FAO

Spitzendiplomatie gegen Hunger


Die Französin Catherine Geslain-Lanéelle kandidiert für die FAO.
Bild: Agrarministerium Paris
Die Französin Catherine Geslain-Lanéelle kandidiert für die FAO.

Im Dezember einigten sich die EU-Agrarminister auf eine Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen bei der FAO. Cheffin der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in Rom soll die Französin Catherine Geslain-Lanéelle werden.

Die Nominierung einer gemeinsamen Kandidatin ist eine aus dem Scheitern in der Vergangenheit gezogene Lehre: Als 2011 Österreich und Spanien jeweils eigene Kandidaten ins Rennen schickten, unterlagen beide. Nun, acht Jahre später, geht die Zeit des amtierenden brasilianischen FAO-Präsidenten Graziano da Silva dem Ende entgegen. Die EU versucht, mit Geslain-Lanéelle wieder eine Europäerin an die Spitze der Organisation für Landwirtschaft und Ernährung der Vereinten Nationen zu setzen. Die 55-jährige Agraringenieurin wurde in Toulouse geboren und arbeitete jahrelang im Pariser Landwirtschaftsministerium. 

2006 rückte Geslain-Lanéelle dann auf den Posten der Generaldirektorin der Europäischen Lebensmittelbehörde (Efsa) in Parma und sammelte dort bis 2013 Erfahrungen auf internationalem Parkett. Allerdings stand die Efsa zu dieser Zeit, also vor der Wiederzulassung von Glyphosat, noch nicht so sehr in der Kritik. Krisenfestigkeit wurde folglich von Geslain-Lanéelle weniger als von ihrem Nachfolgekandidat bei der Efsa verlangt.
Vom Pflanzenschutz in Parma soll es für sie nun zur Bekämpfung des Hungers nach Rom gehen. Sie wäre die erste Frau an der Spitze der FAO, die zugleich seit Langem mal wieder von einer Europäerin geleitet würde.

Stimmen der Entwicklungsländer

Die Wahl im Juni ist aber noch lange nicht gewonnen. Europa hat es schwer, das Vertrauen der Entwicklungsländer zu bekommen. Schließlich hängt den europäischen Ländern immer noch der Ruf der Kolonialmächte nach. Auch die Billigexporte von subventionierten Nahrungserzeugnissen aus der EU nach Afrika und Asien in den 1980er und 90er Jahren sind nicht vergessen, weil sie der heimischen Landwirtschaft schwer zu schaffen machten.

Geslain-Lanéelle ist überzeugt, dass sich der Ruf Europas in der Welt seitdem deutlich verbessert hat. Die EU werde bei der FAO kaum als Großmacht mit reichlich vielen Eigeninteressen angesehen, erklärte die Spitzendiplomatin kürzlich in einer Vorstellungsrunde in der französischen EU-Vertretung in Brüssel. Im Gegenteil: Die EU stehe für einen Zusammenschluss, der aufeinander höre, der die mühsame Kompromisssuche gewohnt sei und der Lösungen für alle anstrebe. Als vorbildlich werde in der Welt vor allem die nachhaltige Fischereipolitik der EU wahrgenommen.
„Mit Politik kommt man weiter als mit Konfrontation. “

Auf ihre Rolle als Frau in Führungspositionen angesprochen, geht die Kandidatin nicht auf ihre persönlichen Ambitionen ein, sondern antwortet mit den Frauen in Afrika. Die spielten auf den Feldern, bei der Verarbeitung der Erzeugnisse und im Handel eine herausragende Rolle. Dagegen seien die Frauen in Afrika beim Zugang zu Krediten und in den dörflichen Entscheidungsgremien leider benachteiligt. Das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern sieht sie als großes Hindernis bei der Entwicklung.

Mit Diplomatie kommt man weiter als mit direkter Konfrontation, davon ist die Französin überzeugt. Sie will bei der FAO nicht als kämpferische Frau kandidieren und hält auch Gegensätze von Nord gegen Süd oder Arm gegen Reich für ungeeignet bei der Auswahl des neuen Generaldirektors. Gewinnen soll nach ihrer Ansicht der Kandidat mit dem besten Konzept im Kampf gegen Hunger und Mangelernährung.

Sie will an der Spitze der Organisation für eine engere Kooperation der FAO mit Landwirten und nationalen Regierungen sorgen. In Afrika südlich der Sahara und in Südasien sieht sie noch erhebliche Potenziale für die nachhaltige Nahrungsmittelerzeugung.

Ausgewogene Politik

Zur Rolle der Gentechnik und von umstrittenen Pflanzenschutzmitteln bei der Bekämpfung des Hungers gefragt, antwortet sie ganz diplomatisch. Ein Entweder-oder ist für sie nicht der richtige Weg. Sicherlich komme der modernen Agrartechnik eine wichtige Rolle bei der Steigerung der Erträge zu, hält Geslain-Lanéelle fest, zumindest dann, wenn keine Risiken für Gesundheit und Umwelt von ihr ausgehen. Die gesteigerte Produktionsmenge sei aber inzwischen nicht mehr der einzige Faktor bei der Bekämpfung des Hungers. Der Schutz der Ressourcen und der Klimawandel kämen als Herausforderungen hinzu. Es wird sich zeigen, ob ihr diese ausgewogenen Überlegungen die Stimmen der Entwicklungsländer sichern.

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