Die Anforderungen seitens Gesellschaft und Politik an die Erzeugung von Lebensmitteln sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Sektor Tier bieten alternative Futterzusätze großes Potenzial.

In der modernen Tierhaltung müssen die ökonomisch erforderlichen hohen Tierleistungen mit Anforderungen an das „Tierwohl“ und einer Reduzierung des Einsatzes von Antibiotika vereint werden. Dabei nimmt die Ernährung der Tiere eine Schlüsselposition ein. Es geht um „gesunde Ernährung“.

Dazu bedarf es einer ganzheitlichen Betrachtung: eine auf praktisch-wissenschaftlichen Ergebnissen und Erfahrungen basierte Futterformulierung, kombiniert mit innovativen Zusatzstoffen aus natürlichen Quellen, bietet die erforderlichen Lösungen. Das gilt für alle Tierarten und insbesondere für Schweine und Geflügel. In der Diskussion um die weitergehende Reduzierung der Antibiotikaverwendung in der Tierhaltung müssen zwei Sachverhalte vorausgeschickt werden. Laut Statistik des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist in den Jahren 2011 bis 2016 die Abgabe von Antibiotika der verschiedenen Wirkstoffklassen an die Tierhaltung in Deutschland um gut 56 Prozent von 1706 auf 742 t gesunken (siehe Grafik). Auch die seit 2014 verpflichtende Erfassung der Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit für Masttiere, die halbjährlich vom BVL veröffentlicht werden, zeigen diesen Trend. Hier ist die Reduzierung in der Schweinefleischerzeugung mit über 60 Prozent herauszustellen.



Diese Reduzierung der Anwendung von Antibiotika ist auch im EU-weiten Vergleich ein Erfolg. Nicht alle EU-Mitgliedstaaten können ihn in dieser Größenordnung aufweisen. Dennoch besteht weiterhin großer Handlungsbedarf. Dabei muss sichergestellt bleiben, dass kranke Tiere sach- und fachgerecht behandelt werden. Das ist im Hinblick auf Tierschutz und Tierwohl eine grundlegende rechtliche und ethische Bedingung.

Nach wie vor besteht ein großes Potenzial, über gezielte Fütterungsmaßnahmen besonders subklinischen Darmerkrankungen vorzubeugen und so eine weitergehende Reduzierung der oralen Antibiotikaanwendung zu ermöglichen. Diese Vorgehensweise ist auch ein zentrales Element in der Strategie zur Verringerung der Antibiotikaresistenzen in Bakterien. Verdauung setzt sich aus komplexen Prozessen zusammen und entsprechend komplex ist auch die „gesunde Ernährung“. Es geht nicht um eine einzelne Maßnahme oder einen einzelnen Zusatzstoff – es gilt, die Teile des Puzzles „Gesunde Ernährung“ zu kennen und jedes Teil an der richtigen Stelle und zum richtigen Zeitpunkt zu platzieren. Basis aller Maßnahmen ist die Zusammensetzung des Futters mit hygienisch einwandfreien Rohstoffen. Tierart- und produktionsspezifisch sind die wissenschaftlich erarbeiteten und in der Praxis erprobten Nährstoffanforderungen mit der jeweiligen Futterformulierung zu erfüllen.

So ist in der Geflügel- und Schweineernährung die Gestaltung der Futterrezepturen auf Basis verdaulicher Aminosäuren Stand des Wissens. Dieses Vorgehen ermöglicht eine Begrenzung des Eiweißgehalts im Futter ohne Leistungseinbußen und wirkt sich positiv auf die Balance in der Mikroflora im Darm aus.

Denn ein „Zuviel“ an Protein in hinteren Darmabschnitten kann das Wachstum gram-positiver Bakterien – hier vor allem der Art Clostridien – begünstigen. Dies kann zu einem Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Mikroflora führen. Im engeren Sinn ist dies noch keine Erkrankung, jedoch ein Ungleichgewicht. Der Fachbegriff dafür lautet „Dysbiose“. Als Folge können durchaus bereits erste Durchfallerscheinungen auftreten, die dann oftmals einen ersten Antibiotikaeinsatz zur Folge haben. Dies ist genau der Fall, den es zu verhindern gilt.

Ergänzend zu grundlegenden Anpassungen in der Futterformulierung hat sich die Verwendung verschiedener Futterzusätze bewährt. Neben Enzymen – allen voran Phytase und Carbohydrasen wie Xylanasen – sowie organischen Säuren werden in den vergangenen Jahren auch Extrakte aus bestimmten Pflanzen – sogenannte sekundäre Pflanzinhaltsstoffe – zunehmend erfolgreich genutzt. Hier wird auf EU-Ebene in Arbeitsgruppen derzeit auch an einer Überarbeitung der Registrierungsrichtlinien gearbeitet, um derartigen natürlichen Additiven im Hinblick auf ihre Bedeutung für Tierwohl und Antibiotikareduzierung deutlich besser gerecht zu werden. Eine in jeder Hinsicht zu begrüßende und zu unterstützende Entwicklung.

Eine weitere Reduzierung der Antibiotikaverwendung in der Tierhaltung ist gerade über die konsequente Umsetzung neuester Erkenntnisse und Erfahrungen in der Tierernährung möglich. Die EU-Kommission hat ein mittelfristiges, EU-weites Verbot sehr hoher Zinkdosierungen im Futter angekündigt, was in Deutschland schon seit mehreren Jahren nicht mehr zugelassen ist. Dies nicht nur aus Umweltgründen, sondern insbesondere auch, weil hohe Zinkdosierungen in der Fütterung die Antibiotikaresistenzbildung bei Bakterien mitbedingen können. Das Vorhaben kann nur als absolut notwendiger und richtiger Schritt bezeichnet werden.

Dr. Heinrich Kleine Klausing,
EW Nutrition GmbH, Visbek

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