Landwirtin im Bundestag

Agrar-Kompetenz mit liberalem Denken

Bundestagsabgeordnete Carina Konrad
Bild: jst
Bundestagsabgeordnete Carina Konrad

Die Landwirtin Carina Konrad zieht für die FDP in den Bundestag ein. Ein Blick auf die stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Ernährung und Landwirtschaft.

An manchen Tagen muss alles ganz schnell gehen. Für Carina Konrad war ein solcher Tag der 25. September 2017. Am Tag zuvor fand die Wahl des neuen Bundestags in Berlin statt. Die Auszählung der Stimmen zog sich bis weit in die Nacht hinein. Im Laufe des Abends wurde klar, dass die Freien Demokraten nach vierjähriger Abwesenheit wieder in den Bundestag einziehen würden, und zwar mit einer stattlichen Zahl Abgeordneter. Insgesamt 80 Parlamentarier stellt die FDP in der neuen Legislaturperiode, 19 davon sind Frauen; eine davon wiederum ist die 35-Jährige.

Erstmalig hatte sie für die FDP auf der Landesliste Rheinland-Pfalz für den Bundestag kandidiert. Für sie hatte dies eher den Charakter einer „Übung“ für kommende Wahlen, sagt Konrad. Mit dem Einzug in den Bundestag hatte sie nicht wirklich gerechnet, betont Konrad. Doch in den frühen Morgenstunden des 25. September 2017 gegen 2.00 Uhr erhielt sie den ersten Anruf ihrer Partei: Es könnte klappen, eventuell, vielleicht. Um 4.00 Uhr stand das Ergebnis fest: Carina Konrad zieht über die Landesliste für ihren Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück in den Bundestag ein.

Die drei Kinder wurden geweckt, der Ehemann und weitere Familienmitglieder hatten ohnehin nicht geschlafen. Nach kurzer Lagebesprechung und der nun doch „überraschten, aber coolen Reaktion“ der Familie wurde der erste Flug von Frankfurt a. M. nach Berlin gebucht – Abflug: 6.45 Uhr. Für 10.00 Uhr war bereits die erste Fraktionssitzung der Neuparlamentarier angesetzt. Orientierung und Abstimmung der ersten Schritte standen auf dem Programm. Schließlich verfügten rund zwei Drittel der neuen Fraktionsmitglieder über keinerlei Erfahrungen, was parlamentarische Arbeit im Bundestag betrifft. Für die erste Woche richtete die Parteiführung ein Trainingslager, genannt „Bootcamp“, für die Neulinge und die alten Hasen von einst ein. Es herrschte Aufbruchstimmung, beschreibt Konrad die Atmosphäre der ersten Tage.

„In den ersten Tagen herrschte Aufbruchstimmung. “
Carina Konrad, 


Mit den vielen Eindrücken im Gepäck war die Freude am Ende der ersten turbulenten Hauptstadt-Woche entsprechend groß, in die vertraute Umgebung des eigenen landwirtschaftlichen Betriebs und in das familiäre Umfeld in Bickenbach im Hunsrück zurückkehren zu können. Die Familie und der Hof sind für die passionierte Landwirtin eine Herzensangelegenheit! Vier Generationen leben unter dem Dach des Ackerbaubetriebs mit nun veränderter Tierhaltung. Bis zum Jahr 2017 standen auch rund 120 Milchkühe auf ihrem Hof. Verantwortlich für die Tiere war hauptsächlich die junge Frau selbst. Den geliebten Betriebszweig aufzugeben, war für die „kuhbegeisterte Agrarierin“ keine einfache Entscheidung. Dies habe für sie eine sehr einschneidende Veränderung dargestellt, sagt Konrad. Heute werden Zuchttiere großgezogen; wenn es sein muss, auch mit der Flasche.

Mit umso mehr Kraft und Elan könne sie aber jetzt mit ihrer Arbeit in der Fraktion die Interessen der Landwirte im Bundestag vertreten. Deren Sorgen und Nöte kennt sie sehr genau. Die veränderten Sozialstrukturen auf dem Land, die Nachteile einer langsamen oder sogar völlig fehlenden Internetverbindung, lange Schulwege oder Probleme der ärztlichen Versorgung treiben sie um.

Und genau diese Fragen wolle sie in den kommenden Jahren mit Unterstützung ihrer Fachkollegen mit Engagement und fachlicher Kompetenz, „mit liberalem Denken“, intensiv bearbeiten. Ihre Ernennung zur stellvertretenden Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Ernährung und Landwirtschaft ist dafür bereits ein erster entscheidender Schritt, sich Gehör zu verschaffen und die Probleme aktiv anzugehen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats