Raiffeisenverband

Nüssel übergibt an Nachfolger

Als Ehrenpräsident bleibt Manfred Nüssel dem DRV erhalten.
-- , Foto: jst
Als Ehrenpräsident bleibt Manfred Nüssel dem DRV erhalten.

„Das Haus ist gut bestellt, daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um das Amt zu übergeben", sagt Manfred Nüssel im Gespräch mit der agrarzeitung (az). Anfang Juni 2017 treffen wir uns im Büro des DRV in Berlin am Pariser Platz Seit 2006 ist eine der ersten Adressen in der Bundeshauptstadt Sitz des genossenschaftlichen Spitzenverbands. Der Verband habe im Haus der genossenschaftlichen DZ Bank als Dauermieter sehr attraktive Konditionen erhalten, die auch langfristig gesichert sind, betont Nüssel. Diese Aussage ist ihm wichtig, denn Teil der strategischen Arbeit der Verbandsführung sei es auch, stets die Kosten im Sinne der Mitglieder im Blick zu halten. Nur so werde die Effizienz der operativen Arbeit gewährleistet.

Vielfältige Aufgaben

Seit 1999 ist Manfred Nüssel als Präsident das prominente Gesicht des DRV, ein Jahr zuvor wurde er Mitglied des DRV-Präsidiums, damals noch am Sitz des Verbandes in Bonn. Während alle seine Vorgänger nach Gründung des DRV im Jahr 1948 die Präsidentschaft im Hauptamt führten, übernahm Nüssel diese Tätigkeit ehrenamtlich. Dies führte einerseits zu einer Kostenentlastung für den Verband, gleichzeitig blieb Nüssel auch Raum für andere Aufgaben, vorwiegend in genossenschaftlichen Organisationen. Neben der Führung des elterlichen landwirtschaftlichen Betriebs in Bad Berneck seit 1970 zog es den studierten Landwirt bereits sehr früh an die Schnittstellen zwischen Politik und Wirtschaft. Als Landesvorsitzender der Bayerischen Jungbauernschaft hatte er bereits vielfältige Kontakte zu wichtigen politischen Repräsentanten - darunter auch häufig der bayerische „Übervater" Franz-Josef Strauß.
Sein ausgeprägtes gesellschaftspolitisches Interesse führte Nüssel dann in Aufsichtsräte und Vorstände genossenschaftlichen  und Verbänden. Seit 1983 beispielsweise ist Nüssel Mitglied im Aufsichtsrat der BayWa AG in München, seit Juli 2000 dessen Vorsitzender. Ebenfalls seit 2000 und bis zum Jahr 2013 war Nüssel Mitglied des Aufsichtsrats der R + V Versicherung sowie seit 1999 des Deutschen Genossenschaftsverlags, beide in Wiesbaden. Daneben gibt es eine Liste weiterer Mandate.

Neuausrichtung bewältigt

Bei seinem Amtsantritt stand der DRV vor umfassenden Anpassungen, sowohl innerhalb der Organisation als auch in der Neuausrichtung nach außen. Die zunehmende Internationalisierung des Agrar-und Ernährungsgeschäfts , die Osterweiterung der EU sowie eine Reihe von krisenhaften Situationen um die Jahrtausendwende - Stichwort BSE - verlangten klare Positionen und großes Engagement. Verbunden damit waren auch organisatorische Anpassungen, schließlich stand die Entscheidung für den Umzug der Geschäftsstelle von Bonn nach Berlin an.
Nur rund 30 Mitarbeiter von ehemals knapp 90 in Bonn zogen an den neuen Standort. Der DRV heute ist deutlich schlanker und effektiver, sagt Manfred Nüssel. Auch seien viele Positionen mit jungen, engagierten Fachkräften neu besetzt worden, viele davon seien Frauen. In ihrer jetzigen Struktur ist die Geschäftsstelle sehr gut organisiert, um den kommenden Aufgaben und steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Genosse mit Leidenschaft

Dinge, die er einmal begonnen hat, habe er immer sehr lange weiter verfolgt und fortgeführt, so auch die Präsidentschaft beim DRV. Doch nach nun fast 18 Jahren sieht der 1948 geborene Nüssel den Zeitpunkt für einen Wechsel an der Spitze gekommen. Das Modell der Genossenschaft werde auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen, zeigt er sich überzeugt. In dieser Ansicht bestätigt sieht er sich durch die Anerkennung der Genossenschaftsidee durch die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) im vergangenen Jahr. Diese würdigt, dass „ethische Werte wie Solidarität, Ehrlichkeit und Verantwortung den grundlegenden rechtlichen Rahmen für die Genossenschaftsidee bilden. Genossenschaften ermöglichen als Vereinigung mit nicht geschlossener Mitgliederzahl und gemeinschaftlichem Geschäftsbetrieb individuelles Engagement und Selbstbewusstsein und ermöglichen kulturelle und ökonomische Partizipation", heißt es bei der UNESCO.

Dieser Idee fühle er sich sehr verpflichtet, sagt Manfred Nüssel. Eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben für den DRV sehe er in der Neuausrichtung der Milchwirtschaft. Die Maßnahmen zum erfolgreichen Umgang mit Markt- und Preisschwankungen liegen auf dem Tisch. „Unsere Molkereigenossenschaften brauchen vor allem eine Verbreiterung des Produktsortiments, differenzierte Kontraktlaufzeiten, eine konsequente Exportausrichtung und ein stärkeres Engagement bei der Preisabsicherung an Warenterminbörsen. Die Milcherzeuger müssen sich ihrerseits auf anhaltend volatile Märkte einstellen", gibt der künftige Ehrenpräsident des DRV seine Sicht der Branche auf den Weg. (jst)
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