Report Tierhaltung

Auf das richtige Futter kommt‘s an


Höhere Rohfaseranteile und eine gute Futterstruktur wirken sich positiv auf die Verdauung und das Verhalten der Tiere aus.
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Höhere Rohfaseranteile und eine gute Futterstruktur wirken sich positiv auf die Verdauung und das Verhalten der Tiere aus.

Menge und Qualität der Eier sind nicht mehr die einzigen Ziele der Erzeuger. Mit der Forderung nach mehr Tierwohl und dem Verzicht auf das Kürzen der Schnäbel werden auch Kriterien wie die Gesundheit und der Zustand des Gefieders wichtiger.

Legehennen mit unbehandelten Schnäbeln stellen nicht nur an das Management höhere Anforderungen. Auch bei der Struktur und Zusammensetzung des Futters müssen die neuen Herausforderungen berücksichtigt werden. Denn Futter dient nicht nur der Aufnahme von Nährstoffen, sondern auch der Beschäftigung. „Mit dem Futter allein lassen sich Probleme im Stall wie Federpicken und Kannibalismus nicht lösen“, betont Robert Pottgüter. Der Experte für Tierernährung bei der Lohmann Tierzucht sieht in der Qualität des Futters aber einen wichtigen Einflussfaktor.

Entscheidend für die Akzeptanz ist die richtige Struktur des Futters. „Optimal sind gutes Mehlfutter oder wirklich gutes Granulat“, erläutert Pottgüter. Dabei sollten die Tiere idealerweise von der Geburt bis zur Schlachtung die gleiche Futterstruktur bekommen, die homogen und entmischungsstabil sein müsse. Vom Pelletieren des Legehennenfutters hält er gar nichts, denn bei der Herstellung könnten durch die hohen Temperaturen wertvolle Zusatzstoffe zerstört werden. Außerdem könne in den Pellets kein grober Kalk verarbeitet werden – als wichtigste Basis für gute Eischalenqualität. Wenn die Pellets brechen, liege nur noch Puder im Trog. „Das mag kein Huhn fressen“, hat der Lohmann-Experte beobachtet.

Beim Granulat müsse sehr auf die Qualität geachtet werden, denn häufig sei es zu hart und scharfkantig. Mithilfe einer Siebanalyse lässt sich ermitteln, in welchen Mengen Partikel der verschiedenen Größen im Mehlfutter enthalten sind. Empfohlen werden Partikelgrößen von 0,5 bis 2,5mm, wobei der Großteil zwischen 1 und 2 mm liegen sollte.

Viel diskutiert wird die Frage, wie viel Rohfaser das Futter enthalten sollte – oder darf. Interessant ist dabei die unverdauliche Rohfaser, die Cellulose und Lignin enthält. In Biofutter werden ohne Probleme bis zu 7 Prozent Rohfaser eingesetzt und auch in der konventionellen Eierproduktion hält der Fütterungsexperte Anteile von etwa 5 bis 6 Prozent für machbar. Der Einsatz sei davon abhängig, welche Rohstoffe zur Verfügung stehen. Empfehlenswert seien zum Beispiel Sonnenblumenschrot und Hafer, deren Rohfaser eine geringe Verdaulichkeit aufweist. Bedenken müsse man, dass höhere Rohfaseranteile die Energiedichte im Futter verringern. Dies könne durch die Zugabe von energiereichen Komponenten wie Fetten oder Ölen ausgeglichen werden. Ziel sollte es sein, Energieverdünnungen im Futter und damit einen Nährstoffmangel zu vermeiden.

Zu besonderer Sorgfalt rät Pottgüter bei der Auswahl der Proteinquellen. Soja sei noch immer der beste Eiweißlieferant für Legehennen. Zwar sei die sojafreie Fütterung in Deutschland „in“, doch ganz so einfach lasse sich diese Forderung nicht realisieren. „Soja ist die sicherste verfügbare Aminosäurequelle für Legehennen“, betont der Lohmann-Experte. Alle anderen Proteinquellen hätten den Nachteil einer niedrigeren Aminosäurenverdaulichkeit.

Als ein wichtiges Ziel der Fütterung sieht Pottgüter die „Darmpflege“. Hennen mit Darmproblemen verlieren über den Kot Nährstoffe, der feuchte Kot verschlechtert die Einstreuqualität und die Tiere verhalten sich anders. Eine Verhaltensauffälligkeit kann dabei das Federpicken sein. Wissenschaftlich erwiesen sei, dass ein Mangel an Struktur und faserigem Material der Hauptgrund dafür ist. Ein Schlüsselthema ist dabei die Möglichkeit der Hennen, sich zu beschäftigen. Dazu dient in erster Linie die Einstreu. Deshalb müssten die Hennen während der gesamten Lebenszeit – auch schon während der Aufzucht – in eingestreuten Ställen gehalten werden. „Eine gute Einstreu muss manipulierbar sein, das heißt, die Tiere müssen damit arbeiten können“, fordert Pottgüter. Voraussetzung dafür sei trockenes Material. In einer Einstreu, die zu einer Platte verklebt und verkrustet ist, könnten die Hennen nicht scharren und picken. Voraussetzung für gute Einstreu sei gutes Futter. Die bisherigen Erfahrungen in der Haltung von Legehennen mit unbehandelten Schnäbeln zeigen, dass bei der Fütterung die Darmgesundheit ein entscheidender Faktor ist.

Die bisherigen Erfahrungen in der Haltung von Legehennen mit unbehandelten Schnäbeln zeigen, dass bei der Fütterung die Darmgesundheit ein entscheidender Faktor ist. Mit gesunden Tieren, einem guten Stallklima, normaler Futteraufnahme und sauberem Tränkewasser muss das Futter heute eine stabile Darmgesundheit gewährleisten können, ist der Robert Pottgüter überzeugt. Wenn es dann doch einmal zu Problemen kommt, solle sich der Legehennenhalter vertrauensvoll ein seinen Futterlieferanten wenden – denn jeder gute Tierernährer habe „immer noch eine Idee auf Lager“ – ganz speziell, wenn diese dann auch durch einen kleinen Aufpreis des Futters honoriert werde, empfiehlt Robert Pottgüter den Hennenhaltern.

 



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