Johannes Ritz

Der Jongleur


Johannes Ritz bringt langjährige Erfahrung und ein gutes Netzwerk in die neue Stelle mit.
Bild: Privat
Johannes Ritz bringt langjährige Erfahrung und ein gutes Netzwerk in die neue Stelle mit.

Der 46-Jährige Johannes Ritz steigt als Berater bei AgroBrain ein. Um zu erklären, was er alles beruflich macht, muss Johannes Ritz etwas weiter ausholen.

 Der 46-Jährige ist als unabhängiger Karrierecoach für die Agrarbranche tätig und – als wäre das nicht genug – ehrenamtlicher Bürgermeister seiner thüringischen Heimatgemeinde Buttlar bei Fulda. Von Januar an bringt er seine vielfältige Expertise zu alledem beim Karriereportal AgroBrain mit ein, an dem die agrarzeitung (az) beteiligt ist.

Wer so viele Bälle in der Luft hat wie Johannes Ritz, muss sich gut organisieren. Und das scheint ihm in die Wiege gelegt worden zu sein. Trotz eines trubeligen Tags sitzt er ganz entspannt und im Gespräch stets aufs Wesentliche fokussiert an einem Schreibtisch seines neuen Arbeitgebers in Luxemburg. Und schnell wird klar, dass die Jonglage mit mehreren Bällen Teil der Ritz‘schen DNA geworden ist.

Sein Vorbild sei sein Berufsschullehrer gewesen, damals in der Ausbildung zum Landwirt, um den elterlichen Hof in Ufhausen bei Buttlar zu bewirtschaften. Der Berufsschullehrer habe auch teils auf dem Hof, teils in der Schule gearbeitet. Eigentlich, so Ritz, habe er das genauso machen wollen und daher sogar angefangen, Biologie und Chemie fürs gymnasiale Lehramt zu studieren.

Erfinder der Young Farmers Party

Doch der Wind in seinen beruflichen Segeln hat Ritz erst mal in eine andere Richtung getrieben. Direkt nach dem ersten Staatsexamen nahm er einen Job bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) an und betreute das Trainee-Programm. Sein pädagogisches Wissen aus dem Studium war da von Vorteil.

Motiviert durch den damaligen DLG-Präsidenten Philip Freiherr von dem Bussche baute Ritz die Junge DLG als Nachwuchsorganisation innerhalb der DLG auf. Gegründet wurde dieser heute nicht mehr wegzudenkende Nachwuchs-Club im Jahr 1999, zugleich war Ritz der Erfinder der Young Farmers Party. Und all das ist wohl auch der Grund, warum man Ritz in der Branche kennt wie einen bunten Hund.

Elfeinhalb Jahre hat Ritz für die DLG gearbeitet. Sein Schreibtisch stand in Frankfurt, was sich als Familienvater aber nicht mehr als praktikabel erwies. Also kehrte er der DLG den Rücken – beruflich, nicht emotional – und trat dem Beraternetzwerk „Entra“ bei. Mit Entra hatte er schon zu DLG-Zeiten kooperiert und nicht nur seine fundierte Expertise der Agrarlandschaft, sondern auch ein über die Jahre gewachsenes Netzwerk mitgebracht.

Sein Schwerpunkt bei Entra war zunächst der Aufbau des Bereichs „Personalberatung und Personalmarketing“. Ritz weiß sein Netzwerk gut zu nutzen. Viele seiner alten Bekannten aus der Jungen DLG sind heute in verantwortungsvollen Positionen, suchen qualifiziertes Personal für anspruchsvolle Jobs.

Das Hauptaugenmerk seiner Beratertätigkeit liegt in der Vermittlung von Fach- und Führungspositionen auf Betrieben und der gesamten Agrarwirtschaft. Zudem unterstützt er Unternehmen im Aufbau von erfolgreichen Mitarbeiterstrukturen. Bis heute zehrt Ritz davon, dass er die Branche von der Pike auf kennengelernt hat. Praxiserfahrung wird goutiert, das weiß er. Und das gilt für den Bewerber wie den Vermittler einer Arbeitsstelle. Außerdem hat er gelernt, dass viele Arbeitgeber auch bei der Mitarbeitersuche darauf hingewiesen werden müssen, dass jeder Bewerber über die fachliche Qualifikation hinaus auch persönliche Stärken und Defizite mitbringt. Das, so Ritz, werde oftmals außer Acht gelassen.

Das Geschäft der Personalsuche sei in den vergangenen Jahren herausfordernder geworden. Das Anspruchsdenken der Arbeitgeber habe sich erhöht, gleichzeitig sei das Image der Branche angekratzt. Die Unternehmen müssten mehr in die Menschen investieren. Ein häufiger Fehler im Mittelstand sei, dass der Geschäftsführer und der Personalleiter ein und dieselbe Person sind. Hier, so Ritz, könne er als Berater ansetzen und einen Mehrwert bieten. Für zufriedene Arbeitgeber wie für glückliche Jobsuchende.

Digitaler Wandel auf dem Land

Und so weiß Ritz auch ganz genau, was ihn selbst glücklich macht – neben seiner Familie in Buttlar mit den zwei Kindern. Und das ist vor allem Abwechslung, der Wechsel von strukturiertem und intuitivem Arbeiten. So kommt er auch zu seinem Ehrenamt als Bürgermeister der 1400-Seelen-Gemeinde Buttlar, das er seit 2016 bekleidet. Ein schöner Zusatzeffekt ist für Ritz, dass er als Rathauschef die Gemeinde und die Region voranbringen kann.

Besonders stolz ist Ritz darauf, dass Buttlar den demografischen Wandel aktiv angeht, voll DSL-fähig ist. Und das mitten im Biosphären-Reservat Rhön. Das klingt nach viel zusätzlicher Arbeit, ist es bisweilen auch. Aber für den Jongleur Johannes Ritz, der Zeit seines Lebens gewohnt ist, viele Bälle in der Luft zu haben, ist das eine lösbare Aufgabe. Der Trick sei, immer die Kernarbeitsbereiche im Blick zu behalten.

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