Report Tierhaltung

Das Wagnis hat sich gelohnt


Seit April 2016 werden die Flächen von der Familie Nordbruch in Stuhr-Moordeich ökologisch bewirtschaftet.
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Seit April 2016 werden die Flächen von der Familie Nordbruch in Stuhr-Moordeich ökologisch bewirtschaftet.

Wachsen oder umstellen – vor dieser Frage standen Lars und Kersten Nordbruch vor drei Jahren. Die Familie entschied sich, in Zukunft ökologisch zu wirtschaften und in Melkroboter zu investieren.

Unternehmerische Entscheidungen prägen landwirtschaftliche Betriebe auf Jahrzehnte. Kredite für Investitionen müssen über Jahre abbezahlt werden. Die Aufgabe eines Betriebszweigs kann in der Regel nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wie es auf dem Hof weitergeht, sollten die Betriebsleiter nicht entscheiden, ohne die potenziellen Hofnachfolger einzubeziehen. Diese Erfahrung hat auch Lars Nordbruch gemacht. Der 50-Jährige ist mit Leib und Seele Milcherzeuger und hat diese Leidenschaft an seinen Sohn Kersten weitergegeben.

Seit September 2017 produziert der Betrieb Biomilch, die an die Molkerei Ammerland geliefert wird. Die Entscheidung für den ökologischen Landbau war nicht einfach und musste in der Familie zunächst intensiv diskutiert werden. Denn Vater Lars hatte eigentlich andere Pläne für den Hof. Nach dem Besuch eines neu gebauten Stalls sei er begeistert nach Hause gekommen und habe seiner Familie erklärt, dass er die Herde auf 300 Kühe verdoppeln möchte, berichtet der Landwirtschaftsmeister. Sein Sohn reagierte auf diese Überlegungen reserviert. „Ich habe ihm gesagt, dass ich keine Lust habe, 300 Kühe zu melken“, erinnert sich Kersten Nordbruch. Seine Überlegungen gingen in eine andere Richtung: „Wie können wir das, was wir machen verbessern und so die Wertschöpfung und den Milchpreis steigern?“ Eine Veranstaltung der Molkerei Ammerland, in der über die Umstellung auf die Biomilchproduktion informiert wurde, zeigte der Familie eine Alternative zum Wachstum auf.

Lars (l.) und Kersten Nordbruch ergänzen sich perfekt.
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Lars (l.) und Kersten Nordbruch ergänzen sich perfekt.

Die Nähe zur Stadt Bremen ist zum Problem geworden

„Ich war erst skeptisch“, gibt der Vater zu. Doch schließlich habe er sich von seinem Sohn und seiner Frau überzeugen lassen, das Wagnis einzugehen. Neben den rein wirtschaftlichen gab es auch strategische Gründe, die konventionelle Landwirtschaft aufzugeben. Der Hof wirtschaftet in Sichtweite der Stadt Bremen im Speckgürtel der Großstadt. Die Wohnbebauung ist in den vergangenen Jahrzehnten immer näher an die im Außenbereich liegende Hofstelle herangerückt und damit auch das Potenzial für Konflikte gewachsen. „Als Biobetrieb kommen wir in der Bevölkerung besser rüber“, ist die Hoffnung des Sohnes. Die Lage sei für den Betrieb schon immer das beherrschende Problem gewesen, ergänzt der Vater. Mit nur 12 ha eigenem Land sei man auf Pachtflächen angewiesen, um die 200 Milchkühe plus Nachzucht mit Futter versorgen zu können.

Im Winter 2015/16 wurde die Entscheidung getroffen, den Betrieb auf Ökolandbau umzustellen. Seit April 2016 werden die Flächen ökologisch bewirtschaftet. Die Umstellung forderte von der Familie einen langen Atem und war trotz der staatlichen Förderung nicht billig. Die Produktionskosten stiegen sofort, die Einnahmen aus dem Milchverkauf erst zehn Monate später. In den vergangenen beiden Jahren sammelten die Nordbruchs viele neue Erfahrungen, nussten aber auch Lehrgeld bezahlen. „Wir haben beide eine konventionelle Ausbildung und fangen jetzt an, die Landwirtschaft neu zu lernen“, berichtet der Vater.

Auf den besseren Böden wird Kleegras angebaut, auf den schlechteren Mais, Hafer und Lupine. Die Unkrautbekämpfung stellte die beiden frischen Biobauern vor große Probleme. Zeitweise musste Melde mit der Hand aus dem Acker gezogen werden. „Das was Knochenarbeit. Danach sind wir losgefahren und haben uns eine Rollhacke gekauft“, berichtet Lars Nordbruch, der heute über die anfänglichen Schwierigkeiten lachen kann. Nach wie vor verkauft der Hof Färsen und Kälber. Die Genetik wurde zu einem Teil auf fleischreichere Rassen umgestellt. „Da freut man sich auch über männliche Kälber“, stellt Kersten Nordbruch zufrieden fest. Derzeit besucht der Hofnachfolger die Meisterschule. Mit dem Sojaanbau hat er sich für seine Masterarbeit ein Thema ausgesucht, das zur Neuausrichtung des Betriebs passt.

Neue Wege ist der Betrieb auch beim Melken gegangen. Die Altenteiler packen zwar noch mit an, sind mit über 70 Jahren aber nun auch in einem Alter, in dem die Arbeit immer schwerer fällt. Um die Belastung insgesamt zu senken, schaffte die Familie drei Melkroboter an. „Wir legen Wert darauf, dass man auch mal ein Wochenende freinehmen und einmal im Jahr in Urlaub fahren kann“, berichtet der Vater. Und mit Blick auf seinen 22-jährigen Sohn fügt er lächelnd hinzu: „Sonst findet man heutzutage auch keine Frau.“

Trotz aller Schwierigkeiten bei der Umstellung des Betriebs hat die Familie die Entscheidung nicht bereut. Auch die Kühe mussten sich umstellen, an das andere Futter und den Weidegang gewöhnen. Die Milchleistung sank von 32 auf 24 Liter am Tag und soll nun wieder gesteigert werden. „27,5 Liter muss man schon schaffen“, geben die beiden Biomilchbauern als Zielmarke an. Bis sich alles eingespielt hat, werden wohl noch einmal zwei Jahre vergehen, glauben Vater und Sohn.

Keine Vorbildfunktion für  andere Unternehmen

Als Vorbild für andere sehen sie sich nicht, denn letztendlich hängen Entscheidungen zur Betriebsentwicklung immer von den Gegebenheiten vor Ort ab. Eines ist Lars Nordbruch aber wichtig, festzustellen: „Betriebe, die umstellen wollen, müssen wirtschaftlich gesund sein.“ Für einen finanziell angeschlagenen Betrieb sei es kaum möglich, die wirtschaftlich schwierige Umstellungsphase zu überstehen.

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