Existenzgründung

Starthilfe für Erfinder

Tim Siebert
Foto: Steffen Bach
Tim Siebert

Wo früher Spähpanzer der britischen Armee repariert wurden, hält Tim Siebert heute Ausschau nach jungen Talenten mit innovativen Ideen. Er leitet in Osnabrück das Seedhouse, ein vom Land Niedersachsen und der regionalen Wirtschaft unterstütztes Existenzgründungszentrum.

 

Es befindet sich im Norden der Stadt, wo sich nach Abzug von britischer Armee und Bundeswehr Hochschulen und Gewerbebetriebe ausbreiten. In einer kleinen Baracke hat Siebert im Mai sein Büro bezogen. Der 31-Jährige sucht dort junge Gründer.
Seinen Job beschreibt der Betriebswirt mit dem englischen Begriff Accelerator, der sich sowohl mit Beschleuniger als auch Gaspedal übersetzen lässt. Beschleunigen will Siebert junge Unternehmer und Unternehmerinnen bei der Entwicklung ihrer Geschäftsmodelle. Auf das Gaspedal tritt auch die Landesregierung, die an mehreren Standorten in Niedersachsen Start-ups fördert. Osnabrück spezialisiert sich dabei auf die Themen Agrar, Food und Digitales.

Agrarbranche der Region lässt sich begeistern

Die Agrar- und Ernährungswirtschaft der Region hat sich schnell für das Vorhaben begeistern lassen. 28 Unternehmen wollen eine Beteiligungsgesellschaft gründen, um die Start-ups mit Risikokapital zu versorgen. Darunter sind Weltmarktführer wie Grimme (Kartoffeltechnik), Krone (Erntetechnik), Big Dutchman (Stalleinrichtung) oder die EW Group (Geflügelzucht). Hinzu kommen mittelständische Lebensmittelhersteller wie Bedford, Heristo oder Apetito.

Die Existenzgründer lockt Siebert mit frei nutzbaren Büro-, Erholungs- und Werkstattflächen, einem regelmäßigen Coaching, Mentoring über die beteiligten Unternehmen und professioneller externer Beratung. Das Seedhouse hat Platz für vier Projekte. Mit dem Charme eines Jugendzentrums ist das Haus einfach eingerichtet. Es bietet aber den in der Gründerszene obligatorischen Raum mit Sofa und Kickertisch. „Manchmal übernachten die Gründer auch hier“, erzählt der Chef des Hauses. Das lockere Umfeld soll den Austausch fördern.
„Manchmal übernachten die Gründer auch hier.“
Aufgewachsen im Osnabrücker Land, hatte sich Siebert schon immer auch für die Landwirtschaft interessiert. Praktische Erfahrung sammelte er bei einem sechsmonatigen Aufenthalt in Kanada, wo er auf einer Farm mit 36.000 Rindern arbeitete. Jahrelang zog es den Osnabrücker in die Welt. Er sammelte in den USA, Lateinamerika und Ungarn Eindrücke und Erfahrungen. In Schweden schloss er das Masterstudium mit dem Schwerpunkt „Strategic Entrepreneurship“ erfolgreich ab. Genau dieses „strategische Unternehmertum“ will er in das Seedhouse einbringen.

Vom Insektenfutter bis zu sprechenden Pflanzen

Wie breit gefächert die Geschäftsideen sein können, beweisen die drei Start-ups, die derzeit in Seedhouse an ihrem Geschäftsmodell feilen. Ein Unternehmen will aus Insekten Hundefutter produzieren, ein zweites die Inhaltsstoffe in Milch konzentrieren, um ein eiweißhaltiges und laktosefreies Lebensmittel herzustellen. „Das dritte Start-up arbeitet an sprechenden Pflanzen“, erzählt Siebert und freut sich über den fragenden Blick seines Gesprächspartners. Ziel ist es, ein Produkt für Zimmerpflanzen zu entwickeln, das mittels Sensoren die Feuchtigkeit und den Nährstoffgehalt des Bodens und die Lichteinstrahlung misst. Eine Stimme erinnert die Besitzer dann, die Pflanzen zu düngen oder zu gießen. Für ältere Menschen würde eine solche „Alexa für den Blumentopf“ Abwechslung in den Alltag bringen. Kinder wiederum könnten spielerisch die Pflege von Pflanzen erlernen.

Derzeit läuft die nächste Bewerbungsrunde für das Seedhouse. Wer eine gute Idee hat, kann sich bis zum 20. Oktober melden.

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