Neuer französischer Landwirtschaftsminister

Der Lauf des Didier Guillaume

Didier Guillaume übernahm das Amt des Französischen Agrarministers in rauen Zeiten.
Bild: Senat
Didier Guillaume übernahm das Amt des Französischen Agrarministers in rauen Zeiten.

Eigentlich wollte der gestandene 59-jährige französische Politiker Didier Guillaume im Januar 2018 seine Karriere beenden. Doch nun ist er Macrons neuer Mann für die Landwirtschaft.

Neun Jahre Bürgermeister von Bourg-de-Péage an der Isère, elf Jahre Präsident des Départments de la Drome zwischen Lyon und Marseille und neun Jahre als Senator der sozialistischen Partei in Paris seien genug, twitterte Guillaume noch zu Beginn dieses Jahres. Hinter der offiziellen Verlautbarung hieß es, der sportbegeisterte Politiker wollte die Rugby-Weltmeisterschaften in Frankreich im Jahr 2023 organisieren. Als er aber erfahren habe, dass dies nur ehrenamtlich, also ohne Einkommen möglich sei, soll der gelernte Finanzbeamte schnell wieder den Rückzieher gemacht haben. Andere behaupten, Guillaume habe sich während des Manövers ständig bei Staatspräsident Emmanuel Macron präsent gemacht und sei dann im Oktober bei der Umbildung der Regierung in Paris als Landwirtschaftsminister endlich zum Zuge gekommen.

Wie dem auch sei, seine Nähe zum Rugby kommt dem frisch gebackenen Minister bei der Gestaltung des Agrarsektors auf jeden Fall zupass. Denn in Frankreich wird vor allem um den Pflanzenschutz mit deutlich härteren Bandagen gekämpft als in Deutschland. Erhöhte Zahlen missgebildeter Babys sorgen derzeit für Aufsehen und werden von Pestizidgegnern gleich mit dem Pflanzenschutz in Zusammenhang gebracht.

Missbildungen bei Babys erhitzen die Debatte

Beruhigende und ordnende Worte werden vom neuen Minister erwartet, doch das ist in dem aufgeheizten Umfeld nicht leicht. Wenn Guillaume erst wissenschaftliche Prüfungen der Ursachen von fehlenden Babyhänden abwarten möchte, werfen ihm Umweltschützer vor, ein „Lobbyistenminister“ zu sein.

An der in Frankreich heftig geführten Pestizidkontroverse scheiterte schon sein Vorgänger Stéphane Travert. Der konnte zwar ein sofortiges Glyphosatverbot verhindern, schadete damit aber dem Ansehen von Staatspräsident Macron und schwächte nach dem Rücktritt des Umweltministers vor allem seine eigene Position. Sein Nachfolger Guillaume weiß nun, dass er äußerst vorsichtig vorgehen muss. In seiner neuesten Erklärung beruhigte er Landwirte und Umweltminister gleichzeitig. Guillaume bekräftigte die Zusage der Regierung, Glyphosat auslaufen zu lassen, ließ aber den Zeitpunkt  offen: „Wir sind noch zweieinhalb Jahre von dieser Frist entfernt – wenn es aber drei Jahre und ein paar Monate sind, dann ist das auch kein Problem“, räumt er in seiner Erklärung einen kleinen Spielraum ein.

„Bei der heftig geführten Kontroverse um Glyphosat spielt Guillaume auf Zeit. “
Solche Auseinandersetzungen wird der Rugbyfan kennen, wo sich die Stürmer auf engstem Raum gegenüberstehen. Ob er siegreich daraus hervorgehen wird, ist noch keinesfalls ausgemacht. Mit taktisch anmutenden Manövern, wie sein Rücktrittsgesuch vom Januar, kennt sich der Minister jedenfalls aus. Mit der Landwirtschaft auch. Zwischen 1998 und 2002 war er der Berater des damaligen Agrarministers Jean Glavany und musste die Fischler-II-Reform mit vorbereiten, in der es um die Abschaffung der Erzeugerpreisstützung ging, was Frankreich damals sehr schwer gefallen ist.

Mit seinen früheren Erfahrungen in der Agrarpolitik bewegt sich Guillaume nun als Minister auf gewohntem Terrain. Fleißig besuchte er gleich in den ersten Wochen seiner Amtszeit von der Trockenheit geschädigte Betriebe im ganzen Land und versprach nationale Hilfen. Er empfing Protestierende, die auf die erhöhte Selbstmordrate in der französischen Landwirtschaft aufmerksam machen und hat für jedes etwas dabei. Der Trend zu Biolandwirtschaft sei unumkehrbar, beteuerte er bei einem seiner Besuche vor Ort.

Wirtschaftlichkeit ist dem Minister wichtig

Gleichzeitig müsse die Landwirtschaft produktiv bleiben, bezahlbare Lebensmittel herstellen und auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig sein, betonte Guillaume anschließend und bemühte sich vergangene Woche selbst mit einer Reise nach China um neue Exportmöglichkeiten für seine Landwirte. Von dort aus verordnete er noch die Schließung eines französischen Schlachthofs, nachdem ein Video von dort mit Verstößen gegen den Tierschutz die Runde gemacht hatte. Mit Ausdauer und Entschlossenheit auf unterschiedlichen Feldern will der Sportsfreund im Agrarsektor nun punkten. Dagegen wird Guillaume die harte Konfrontation um Pflanzenschutzmittel, bei der man sich nur Schrammen abholen kann, möglichst meiden.

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