Frei lesbar: Martin Häusling

Mit Haltung im Haifischbecken


Martin Häusling, Ökobauer und Europa-Abgeordneter, mahnt zur Vorsicht bei der Gentechnik.
Bild: Privat
Martin Häusling, Ökobauer und Europa-Abgeordneter, mahnt zur Vorsicht bei der Gentechnik.

Zweifel an seiner Parteizugehörigkeit lässt Martin Häusling definitiv nicht aufkommen: Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament und Mitglied im Umweltausschuss kämpft auf ganzer Linie für traditionell grüne Themen.

Sein besonderes Augenmerk gilt dabei der gentechnikfreien Landwirtschaft, dem Artenschutz und dem Verbot von Glyphosat. Seit der Parteigründung im Jahr 1980 ist der 58-Jährige Mitglied. Mittlerweile ist er zwar felsenfest in der Partei verankert, zur Gründungszeit war das aber anders. "Damals kam da ein recht bunter Haufen zusammen. Einige, so wie ich, kamen aus der Anti-Atomkraft-Bewegung, andere eher aus der öko-pazifistischen Richtung", erzählt Häusling. Ein Zusammenschluss, der zuweilen als anstrengend empfunden werden könne. Seither habe sich die Partei allerdings "sehr weiterentwickelt und das programmatische Spektrum entsprechend erweitert", ist Häusling überzeugt.

Ist die Gen-Schere die Zukunft oder eine Zeitbombe?

Heute lässt sich der Eindruck gewinnen, dass der erfahrene Politiker innerhalb seiner Partei noch viel vorhat. Obwohl seine Bühne als Europaparlamentarier eigentlich Brüssel ist, wird der gelernte Agrartechniker und Vater zweier Kinder nicht müde, in Deutschland Präsenz zu zeigen.

Im Sommer präsentierte er die Ergebnisse einer Studie mit dem plakativen Namen "Zukunft oder Zeitbombe? Designerpflanzen als Allheilmittel sind nicht die Lösung!" in Berlin. Kernbotschaft: Neue Züchtungstechnik, darunter fällt beispielsweise die Gen-Schere CRISPR/Cas, müsse, analog zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, auch in Zukunft wie bisherige gentechnische Verfahren streng reguliert werden.

In kompromissloser Konsequenz stemmt sich Häusling damit den Befürwortern der neuen gentechnischen Züchtungsverfahren entgegen, die auf europarechtlicher Ebene die Anwendung der Technik erleichtern wollen. Der Verfechter des Ökolandbaus unterstellt diesen, aufgrund wirtschaftlicher Interessen das europäische Vorsorgeprinzip untergraben zu wollen. Schützend stellt er sich vor die Öko-Branche, die gänzlich auf diese Verfahren verzichten will. Das betrifft auch die eigene Familie: Häusling bewirtschaftet den Kellerwaldhof in der nordhessischen Gemeinde Bad Zwesten seit 1988 nach Bioland-Richtlinien.

Über ihn hätten vor 30 Jahren – damals schon praktizierender Öko-Bauer – noch viele den Kopf geschüttelt. " Für mich war von Anfang an klar, dass das Mit-der-Natur-wirtschaften – statt gegen sie – das einzig Richtige ist." Im Gespräch wirkt er offen und bodenständig und bekennt, dass ihn besonders die Position des Deutschen Bauernverbands immer wieder schaffe, in Rage zu bringen, weil dieser "nicht diejenigen vertritt, die er sollte, nämlich die Bauern". Gute Beziehungen in die konventionelle Landwirtschaft hinein pflege er trotzdem.

Der Mann fordert die Agrarbranche heraus

Als kritischer Zeitgenosse, der sich unermüdlich für das Vorsorgeprinzip, also Kontrolle und Risikobewertung der gentechnischen Verfahren, starkmacht, mag er einige Wissenschaftler, Züchter und große Teile der Agrarbranche schier zur Verzweiflung bringen. Für die Befürworter der neuen Züchtungsverfahren sind deren Produkte vergleichbar mit solchen, die durch konventionelle züchterische Methoden entstanden sind.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 41/2019, Seite 24. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Schneider MIchael
    Erstellt 15. Oktober 2019 10:39 | Permanent-Link

    Hatte mit Herrn Häusling schon persönlichen Kontakt, aber wurde nicht wahrgenommen.
    Nur wenn Bio jetzt auch auf Soja wie Mais Müll setzt, wo bleibt da der Mehrwert für den Verbraucher? Nur über Grünland (Grüne-Biomasse) und fermentierte Futtermittel lässt sich ein Mehrwert für die Verbraucher erreichen!!!! Die Agrarforschung versagt hier komplet, Herrn Prof. Bellof fragte ich persönlich auf der EuroTier2018 ob die Agraforschung mit fermentierten Futtermittel arbeitet, kam ein klattes "NEIN"
    Also Schluss mit Soja-Mais-Müll Erzeugnissen.
    Michael Schneider

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