Kämpft für eine Erweiterung der Zulassungskritieren für gentechnisch veränderte Pflanzen.
Bild: Testbiotech
Kämpft für eine Erweiterung der Zulassungskritieren für gentechnisch veränderte Pflanzen.

Seit 20 Jahren verfolgt der 57-jährige Christoph Then, der Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert hat, die Gentechnik nach eigener Aussage „aus einer kritischen Perspektive“. „Ein Gentechnik-Gegner bin ich nicht“, so der verheiratete Familienvater zweier erwachsener Söhne.

 

Diese Aussage dürfte zunächst überraschen, da Then auf seiner Homepage mit Begriffen wie „Mais-Monster von Baysanto“ auf den ersten Blick Stimmung gegen die Technologie macht. Doch Then sagt: „Diesen Begriff brauchen wir, um Aufmerksamkeit zu wecken. Darüber hinaus wollen wir aber zu einer sachlichen Diskussion kommen.“

Dr. Christoph Then ist Geschäftsführer des Vereins Test-Biotech, den er im Jahr 2008 mitgegründet hat. In der Vereinsbezeichnung trägt Test-Biotech den Zusatz „Institut für unabhängige Folgenabschätzung in der Biotechnologie“. Laut Then habe die EU-Kommission den oben erwähnten GV-Mais, der mehrere Insektizide produziert und eine Resistenz gegenüber Glyphosat besitzt, für den Import zugelassen, obwohl es Hinweise auf Risiken für das menschliche Immunsystem gebe. Hinzu komme, dass eine Kombinationswirkung der Toxine und der Rückstände der Spritzmittel nicht untersucht worden seien, lautet Thens Kernkritik. Als sein persönliches Schlüsselerlebnis, das seinen bisherigen beruflichen Lebensweg entscheidend geprägt hat, nennt Then die umstrittenen Tierexperimente des Veterinärmediziners Dr. Gottfried Brem. Ende der 90er Jahre hätten diese für Diskussionen unter Studierenden der Ludwig-Maximilians-Universität gesorgt. „Es ging damals um gentechnische Veränderungen und die Patentierung von Leben. Das hat mich aus ethischer Sicht verstört.“ Aus Thens Sicht sind die gentechnischen Veränderungen von Leben viel zu sensibel, als dass diese durch eine Patentierung des genutzten technischen Verfahrens „wirtschaftlich vorangetrieben“ werden sollten.
„Patente auf Leben überschreiten für mich eine rote Linie.“
Dr. Christoph Then, 

Rückblickend gibt er allerdings auch zu, an der ein oder anderen Stelle die gesundheitlichen Risiken von gentechnisch veränderten Organismen überschätzt zu haben. „Akute gesundheitliche Gefährdungen durch GV-Pflanzen können meist ausgeschlossen werden.“ Davon abgesehen gebe es aber keine ausreichenden Daten, um die Langzeitwirkungen des Verzehrs von GV-Pflanzen, beispielsweise auf das Immunsystem, beurteilen zu können. Ähnlich differenziert betrachtet er die Kontrollierbarkeit verschiedener GV-Pflanzen, wenn diese auf dem Acker wachsen. Da Mais, anders als Raps, keine natürlichen Verwandten besitze, berge dessen Anbau kein Potenzial für ungewollte Kreuzungen mit Wildpflanzen.

Zufrieden wäre Then, wenn die Kriterien für eine Zulassung um die Prüfung von Kombinationswirkungen erweitert würden. Darüber hinaus kritisiert er die Struktur innerhalb der Kontrollbehörden. Then zufolge ist die Unabhängigkeit der Efsa und deren Risikoforschung nicht gewährleistet. Zum einen, weil deren Wissenschaftler in die Industrie wechseln dürfen. Zum anderen, weil Anwender und Entwickler die Studien für die Zulassung ihrer Produkte erstellen. Then schlägt vor, dass der Staat das Geld der Industrie an unabhängige Institute zur Risikoforschung vergibt.

Mit Zweifeln an der Unabhängigkeit von Test-Biotech wird der ehemalige Mitarbeiter der Grünen allerdings selbst konfrontiert. Bis Ende 2007 war er zudem Leiter des Bereichs Gentechnik und Landwirtschaft bei Greenpeace Deutschland. Kritikern entgegnet er, er arbeite Industrie-unabhängig.

Then redet und antwortet sehr schnell. Sich selbst bezeichnet er als Schreibtischtäter, der in seiner Freizeit gerne ins Grüne geht. Zwar hält er deutschlandweit Vorträge und nimmt an Veranstaltungen teil, doch die meiste Zeit verbringe er in seinem Büro.

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