Report Tier & Technik

Impfstoffe aus der Tabakpflanze


Tabakpflanze sollen zur Produktion spezieller Vogelgrippeantigene dienen.
Foto: pixabay
Tabakpflanze sollen zur Produktion spezieller Vogelgrippeantigene dienen.

Beim Ausbruch der Infektionskrankheit gibt es oftmals nur eine Methode, um sie einzudämmen – das Keulen der Nutzvögel. Eine schnell erzeugbare und kostengünstige Impfung könnte hier jedoch bald eine neue Alternative bieten.

In jahrelanger enger Zusammenarbeit haben Forscher des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben und des Institute of Biotechnlology (IBT) in Vietnams Hauptstadt Hanoi eine Methode zur Produktion von Vogelgrippe-Vakzinen in Pflanzen entwickelt. Nun geht es in einem neuen Vorhaben um die praktische Anwendung der bisherigen Ergebnisse und um die Entwicklung von preiswerten und stabilen Vogelgrippe-Vakzinen, teilte das IPK mit. Neben der Gefährdung von Tieren und Menschen können Vogelgrippeepidemien die Geflügelfleisch- und Eierproduktion von Regionen erheblich beeinflussen. betont das IPK. Um auf neue Ausbrüche reagieren zu können, müssten passende Vakzine schnellstmöglich entwickelt und zur Verfügung gestellt werden. Die klassische Erzeugung von Impfstoffen in embryonierten Hühnereiern dauert fünf bis sechs Monate. Eine moderne Alternative ist die Erzeugung von sogenannten "subunit va ccines" in Pflanzen. Die Vorteile dieses Verfahrens sind laut IPK nicht nur kurze Produktionszeiten, die eine schnelle Anpassung an sich verändernde Viren im Feld ermöglichen, sondern auch niedrige Produktionskosten, einfache Skalierbarkeit und niedrige Infrastrukturkosten. Wissenschaftler der IPK-Arbeitsgruppe Phytoantikörper unter Leitung von Prof. Udo Conrad und Forscher des IBT arbeiteten bereits in einem vorangegangenen Projekt an einer effektiven Methode zur Erzeugung derartiger pflanzenbasierter Peptid-Vakzine. Als Ergebnis gelang es ihnen, Hämagglutininmultimere, spezielle Vogelgrippeantigene, in Tabakpflanzen zu produzieren und deren neutralisierende Immunantworten in Mäusen zu zeigen.

Anfang 2019 ist nun das neue Projekt des IPK und des IBT angelaufen. Zusammen mit der vietnamesischen Firma Navetco, welche auf dem Gebiet der Vogelgrippe-Vakzinierung aktiv ist, arbeiten sie an der raschen und kostengünstigen Erzeugung von Vakzinen gegen Vogelgrippeerreger. Zunächst gehe es um die praktische Anwendung der Grundlagenforschungsergebnisse. So seien im nächsten Schritt Challenge-Versuche an Hühnern geplant, welche die Robustheit des entwickelten Verfahrens in der Praxis testen sollen.

Das langfristige Ziel der Forscher ist dabei die Entwicklung einer in Pflanzen erzeugten Peptid-Vakzine gegen Vogelgrippeviren. Mit dieser hoffen sie bald, eine neue Methode zur Eindämmung und Vorbeugung von weiteren Vogelgrippe-Pandemien anbieten zu können. "Dank der Unterstützung aus Vietnam könnte das Verfahren schon in drei bis vier Jahren marktreif sein im ostasiatischen Raum", so Conrad gegenüber dieser Zeitung.

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