Bundesagrarministerin Julia Klöckner auf Höfetour

Die Wissensdurstige

Foto: da

Fotoshooting im blühenden Bauerngarten, Posieren im luftigen Offenlaufstall oder ein Videodreh im Traktor-Cockpit – solche Motive sucht die naturverbundene Bundesagrarministerin Julia Klöckner im urbanen Berlin vergeblich. Und was liegt da näher als eine publikumswirksame Stippvisite auf dem Kauerhof in Argenthal, gelegen in Klöckners rheinland-pfälzischer Heimat.

Zwischen Rabatten und Kuhstall zeigt sich, dass die 45-jährige Klöckner die Inszenierung in Perfektion beherrscht. Ihr Outfit ist passend zum Bauernhofbesuch gewählt: Jeans, darüber kniehohe Gummistiefel, unter der lässigen hellbraunen Kurzweste schaut eine karierte Leinenbluse heraus. Mit flottem Kurzhaarschnitt präsentiert sie sich vor den Kameras. Die Story für die Journalisten-Horde: Bundesministerin Klöckner ist der Digitalisierung auf dem Acker und im Stall auf der Spur. Erstes Ziel ihrer Deutschlandtour war ein Großbetrieb in Demmin, dem Wahlkreis der befreundeten Bundeskanzlerin Angela Merkel. Noch heute schwärmt sie von den riesigen Arbeitsbreiten der GPS-gesteuerten Pflanzenschutzspritzen. Nun also Rheinland-Pfalz.

Wenn nicht mit der Betriebsgröße, aber mit GPS-Spritzen kann der Hof der Familie Berg durchaus mithalten. Selbst in der Mittelgebirgslage hat das digitale Zeitalter Einzug gehalten, wenn auch mit vielen Hindernissen. Von einem Breitbandanschluss ist die Gemeinde noch weit entfernt. Auf dem Höhepunkt der Milchkrise vor drei Jahren haben Vater und Sohn rund 1,5 Mio. € in einen tiergerechten Milchlaufstall samt Melkroboter und Biogasanlage auf Güllebasis investiert. Zielstrebig übernimmt Klöckner nach ihrer Fotosession die Regie des Rundgangs. Ihr Wissensdurst zum Wohl der Kühe, der Milchleistung von 1,5 Mio. kg im Jahr und Arbeitsbelastung der Betriebsleiter ist groß. Aus ihrer Kindheit im 25 Autominuten von Argenthal entfernten Guldental kennt sie noch die Anbindeställe und das Melken von Hand. Bereitwillig gibt Hofnachfolger Wilfried Berg Auskunft zur Milchleistung, Fütterung und Gesundheit der Tiere.

„Der digitale Stall erleichtert Tier und Mensch das Leben. “


Unbeeindruckt vom Blitzlichtgewitter der Fotografen auf der Suche nach dem besten Shot, verfolgt die Bundesministerin im – verglichen zur Stallfläche – Mini-Büro auf dem PC zusammen mit dem 43-jährigen Chef die Datenströme, die über jede Kuh auf dem Bildschirm auftauchen. Wie sein Stall wohl in zehn Jahren aussehen wird, fragt Klöckner den Milchbauern. Dieser lacht. Bevor er weitere Zukunftspläne macht, müsse ein belastbarer, schneller DSL-Anschluss her. Klöckner pariert die Attacke und weist den anwesenden Landrat und Parteifreund Merlon an, dass er sich sofort um diesen Missstand kümmern möge. Wenig später verspricht er, dass der Kauerhof in der nächsten Breitband-Förderperiode dabei ist.

Die Winzertochter Klöckner schöpft in der Heimat die Kraft, die sie auf dem harten, kalten Parkett in Berlin benötigt. Sie fühlt sich stabil und stark genug, der Kritik aus allen Tierwohl- oder Pflanzenschutzecken stand- zuhalten. Sie schlägt die Kragen ihrer Karobluse hoch und hat sichtlich ihren Spaß mit den Junglandwirten, die ihr erklären, bei welchen Schnittstellen es beim Parallelfahrsystem noch hapert. Dafür gibt es doch im Ministerium in Berlin jetzt einen Datenschutzbeauftragten, der solle das doch gleich mal prüfen, ordnet Klöckner bei ihrem aus Berlin mitgereisten Begleittross an.



Die Gespräche mit dem Berufsstand haben die Theologin nachhaltig beeindruckt. Gestärkt von einem Glas Milch, die Berg an die Hochland-Molkerei liefert, reist die CDU-Landesvorsitzende weiter nach Mainz. Schon für diesen Freitag hat sie die Agrarverbände zum Dialog zur Digitalisierung eingeladen. Der blaue Himmel über Berlin wird Klöckner zu einem schicken Sommerkleid inspirieren.

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