Noch bremsen Restbestände einen Flächenzuwachs 

Editorial von Henrike Schirmacher

Die Produktionsplanung der Maiszüchter für das Jahr 2015 fiel damals überraschenderweise zu üppig aus. Niemand hatte mit einem Ukraine-Konflikt gerechnet, der zur Folge hatte, dass osteuropäische Absatzmärkte verloren gingen. Vermehrer von Mais-Saatgut spüren dies noch, der Flächenzuwachs in Deutschland stagniert. Die Bestände müssen zunächst abgebaut werden. Anschließend wird die Vermehrungsfläche allerdings wieder wachsen, schätzen Experten der Mais-Saatgut-Branche – voraussichtlich bereits im kommenden Jahr. Landwirte werden sich allerdings gut überlegen, ob sie Körnermais anbauen, die niedrigen Notierungen an der Matif weisen daraufhin, dass die Fläche etwas kleiner ausfallen könnte. Statt auf Mais könnte die Wahl auf die Konkurrenzkultur Weizen fallen.

Mais-Saatgut made in Germany

Großbritannien ist trotz Brexit ein interessanter Absatzmarkt – Anbaufläche sinkt leicht. Am Oberrhein und im südlichen Kaiserstuhl ist es warm genug für die Vermehrung von Mais. Das Potenzial wird allerdings längst nicht mehr ausgeschöpft, weil Absatzmärkte weggebrochen sind. Auch die Anbaufläche geht leicht zurück.

Der Markt für die Vermehrung von Maissaatgut ist in Deutschland überschaubar. Lediglich im südlichen Oberrheingraben ist das Klima günstig, um Saatgut für sehr frühe, frühe und mittelfrühe Reifegruppen zu vermehren, berichtet Ekkehard Hipp, ZG Raiffeisen. Am Oberrhein und im südlichen Kaiserstuhl hat die ZG Raiffeisen in diesem Jahr auf rund 2500 ha vermehrt. Die Firma Südgetreide bestellt eine Vermehrungsfläche von 1000 ha nördlich des Kaiserstuhls. „Potenzial gibt es bis zu einer Fläche von 4500 Hektar“, sagt Hipp. Doch der Konflikt in der Ukraine hat den Absatzmarkt für Mais-Saatgut schrumpfen lassen. Für das Jahr 2018 prognostiziert Hipp eine ähnlich große Vermehrungsfläche mit Tendenz nach oben.

Deutschland würde mit dieser Fläche einen Selbstversorgungsgrad von rund 18 Prozent erreichen, doch neben Regionen in Norddeutschland und Höhenlagen beliefert die ZG Raiffeisen auch Dänemark, Großbritannien und die Beneluxstaaten. Viel Saatgut muss daher noch aus dem Ausland importiert werden. Hauptvermehrer sind Frankreich mit 56000 ha, Ungarn mit 21500 ha, Rumänien mit 20000 ha und Österreich mit 7000 ha.

ZG Raiffeisen

Auch die Maisanbaufläche ist in diesem Jahr leicht gesunken. Laut vorläufigen Zahlen schrumpfte diese verglichen zum Vorjahr um 1,2 Prozent auf rund 2,52 Mio. ha. Das Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group hatte im Frühjahr sogar einen Rückgang der Maisfläche um 2,9 Prozent prognostiziert. „Wir gehen davon aus, dass der wahre Wert wohl irgendwo dazwischen liegen wird“, sagt Helmut Meßner, Deutsches Maiskomitee (DMK). 

Maisdeckel wirkt sich aus

Beide Prognosen gehen aber von einer rückläufigen Silomaisfläche aus. Nach einem ertragsschwachen und trockenen Jahr 2015 hatten viele Landwirte für das Jahr 2016 großzügiger geplant. In diesem Jahr ist der Bedarf an Futtervorrat daher geringer. Möglicherweise sei auch der im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegte neue „Maisdeckel“ bereits flächenwirksam geworden, schätzt Meßner. Das Substrat für die neuen Fermenter darf höchstens 50 Masseprozent Mais enthalten. Der Anteil sinkt auf 47 Masseprozent im Jahr 2019 sowie 44 Masseprozent ab 2021. 

Als sehr ertragreiche Energiepflanze und vor allem wegen des Kostendrucks durch das novellierte EEG werde Mais allerdings seine führende Position bei der Erzeugung von Biogas behalten, meint Meßner. Die Entscheidung für oder gegen Körnermais wird dagegen jedes Jahr aufs Neue, und zwar in Abhängigkeit der erwarteten Preisrelation zu Alternativkulturen, getroffen. 2017 dürfte Körnermais leicht zugelegt haben, wobei allerdings laut Kleffmann Group ein kleiner Anteil davon auch über Biogasanlagen verwertet wird.

Obwohl die Ernte noch im Gange ist, wird bereits mit einer Menge von rund 4,4 Mio. t gerechnet. Das wäre zwar deutlich mehr als im vergangenen Jahr, aber dennoch weniger als im langjährigen Durchschnitt. So wie es derzeit aussieht, wird wohl auch innerhalb der Europäischen Union das Ernteergebnis unter dem langjährigen Mittel bleiben. 

Allerdings hat dies bislang keinen Einfluss auf die Marktpreise genommen, sagt Meßner. Diese leiden unter den vielversprechenden Ertragsaussichten in den USA, wo eine sehr gute Ernte erwartet wird.

Brexit ohne Folgen für Branche

Der Brexit dürfte sich kaum auf die deutsche Maisbranche auswirken, meint Meßner. Um seinen Bedarf an Körnermais zu decken, ist Deutschland auf Importe angewiesen und tritt nur in geringem Umfang als Exporteur auf. Die Maisfläche in Großbritannien hat in den vergangenen Jahren zwar eine beachtliche Größenordnung erreicht. Die Nutzung erfolgt aber ausschließlich als Silomais. Als Absatzmarkt für Saatmais ist die britische Maisfläche von rund 200000 ha also durchaus interessant. Auch bei einem Drittlandstatus sind wohl keine größeren Probleme bei der Einfuhr von Saatmais in Großbritannien zu erwarten, schätzt Meßner die Lage ein.



Mit Gülle-Strip-Till Stickstoff platzieren

Exaktes Arbeiten notwendig – Zwischenfrüchte vermeiden Blumentopfeffekt. Die streifenweise Bodenbearbeitung im Maisanbau bietet nicht nur Vorteile beim Erosionsschutz und der Wasserversorgung. Auch die in der Gülle enthaltenen Nährstoffe können von den Pflanzen besser aufgenommen werden.

Von Steffen Bach

Im Maisanbau werden die Pflanzen meist mit Gülle oder Gärresten gedüngt. Die neue Düngeverordnung zwingt die Landwirte, Stickstoffverluste zu vermeiden. Seit einigen Jahren wird dabei das Gülle-Strip-Till-Verfahren angewendet. Es kombiniert die reduzierte Bodenbearbeitung mit der platzierten Gülle-Düngung. Die Gülle wird dabei vor der Aussaat in einem Band unter den geplanten Reihen in den Boden injiziert.

In einem mehrjährigen Projekt wurde das Verfahren in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern getestet. Dabei konnte bestätigt werden, dass mit der streifenweisen Bearbeitung der Erosionsschutz deutlich verbessert werden kann. Weil der Boden nur in der künftigen Saatreihe gelockert wird, bleiben etwa zwei Drittel der Fläche mit Pflanzenmaterial bedeckt. So geht bei der Bodenbearbeitung weniger Bodenfeuchte verloren und bei Regen wird das Wasser besser absorbiert.

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Stickstoffeffizienz deutlich verbessert wird, fasst die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft die Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt zusammen. Bei der Ausbringung der Gülle gibt es dank der direkten Anlage im Boden praktisch keine Ammoniakemissionen, wodurch auch die Geruchsbelästigung deutlich niedriger ist. Weil der Dünger direkt in die Wurzelzone der Pflanzen platziert wird, verringern sich die Nitratauswaschungen. Durch den Einsatz von Nitrifikationsinhibitoren (NI) lässt sich dieser Effekt verstärken. Als ökonomisch optimale Aufwandmenge hat sich dabei die Zugabe von drei Litern Piadin je Hektar herausgestellt.

Mais schöpft Nährstoff-Depot aus

Ziel des länderübergreifenden Projektes war es, herauszufinden, welchen Beitrag das Gülle-Strip-Till-Verfahren zur Verbesserung der N-Effizienz unter den jeweiligen Klima- und Standortverhältnissen leisten kann. Durch den Einsatz von Nitrifikationsinhibitoren war bei der streifenweisen Frühjahrsausbringung der Wirtschaftsdünger eine Stabilität der NH4-Depots von 30 bis zu 40 Tagen nachweisbar. Bei der breitflächigen Ausbringung der Gülle mit anschließender Einarbeitung in den Boden zeigte der Einsatz von NI dagegen kaum Effekte, weil den Mikroorganismen dabei eine größere Angriffsfläche geboten wurde. Bei den Strip-Till-Varianten wurde eine geringere N-Verlagerung in tiefe Bodenschichten und damit ein geringeres Risiko der NO3-Auswaschung festgestellt. Zur Ernte der Maispflanzen wurden im ungedüngten Reihenzwischenraum im Vergleich zum gedüngten Streifen höhere Nmin-Gehalte ermittelt, die auf eine gute Ausschöpfung der Nährstoff-Depots hinweisen. Die Versauerung der Rhizosphäre infolge der NH4-betonten N-Ernährung führt zudem zu einer besseren Phosphor-Verfügbarkeit, sodass unter Umständen auf eine P-Unterfußdüngung verzichtet werden kann.

Der Boden erodiert kaum, da dieser nur stellenweise gelockert wird.
Vogelsang
Der Boden erodiert kaum, da dieser nur stellenweise gelockert wird.

Auch auf das Wurzelwachstum wirkte sich das Verfahren positiv aus. An mehreren Standorten erhöhte sich der Anteil der Feinwurzeln. Da bei Strip-Tillage nur eine streifenweise Lockerung des Bodens erfolgt, besteht jedoch die Gefahr, dass schroffe Übergänge im Bodengefüge zwischen gelockertem Strip-Till-Bereich und dem nicht gelockerten Reihenzwischenraum auftreten können. Das Wurzelwachstum des Maises beschränkt sich dann nur auf den gelockerten Boden. Dieser Blumentopfeffekt kann durch den Anbau von Zwischenfrüchten vermieden werden, durch den der Boden im Reihenzwischenraum gelockert wird.

Der Vergleich der ermittelten Trockenmasse-Erträge und N-Entzüge bei den eingesetzten Verfahren ergab an den verschiedenen Versuchsstandorten ein differenziertes Bild. Auf einigen Standorten war Strip-Till gegenüber einer ganzflächigen Wirtschaftsdüngerausbringung aufgrund höherer erzielter TM-Erträge und N-Entzüge im Vorteil. Auf Standorten mit stark wechselnden Bodenverhältnissen und hohen Steingehalten wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Versuchsvarianten ermittelt.

Die mehrjährigen Erfahrungen zeigten, dass beim Gülle-Strip-Till-Verfahren auch Probleme auftreten können. Bindige Böden eignen sich nur dann, wenn der Boden zur Bearbeitung krümelfähig ist. Dabei sind gut etablierte abfrierende Zwischenfrüchte vor dem Strip-Till-Einsatz sowie eine gute Bodenhumusversorgung und pH-Werte um 6 förderlich.

Verfahren stößt an Grenzen

In kühlen Frühjahren kann sich die Bodenerwärmung verzögern, dann schwächelt das Jugendwachstum. Auf steinigen Böden und auf sehr hängigem Gelände stieß das Verfahren an seine Grenzen, da einerseits steiniger Boden nur unzureichend gelockert wird und andererseits das spurgenaue Ablegen der Maissaat über den Güllebändern durch die Hanglage erschwert wurde. An den Landwirt werden hohe technische Anforderungen an die Genauigkeit bei der Streifenbearbeitung und der Aussaat gestellt. Exakt aufeinander abgestimmte Geräte und Parallelfahrsysteme sind erforderlich. Allerdings ist die Flächenleistung geringer. Reduzierte mechanische Unkrautbekämpfung kann zudem zu einem erhöhten chemischen Pflanzenschutzaufwand führen.

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