Agrar-Influencer

„De schwatten ostfrees Jung“

Bild: Schick-Media.de

Keno Veith begeistert mit seinen Videoclips Zehntausende für die Landwirtschaft. Der bekannte Lohner ist mit Leidenschaft und plattdeutschem Zungenschlag bei der Sache.

Keno Veith, das sind zweieinhalb Zentner Lebensfreude. Kaum einen Satz beendet der 37-Jährige aus Zetel ohne sein ansteckendes Lachen. Vor gut einem Jahr wurde der „Lohner“ über Nacht berühmt. Im nassen Herbst 2017 hatte er sich mit seinem Traktor bei der Maisernte im aufgeweichten Kleiboden festgefahren und die Szene mit dem Handy festgehalten. Der knapp einminütige Clip wurde bis heute mehr als 230.000-mal geklickt. Mit seinem eigenen Kanal erreicht er über 20.000 Abonnenten.

Als Mitarbeiter in einem Lohnunternehmen sitzt der gelernte Kfz-Mechaniker am liebsten in der Kabine einer großen Maschine und folgt damit seinem Motto: „Nix geht über Hubraum und Ladedruck.“ Inzwischen tritt er aber auch regelmäßig auf Veranstaltungen in der Agrarszene als Stargast auf. Im Mittelpunkt zu stehen bereitet ihm offensichtlich keine Probleme.

Nach zahlreichen Auftritten im Fernsehen wird er nicht nur in Ostfriesland erkannt. Dass er eine Teilnahme an der RTL-Show „Bauer sucht Frau“ ablehnte, war sogar der überregionalen Tagespresse eine Meldung wert. Seit April koordiniert eine Agentur, die C-Promis wie den früheren Big-Brother-Star Jürgen Milski betreut, seine Termine. Ob bei der Quotenfete der Landjugend in der Bremer Stadthalle mit 8.000 Gästen, beim Tractorpulling in Edewecht oder auf der Agritechnica, Keno wird überall von seinen Fans gefeiert.

Schnacken und Maschinen fahren

In der vergangenen Woche trat er vier Tage bei der Hausmesse des Landtechnik-Herstellers Grimme in Damme auf. Nicht nur die deutschen Gäste, auch viele ausländische Besucher begrüßten den Ostfriesen wie einen alten Bekannten. In Damme machte er das, was er am besten kann: schnacken und große Maschinen fahren. Bei der Maschinenvorführung fuhr er den selbstfahrenden Rübenroder auf die Bühne und schwärmte auf Plattdeutsch von den guten Arbeitsbedingungen in der Fahrerkabine. Den Rest des Tages nahm er sich Zeit für Besucher, um deren Wünsche nach Selfies und Autogrammen zu erfüllen.

Viele Fans interessiert vor allem eines: „Hast du denn noch Zeit, im Lohnunternehmen zu arbeiten?“ Bisher bleibt die Arbeit auf dem Feld für ihn das Wichtigste. „Ich habe Spaß am Job und mache das mit Leidenschaft“, stellt er klar. Große Maschinen hatten es ihm schon als Kind angetan.

Seine Eltern haben sich im Kamerun kennengelernt, wo sein Vater als Agraringenieur in der Entwicklungshilfe arbeitete. Die Großeltern hatten in Wittmund einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb, doch Keno zog es zu den Nachbarn, „denn die hatten die größeren Maschinen“. Schon mit 14 Jahren walzte er Maissilos, damals noch ohne Führerschein. Nach der Schule ging es erst zum Bund und dann zu Volkswagen nach Emden. Einige Monate arbeitete er bei VW in Brasilien. Europa lernte der Ostfriese als Lkw-Fahrer kennen und auch heute zieht es ihn im Urlaub in exotische Länder.

Botschafter des Berufs

„Ich bin ein Ostfriese 2.0“, ruft er und schickt wieder ein lautes Lachen hinterher. Bodenständig sein, plattdeutsch schnacken, aber auch über den Tellerrand hinausblicken, beschreibt er seine Lebenseinstellung. Als Kind sei er der einzige „schwatte Jung“ in Wittmund gewesen.

Auch wenn er heute auf den Hof fährt, würden manche Kunden irritiert sein. Wenn er mit einem „Moin, Moin“ vom Trecker steigt und Plattdeutsch spricht, sei die Verwunderung meist noch größer.

Dass er mit seinen Filmen in den sozialen Medien zu einem Botschafter für die moderne Landwirtschaft wurde, ist ihm durchaus bewusst. „Ich kriege viel positive Resonanz, auch von Menschen, die nix mit Landwirtschaft am Hut haben“, freut sich Keno Veith.

Für seinen Erfolg hat er eine einfache Erklärung: „Ich bin halt humorgeprägt“ – sagt er mit einem schallenden Lachen. Er sei sicher nicht der beste Lohner, aber mit Spaß und Leidenschaft bei der Arbeit. „Das will ich mit anderen teilen.“ Mit seiner Rolle als Influencer kann sich der Social-Media-Star nicht so recht anfreunden: „Ich trete ja nicht den ganzen Tag im Internet auf.“

Unternehmen aus der Agrarbranche haben das PR-Potenzial des Typen mit dem hohen Wiedererkennungswert schnell verstanden. Für Grimme war Keno Veith in Polen auf einem Rübenroder unterwegs, in anderen Videos stellt er Produkte für eine bessere Maissilage vor oder berichtet von einem Besuch auf dem Claas-Testgelände in Harsewinkel.

Die meisten seiner Internet-Clips handeln aber von seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Güllefahren. Dass das so bleibt, daran zweifelt Keno Veith nicht und versichert lachend: „Gülle läuft immer.“

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