Phil Hogan

Geschickter Diplomat


Für das Handelsabkommen mit den USA wird Hogan viel Fingerspitzengefühl und Überzeugungskraft brauchen.
Foto: imago images/Reiner Zensen
Für das Handelsabkommen mit den USA wird Hogan viel Fingerspitzengefühl und Überzeugungskraft brauchen.

Der Bauernsohn aus Irland kommt von der Landwirtschaft nicht los. Hogans politisches Leben dreht sich weiterhin um ein leckeres Menü aus irischem Rindfleisch, spanischen Oliven, französischem Roquefortkäse und polnischen Äpfeln. Nur die Perspektive hat sich verändert. Als EU-Agrarkommissar musste er Erzeuger stützen und Produkte verteidigen, die in den Strudel von Handelsauseinandersetzungen geraten waren. Jetzt kümmert sich Hogan selbst um die Handelsbeziehungen der EU zu Drittstaaten und muss Einfuhrbeschränkungen und Strafzölle für diese wohlbekannten Erzeugnisse abwenden. Der transatlantische Streit um Autos, Aluminium und Flugzeuge schwebt bedrohlich über dem bisher rein agrarischen Portfolio des EU-Kommissars.

Gleich geblieben sind auch die Methoden von Hogan, um in Konfliktlagen eine Position zu behaupten und Terrain gutzumachen. Er tritt leise auf und hält sich immer eine Hintertür offen. Mit diplomatischem Geschick konnte sich Hogan andalusischen Olivenerzeugern gleichzeitig als verständnisvoller Verbündeter anpreisen und trotzdem freie EU-Agrarmarktordnungen vor den Lobbyisten verteidigen. Mit dieser Taktik könnte er auch die größte Herausforderung seiner zweiten Amtszeit in Brüssel meistern: das Handelsabkommen der EU mit den USA. Hogan streitet mit den US-Amerikanern nicht über die Risiken von Hormonfleisch für das Wohlergehen der Tiere oder die menschliche Gesundheit. Sich im ideologischen Klein-Klein zu verhaken, liegt Hogan überhaupt nicht. Stattdessen reserviert er noch als EU-Agrarkommissar ein Einfuhrkontingent von 35.000 t Rindfleisch ohne Masthormone speziell für die USA.


Wenn einer aus dem politischen Spitzenpersonal der EU mit der schwierigen Trump-Administration zurechtkommt, dann ist es Hogan. Als Ire liegen ihm die transatlantischen Bezüge näher als Politikern aus anderen EU-Mitgliedstaaten. Auf die kühnen Rechnungen der USA im Handelsstreit, die zum Teil mit aggressiver Rhetorik vorgetragen werden, reagiert Hogan gelassen. So beklagen die US-Amerikaner ein Handelsdefizit von rund 10 Mrd. € im Jahr gegenüber der EU und fordern einen besseren Zugang zum europäischen Agrarmarkt. Dem ehemaligen EU-Agrarkommissar ist klar, dass neue Einfuhrkontingente für landwirtschaftliche Erzeugnisse in der EU kaum durchzusetzen sind. Also muss er das Problem irgendwie umschiffen, denn ohne positive Schlagzeilen für seine Farmer und Rancher wird Präsident Donald Trump einem Handelsabkommen mit der EU nicht zustimmen. Die kleinen Stellschrauben sind gefragt – und hier kennt sich der Handelskommissar aus. Vielleicht könnte die EU die Einfuhr von Geflügel erleichtern, das nicht gleich mit dem verpönten Chlor desinfiziert wurde, sondern nur mit harmlosem Essig. Doch selbst für einen brüchigen Waffenstillstand im Handelsstreit ist der Spielraum für Hogan äußerst begrenzt. Schließlich könnte die kritische Öffentlichkeit der EU, was Lebensmittelstandards angeht, dem Kommissar das Menü schnell wieder versalzen.

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