Führungswechsel

Immer eine Nasenlänge voraus


Sieht sich mit vielen Herausforderungen konfrontiert: Ute Volquardsen.
Bild: LWK Schleswig-Holstein
Sieht sich mit vielen Herausforderungen konfrontiert: Ute Volquardsen.

Nach 123 Jahren Führung in männlicher Hand leitet erstmals eine Frau die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Die erste Amtsinhaberin Ute Volquardsen setzt auf Bildung.

Immer eine „Nasenlänge voraus“ soll das Kammerangebot nach den Vorstellungen der 54-Jährigen bleiben. „Ich bin Landwirtin aus Leidenschaft und mir liegen die Betriebe und die Menschen am Herzen“, warb Ute Volquardsen nach ihrer Wahl im Dezember um das Vertrauen der Mitarbeiter und Mitglieder.

Sie tritt das Amt in wirtschaftlich angespannten Zeiten an. Nach dem extrem schwierigen Erntejahr 2018 sind die Einkommen der etwa 13.000 Landwirte im nördlichsten deutschen Bundesland auf Talfahrt. „Kaum jemand hat derartige Wetterverhältnisse mit so viel Nässe im Herbst und der dann anhaltenden Frühjahrs- und Sommertrockenheit schon einmal erlebt“, sagt die erfahrene Landwirtin. Sie selbst bewirtschaftet im Kreis Nordfriesland mit ihrer Familie einen Ackerbaubetrieb mit Legehennen und Schweinemast. Weitere Standbeine sind Windkraft- und Solaranlagen sowie eine Ferienwohnung und ein Hofladen.
Kammern und Ämter
Die Agrarverwaltung ist in Deutschland unterschiedlich organisiert. In Schleswig-Holstein wie auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen übernehmen Landwirtschaftskammern die hoheitlichen Aufgaben. Sie finanzieren sich über Beiträge der Mitglieder, Zuschüsse aus den jeweiligen Landeshaushalten sowie Gebühren für Dienstleistungen. In den süd- und ostdeutschen Bundesländern liegt die Agrarverwaltung dagegen bei den Landesanstalten und Landwirtschaftsämtern, die direkt den Länderagrarministerien unterstehen.

Volquardsen ist sich als Landwirtin auch der großen Herausforderungen bewusst, die zunehmende gesetzliche Anforderungen im Pflanzenbau oder in der Tierhaltung sowie die immer komplexer werdenden Märkte stellen. „Mit Volatilitäten und anderen Risiken müssen wir Landwirte umgehen“, so die Kammerpräsidentin. Hinzu kämen die steigenden Anforderungen der Gesellschaft, unter anderem im Umweltbereich, aber auch die Digitalisierung. In den Mittelpunkt stellt Volquardsen aber stets die Soft Skills wie Führungskompetenzen oder Kommunikationsfähigkeiten. „Der Betriebserfolg steht und fällt mit dem Unternehmer oder der Unternehmerin an der Spitze“, weiß Volquardsen.
„Jeder von uns muss sich immer wieder fortbilden.“

In der Kammerarbeit setzt sich die Landwirtin bereits seit 20 Jahren für die Weiterbildung im Agrarbereich ein. Sie ist selbst Trainerin an der Andreas-Hermes-Akademie und stellt fest, dass die Landwirte bereits hervorragend ausgebildet sind, sich aber darauf nicht ausruhen dürfen. „Mehr denn je gilt, dass jeder von uns sich immer weiter fortbilden muss“, appelliert sie an ihre Berufskollegen.

Für die Landwirtschaftskammer mit ihren etwa 380 Mitarbeitern verspricht sie, mit fortschrittlicher Beratung und Ausbildung sowie im Versuchswesen der Landwirtschaft Orientierung für die Zukunft zu geben. Denn Volquardsen lässt sich immer auch von dem Motto leiten: „Wenn wir uns zu sehr mit unseren Schwächen auseinandersetzen, vergeuden wir zu viel Zeit und Kraft.“

Außerdem will Volquardsen den Austausch mit den Verbrauchern intensivieren. Dafür nimmt sie die gesamte Agrarbranche in die Pflicht und warnt: „Wenn wir uns weiterhin auseinanderentwickeln, wird das für uns alle immer neue Schwierigkeiten verursachen.“ Ebenso wichtig wird der Kontakt zur Politik sein. Sowohl der Kammer als auch den Landwirten sind lebhafte Debatten vertraut, denn Schleswig-Holstein hat seit dem Jahr 2000 Erfahrungen mit grünen Agrarministern. Mit dem langjährigen Amtsinhaber Robert Habeck gelang sogar ein fruchtbares Miteinander. Seit dem Herbst 2018 ist Jan Philipp Albrecht der Ansprechpartner in Kiel. „Ich wünsche mir, dass sich die gute und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Kammer und Ministerium fortsetzt“, adressiert Volquardsen ihre Hoffnungen an Albrecht.

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  1. Hans Schacht
    Erstellt 18. Januar 2019 19:34 | Permanent-Link

    Herzlichen Glückwunsch zu dieser Wahl ! Mit so einem Lebens- und Arbeitsmotto ist man auf der positiven Seite, die kommenden Aufgaben mit Zuversicht anzunehmen! Ich wünsche der neuen Präsidentin viel Gesundheit, Mut und viel Glück im Umfeld ihrer Mitstreiter! Herzliche Grüße, der Verwandte Hans Schacht

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