen kalkulieren, die rund 20 Prozent über dem Niveau von Backweizen liegen.

In den vergangenen beiden Jahren waren höhere Preise für Dinkel allerdings kaum zu erzielen, vor allem, wenn es sich um vertraglich nicht gebundene Ware handelte. Denn die Anbaufläche war zu stark ausgedehnt worden und es folgte eine Talfahrt der Preise. Von dieser Überproduktion beginnt sich der konventionelle Markt langsam wieder zu erholen. Solche hohen Ausschläge sind allerdings nur am konventionellen Markt die Regel. Im Ökosektor ist die Versorgungslage mit Dinkel grundsätzlich als knapp zu bewerten.

Die Anbaufläche für Dinkel, Einkorn und Emmer wird von der offiziellen Agrarstatistik nicht erfasst, sondern dem Winterweizen zugeordnet. Deswegen gibt es nur vage Schätzungen. Zurzeit könnte die gesamte Anbaufläche 80000 bis 90000ha umfassen. Gut zwei Drittel davon sind konventionell angebauter Dinkel.

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