Franz-Josef Möllers

Macher, Funktionär, Kapitän

Geradezu inflationär oft werden Macher, Funktionäre, Verlagskapitäne als „visionär“ bezeichnet. Aber nur selten ist das so zutreffend wie bei Franz-Josef Möllers. Der 72-Jährige nimmt am Mittwoch, 18. Juli, Abschied vom Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden des Landwirtschaftsverlags Münster – einer Aufgabe, die er seit 2001 ausfüllt. Am selben Tag erhält er das Bundesverdienstkreuz am Bande aus der Hand der Regierungspräsidentin Münster, Dorothee Feller.

Möllers‘ Arbeit im Aufsichtsrat des Landwirtschaftsverlages ist für ihn die vorerst letzte Station einer ganzen Reihe von Ämtern und Aufgaben, die verdeutlichen, wie sehr Möllers sich aktiv für die Gestaltung von Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur einsetzt und eingesetzt hat: Möllers war Landwirt, Stifter, langjähriger Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, wo er bis heute Ehrenpräsident ist, und nicht zuletzt Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes.

Weitblick in der Debatte um die Landwirtschaft

In all diesen Funktionen zeigte sich Möllers‘ gutes Gespür für gesellschaftliche Strömungen und die daraus resultierenden Folgen. Bereits im Mai 2012, zum Ende seiner Amtszeit im Bauernverband, betonte er gegenüber den „Westfälischen Nachrichten“, er habe sich „immer für den Aufbau einer stufenübergreifenden Branchenkommunikation eingesetzt, um damit in der hoch emotionalen und zum Teil realitätsfernen Diskussion über moderne Landwirtschaft, Fleischhaltung und Tierhaltung mehr Gehör zu finden.“ Ein Satz, der in der heutigen Debatte über die konventionelle Landwirtschaft kaum aktueller sein könnte.
„Ich habe mich immer für den Aufbau einer stufenübergreifenden Branchenkommunikation eingesetzt, um damit in der hoch emotionalen und zum Teil realitätsfernen Diskussion über moderne Landwirtschaft, Fleischhaltung und Tierhaltung mehr Gehör zu finden.“
Franz-Josef Möllers, 


Abschiede wie der am Mittwoch anstehende werden auch inflationär oft dazu genutzt, die Scheidenden als „umtriebig“ zu bezeichnen. Und auch das passt selten so gut wie bei Möllers. Das lässt sich vortrefflich aus der langen Liste an Funktionen ablesen, die Möllers 2012 mit dem Überqueren der offiziellen Renteneintrittsschwelle niederlegte. Er verabschiedete sich neben der Verbandsarbeit auch noch vom Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Agravis, vom Hauptausschuss der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, dem Aufsichtsrat der WGZ Bank, dem Vorsitz des Fachbeirats Rind und Schwein der QS Qualität und Sicherheit GmbH, dem Vorsitz des Vorstandes der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft und dem Vorsitz der Direktion der Stiftung Westfälische Landschaft.

Franz Josef Möllers
Foto: LVM
Franz Josef Möllers


Dass sich Möllers, Vater dreier erwachsener Kinder, nach dem Ausscheiden aus all diesen Ämtern dann auf dem heimischen Hof in Riesenbeck zur Ruhe setzen würde, hatte auch im Jahr 2012 niemand ernsthaft erwartet. Und das hatte nichts mit seinem charmanten Geständnis zu tun, dass er wegen der modernen Technik den neuen Trecker seines Sohnes ohnehin nicht mehr in Bewegung setzen könne. Seine verlegerische Tätigkeit führte er daher fort: bis 2015 als Aufsichtsrat des Deutschen Bauernverlags und bis heute als Aufsichtsratsvorsitzender des Landwirtschaftsverlags Münster.

Möllers wäre nicht Möllers, wenn er nicht auch verlegerisch große Fußstapfen hinterlassen würde. Unter seiner Führung verdoppelten sich Umsatz und Mitarbeiterzahl des Landwirtschaftsverlages. Neben Titeln wie dem „Wochenblatt für Landwirtschaft“ und „Landleben“, „Profi“ und „top agrar“ war vor allem die „Landlust“ ein Volltreffer in der Medienlandschaft. Insbesondere Städter können hier ihrer Sehnsucht nach dem Landleben frönen, die Landbewohner ihre wertvolle Lebensweise kultivieren. Den Erfolg belegt das Joint Venture mit dem Hamburger Großverlag Gruner + Jahr.

Fokus auf ruraler Kultur und Lebensart

Im Verlag zeigte Möllers ein sicheres Gespür, was guten Journalismus aus- und erfolgreich macht: „Die Glaubwürdigkeit unserer Redakteure und die konsequente Orientierung an den Informationsbedürfnissen der Leser sind Erfolgsfaktoren des Landwirtschaftsverlags“, lässt er sich von „top agrar“ zitieren.

Der Rückzug aus dem Verlag wird die Strahlkraft des umtriebigen Visionärs nicht beschneiden – liegt ihm nicht zuletzt das Engagement für den ländlichen Raum besonders am Herzen, das sich durch sein gesamtes Wirken zieht. Sein Fokus lag in den vergangenen Jahren auf der Förderung und Bewahrung der ländlichen Baukultur. Die auf sein Betreiben hin gegründete „Stiftung LV“ hat hierfür den Deutschen Landbau-Preis ausgelobt.

Mit dem Preis werden architektonisch herausragende Hofensembles ausgezeichnet, die eine zeitgemäße Nutzung ermöglichen und sich trotzdem hervorragend in die Kulturlandschaft einfügen. Möllers hätte diesen Preis mit Blick auf sein gesellschaftliches und wirtschaftliches Wirken selbst verdient – gleicht seine Biografie doch eben einem solchen wertvollen Hofensemble.

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