Katharina Schulze

Die Habeck des Südens


Katharina Schulze
Foto: Dennis Williamson
Katharina Schulze

Katharina Schulze führte die Grüne Partei zum besten je in Bayern erreichten Ergebnis. Ein Blick auf die Münchner Politikerin.

Zwei Wochen nach der Landtagswahl sieht es so aus, als ginge der zweite Gewinner, das Bündnis 90/Die Grünen, wohl leer aus. Die CSU verhandelt primär mit den Freien Wählern. Dass die Grünen satte 8,9 Prozent im Vergleich zur vorangegangenen Landtagswahl 2013 dazugewinnen konnten, ist auch der Spitzenkandidatin Katharina Schulze zu verdanken. Schulze, 33 Jahre alt, aus dem oberbayerischen Herrsching am Ammersee, ist der aufsteigende Stern am grünen Parteihimmel in Bayern. Wer Katharina Schulze zuhört, bemerkt schnell ihr Talent fürs Reden. Sie sagt selbst tausendmal im Wahlkampf wiederholte Sätze so, als wären sie ihr eben erst eingefallen. Vom Verband deutscher Redenschreiber wurde ihre Rhetorik zur besten im bayerischen Landtag gekürt. Die Rhetorik sei „frech, unkonventionell und forsch“, heißt es in der Begründung. Sie selbst beschreibt sich als jemand, den viele Dinge aufregen. Vielleicht kann sie gerade deswegen viele Leute begeistern. Man nimmt ihr ab, dass sie kein Parteiprogramm predigt, sondern ihre eigenen Überzeugungen. Wenn es nach ihr ginge, würde die Agrarförderung reformiert werden. Die ökologische und kleinbäuerliche Landwirtschaft sollten mehr unterstützt werden. Auch die Digitalisierung hat einen besonderen Stellenwert für sie. Bayern sollte, das wiederholte sie im Wahlkampf gerne, das „digitalste“ Bundesland werden.

Schulze war immer politisch motiviert. Am Gymnasium war sie Schülersprecherin und studierte nach ihrem Abitur 2005 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Interkulturelle Kommunikation, Politikwissenschaft und Psychologie. Schon in ihrer Jugend engagierte sie sich beim Bund Naturschutz und in der Münchner AIDS-Stiftung. Bei einem Auslandssemester 2008 im kalifornischen San Diego absolvierte sie ein Praktikum bei der Demokratischen Partei. Dort bekam sie hautnah den Wahlkampf zu Barack Obamas erster Präsidentschaft mit und trat nach ihrer Rückkehr dem Bündnis 90/Die Grünen in München bei. Es folgte ein raketenartiger Aufstieg durch die Parteiämter.
„Man bekommt die Welt nicht besser gemeckert, sondern besser gemacht“

„Ein bisschen ist sie immer noch die Grüne-Jugend-Vorsitzende“, beschreibt sie Sebastian Weisenburger, ihr früherer Parteichef-Partner. Im bayerischen Innenausschuss, in dem sie seit 2013 sitzt, musste sie sich erst einarbeiten. Doch gilt sie unter den Ausschussmitgliedern als hoch engagiert und stets gut informiert. Regelmäßig besucht sie Polizeireviere im Freistaat, unterhält sich mit Polizisten und kümmert sich um deren Belange. „Freiheit und Sicherheitspolitik dürfen wir nicht mehr in den Händen von ein paar alten CSU-Männern lassen“, sagte Schulze.

Auf einem Bundesparteitag der Grünen im Jahr 2010 in Freiburg hielt sie eine deutliche Rede und brachte die Delegierten dazu, sich gegen die Olympiabewerbung Münchens zu wenden. Und das, obwohl die Grünen-Chefin Claudia Roth im Bewerbungskuratorium saß und sich für die Bewerbung aussprach. Der Parteivorstand reagierte erbost und bat Schulze, nicht als Vorsitzende zu kandidieren. Doch sie tat es dennoch und gewann. Ab 2010 reformierte sie den Kreisverband und organisierte Wahlkämpfe. Schulze engagierte sich 2012 als Sprecherin des Bündnisses „München gegen die dritte Startbahn“ und trug dazu bei, das Großprojekt zu verhindern.

Die studierte Politologin gibt sich unangepasst und ist bereit, zu provozieren und zu polarisieren. Ende 2013 verhüllte sie ein Denkmal für Trümmerfrauen. Sogar für einige Grüne war das ein Affront. Doch sie steht dahinter und verteidigt die Aktion auch heute noch. Warum ein Denkmal für eine Generation, in der viele Nazis waren?

In der Zeit von Politikverdrossenheit will sie das Gegenkonzept darstellen. „Du hast als Einzelperson sehr wohl Einfluss“, sagt die 33-Jährige. „Man bekommt die Welt nicht besser gemeckert, sondern besser gemacht.“ Wer bei ihr nach Fehlern sucht, empfindet sie als schwer greifbar. Sie tendiere dazu, Probleme „wegzulachen“, ist der einzige Vorwurf, der zu hören ist. Schulze ist ambitioniert. Es ist ihr Ziel, dorthin zu kommen, wo sie Gesetze kippen kann. Bisher hat das noch nicht funktioniert. Für die kommenden Jahre ist Opposition angesagt.

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