Report Tierhaltung

Ferkelzucht auf Stroh und mit frischer Luft

Foto: SB

Georg Asbrock suchte Alternativen zum Wachstumszwang – Neuland sichert feste Abnahmepreise

Neuland ist derzeit in aller Munde – nicht zuletzt, weil es die Marke jetzt auch bei Aldi und Co gibt. Die Anforderungen an die Erzeuger sind hoch.

Eingebettet in die malerische Landschaft des Teutoburger Waldes, umgeben von Feldern, Grünland, Wäldern und Streuobstwiesen, wirkt der Hof Asbrock in Wellingholzhausen wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Wer die „moderne Landwirtschaft“ vor Augen hat, kann sich kaum vorstellen, dass sich hinter der Bruchsteinfassade des mehr als 100 Jahre alten Hofes ein Haupterwerbsbetrieb verbirgt.

Betriebsleiter Georg Asbrock ist sich bewusst, dass er eine Sonderrolle einnimmt. Vor 25 Jahren pachtete er den Hof von seinem Vater. Damals standen 13 Milchkühe und 40 Sauen in den Ställen. Jahre später stellte sich die Frage: aufgeben oder weitermachen? Der Berater der Landwirtschaftskammer empfahl, die Milchproduktion einzustellen und sich ganz auf die Ferkelproduktion zu konzentrieren. Ein Stall für 250 Sauen galt damals als zukunftsfähig. Georg Asbrock wollte diesen Weg nicht gehen, denn mit nur 15 ha eigenem und 10 ha gepachtetem Land schien ihm das Verhältnis von Fläche zu Tierbestand ungünstig. Für den Bau eines komplett neuen Stalls hätte er außerdem einen hohen Kredit aufnehmen müssen.

Dass die Kammer ihn nur vor die Alternative „aufstocken oder aufgeben“ gestellt hatte, darüber ärgert sich der 51-Jährige noch heute. Andere Wege wie Bioproduktion oder alternative Tierhaltungskonzepte seien kein Thema gewesen. Im Internet sei er dann auf Neuland gestoßen. Vor 13 Jahren krempelte er schließlich seinen Hof um. Die Kühe wurden ebenso verkauft wie die Milchquote. Die Einnahmen reichten aus, um die vorhandenen Gebäude nach den Neuland-Vorgaben umzugestalten.

Weil es in dem Betrieb nie Ställe mit Spaltenböden gab, sei der Umbau einfach zu bewerkstelligen gewesen, berichtet der Neuland-Bauer. Im ehemaligen Kuhstall zogen die tragenden Sauen ein. Die Mistplatte wurde überdacht und dient nun als Auslauf. Das Flatdeck wurde in einem Offenfrontstall eingerichtet, in dem früher schon die Ferkel aufgezogen wurden.

Teile der Infrastruktur bleiben bestehen

Ein Teil der früheren Abferkelbuchten wird weitergenutzt, weil auch bei Neuland-Betrieben an den ersten zehn Tagen nach dem Abferkeln die Fixierung der Sau gestattet ist. Anschließend ziehen Sau und Ferkel in Bewegungsbuchten um. Fünf Wochen bleiben die Ferkel bei der Sau, diesich anschließend in einem gesonderten Bereich erholen kann.

Gedeckt werden die Sauen im Natursprung, für den zwei Pietrain-Eber gehalten werden. Früher habe er künstlich besamt. Doch neue Gebühren hätten das Spermas für kleine Betriebe überproportional verteuert.. Auch bei der Remontierung verfährt Asbrock nach dem Motto „Do it yourself“. Die Sauen für die Nachzucht werden in Wechselkreuzung mit Landrasse und Large White künstlich besamt.

Mit einer Leistung von 23,2 Ferkeln pro Sau und Jahr und einer durchschnittlichen Lebensdauer von rund vier Jahren ist Asbrock zufrieden. 10 Prozent Leistung gingen durch die längere Säugezeit verloren. Die Ferkelverluste liegen bei 12Prozent.

Verkauft werden die Ferkel zu einem festen Grundpreis von 72Euro mit einem Abrechnungsgewicht von 25 kg an einen westfälischen Betrieb bei Osnabrück, der pro Jahr rund 1100 Tiere abnimmt. In einem festen Abferkelrhythmus arbeitet der Hof mit seinen 50 bis 60 produktiven Sauen nicht. Die Kastration der Ferkel übernimmt ein Tierarzt, der den Hof etwa alle drei Wochen besucht. Die Ferkel werden mit Isofluran in Vollnarkose versetzt. Das Mittel ist bisher in Deutschland nur mit Ausnahmegenehmigung zugelassen. Nach rund 30 Sekunden sind die Tiere bewusstlos und der Tierarzt kann den Eingriff vornehmen. Nach dem Aufwachen würden sich die Tiere schnell wieder normal verhalten. „Wegen der Narkose habe ich noch kein Ferkel verloren“, betont Asbrock. An den Tierarzt, der je Besuch rund 30 bis 40 Ferkel kastriert, zahlt er pro Ferkel sechs Euro.

Beim Rundgang über den Hof fällt auf, dass nur wenig von dem für Schweineställe typischen Güllegeruch zu spüren ist. Bis auf wenige Bereiche ist der Stall mit Stroh eingestreut, sodass es, auch wenn es sich schon braun verfärbt hat, kaum nach Exkrementen riecht. Die Strohhaltung ist aber sehr arbeitsaufwendig. Pro Jahr werden 150 große und etwa 1.000 kleine Strohballen benötigt, um die Ställe einzustreuen. Der meiste Mist kann mit dem Hoflader aus den Ställen geholt werden, im Abferkelbereich ist jedoch Handarbeit angesagt.

Georg Asbrock würde es begrüßen, wenn Landtechnikhersteller oder Stallausrüster technische Lösungen für ein vereinfachtes Einstreuen und Ausmisten anbieten würden, doch bisher zeigt die Industrie kein Interesse.

Das Stroh gewinnt der Betrieb auf seinen eigenen Flächen. Mit einer fünfgliedrigen Fruchtfolge Weizen, Gerste, Raps, Weizen, Ackerbohne oder Hafer kann er den größten Teil des Futters selbst produzieren. Als Eiweißkomponenten werden Rapsschrot und Kartoffeleiweiß zugekauft. Laut Neuland-Richtlinien dürfen dabei nur einheimische Produkte verwendet werden. Ärgerlich sei, dass bei den Leguminosen in den vergangenen Jahren keine Ertragssteigerungen zu verzeichnen waren. „Wir bauen seit 15 Jahren die gleichen Sorten an, weil die Züchter nichts Neues auf den Markt bringen“, kritisiert er.

Strohqualität bei der Ernte immer im Blick

Bei der Getreideernte hat Asbrock immer die Strohqualität im Blick. „Wenn Niederschläge drohen, dresche ich das Korn lieber etwas feuchter, damit ich das Stroh noch trocken pressen kann.“ Mit einer eigenen Getreidetrocknung und einer Mahl- und Mischanlage ist der Hof unabhängig. Die Haltung der Tiere auf Stroh und in offenen Ställen wirke sich nicht nachteilig auf die Tiergesundheit aus. „Beim Antibiotikaverbrauch und den Salmonellen gehören wir im bundesweiten Vergleich zu den besseren Betrieben“, betont das Neuland-Mitglied.

Erst kürzlich habe er eine Kotprobe von zehn Ferkeln an ein Labor geschickt und es sei keine Salmonellenbelastung nachgewiesen worden. Mancher Kontrolleur wünsche sich dennoch mehr Biosicherheit. So sei schon bemängelt worden, dass Schwalben durch den Stall flögen. „Natürlich kann ich nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass eine Schwalbe in den Futtertrog macht, dafür frisst sie aber auch viele Fliegen.“

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