Frei lesbar: Hermann Onko Aeikens

Im Wissen liegt seine Kraft


Foto: az-Archiv
Foto: az-Archiv

Am Ende waren es doch die aufgebrachten Bauern vor einer Woche in Mainz, die lautstark "Aufhören, aufhören" brüllten, als der mutige Frontmann im Bundesagrarminusterium (BMEL) versuchte, sich Gehör zu verschaffen.

Die Pfiffe werden Dr. Hermann Onko Aeikens (CDU) einen Stich ins Herz versetzt haben, denn diese Art der Auseinandersetzung um das Agrarpaket entspricht nicht dem Stil des korrekten, vornehmen Gutsherrn im Trenchcoat. Der pflichtbewusste Amtschef hat seine Entscheidung, das Ministerium zu verlassen, nicht im Affekt getroffen. Vielmehr dürfte er schon vor zwei Jahren, als er kurzfristig dem damaligen Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) zur Seite sprang, gewusst haben, dass er nicht an seinem Amt klammern wird. Besonders vermissen dürften ihn Julia Klöckner (CDU) und seine Mitarbeiter, die immer auf sein unendliches Fachwissen zur Agrarpolitik, das er verständlich auf den Punkt bringen kann, zurückgreifen konnten.

Mit Aeikens als Amtschef konnte sich Neuling Klöckner in ihrem ersten Jahr als Bundesagrarministerin ganz auf ihre politische Karriere konzentrieren. Auf den heute 68-Jährigen ist immer Verlass. Als Stellvertreter musste Aeikens auf vielen EU-Agrarräten die heißen Eisen anpacken. Erst kürzlich platzte dem sonst besonnenen Pferdefreund öffentlich der Kragen, als der Deutsche Bauernverband behauptete, der Insektenschutz habe eine Enteignung der Betriebe zur Folge. Er nannte die Ansichten des DBV "grotesk übertrieben".


Regelrecht "satt" hat der Politiker das Gezerre um die Düngeverordnung. Es mag ihm alles abverlangt haben, wie ein Bittsteller bei der EU-Umweltdirektion um Nachsicht zu bitten, dass Deutschland es bis heute noch nicht geschafft hat, eine Düngeverordnung auf den Weg zu bringen, die die EU-Nitratrichtlinie erfüllt.

Aeikens stammt von einem Milchviehbetrieb in Ostfriesland und kennt das Gülleproblem seit seiner Kindheit. Nach seiner Promotion als Agraringenieur und dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in den USA wechselte der Pferdefreund und Vater von drei Kindern 1981 in die niedersächsische Landesverwaltung. Nach der Wiedervereinigung wagte er den Sprung in den Osten. Von 2009 bis 2016 war er CDU-Agrarminister in Sachsen-Anhalt, wo er 2016 sein Ministerium an die Grünen abgeben musste. Zu einer Zeit, als er übrigens auch mit den ostdeutschen Großbauern im Clinch lag.

Unvergessen ist sein mutiger Auftritt vor dem Bauerntag 2015 in Staßfurt, als er sein umstrittenes Agrarstruktursicherungsgesetz vorstellte. Es sollte Investoren verwehren, Flächen und Geschäftsanteile von landwirtschaftlichen Betrieben zu erwerben. Agrargenossenschaften warfen ihm einen Eingriff in die unternehmerische Freiheit vor. Auch diese Vorwürfe dürften den volksnahen Politiker getroffen haben.

Dies ist die gekürzte Version eines Artikels aus der Agrarzeitung 40/2019, Seite 15. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, können Sie ein vierwöchiges kostenloses Probeabo für die Agrarzeitung und agrarzeitung.de abschließen. Abonnenten finden den kompletten Artikel hier: Jetzt im E-Paper lesen

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

  1. Sebastian
    Erstellt 7. Oktober 2019 12:23 | Permanent-Link

    Ein großer wird scheiden. Leider wurde er von seinem eigenen Berufsstand verkannt, welcher in letzter Zeit immer wieder nach staatlicher Hilfe bettelt und im Selbstmitleid versinkt, statt Chancen zu finden und diese zu nutzen. Es fehlt viel zum Unternehmer, den sie selbst gern darstellen möchten.

  2. Ludwig Wreesmann
    Erstellt 11. Oktober 2019 11:33 | Permanent-Link

    Die Zahl der Fachleute im BMEL wird immer geringer. Sie werden durch Bürokraten und Paragraphenreiter ohne Fachwissen ersetzt. Irgend wann wird es nur noch darum gehen, Gesetze und Verordnungen zu erfüllen. Wie das dann in den Betrieben umgesetzt wird interessiert niemanden mehr.

  3. Schneider Michael
    Erstellt 15. Oktober 2019 10:57 | Permanent-Link

    Ich schließe mich den Vorrednern an, meine Erfahrung mit Nutztierfütterungsforschern artet in ähnliche Unbrauchbarkeit aus. Das Land glaubt mit NGO´s und Gesetzen die Welt zu verbessern, aber verliert dabei die Bauern.

stats