Portrait

Das Göttinger Rübenuniversum

Anne-Katrin Mahlein setzt neue Akzente bei den Forschungssschwerpunkten.
Bild: IFZ
Anne-Katrin Mahlein setzt neue Akzente bei den Forschungssschwerpunkten.

Zuckerrüben gehören zu den produktivsten Ackerkulturen. Um Effizienz und Nachhaltigkeit des Anbaus weiter zu erhöhen, entwickelt das Institut für Zuckerrübenforschung (IfZ) immer neue Perspektiven.

Prof. Dr. Anne-Katrin Mahlein, die 2018 die Leitung des Instituts für Zuckerrübenforschung (IfZ) in Göttingen übernommen hat, will alles dafür tun, dass die Zuckerrübe ihren Platz in der Fruchtfolge behauptet. „Der Anbau gehört nach Mitteleuropa“, ist die Wissenschaftlerin überzeugt. Deutschland steht nach ihrer Ansicht im europäischen Vergleich besonders gut da. Als Indiz nennt sie, dass sich hier führende Zuckerkonzerne befinden und die deutsche Zuckerrübenzüchtung an der Weltspitze steht. Einen erheblichen Beitrag leistet auch das vor 137 Jahren von der Industrie gegründete IfZ als zentrale deutsche Forschungseinrichtung mit seinen fast 50 Mitarbeitern.

Enge Verbindung zur Agrarfakultät der Universität

Seit 1953 ist das Institut mit seinen Büro- und Laborgebäuden sowie Maschinenhallen und Gewächshäusern am Nordwestrand von Göttingen angesiedelt. Etwa 5 km entfernt befinden sich die Institutsgebäude der Agrarfakultät der Georg-August-Universität, mit der das IfZ als „An-Institut“ verbunden ist. Bei dieser Organisationsform ist das IfZ in Forschung und Lehre mit der Hochschule verflochten, bleibt aber rechtlich und finanziell selbstständig.

Beide Partner profitieren. Die Zuckerrüben-Spezialisten betreuen Lehrveranstaltungen an der Universität. Im Gegenzug können Studierende und Doktoranden, deren Interesse an der Rübe geweckt ist, ihre wissenschaftlichen Arbeiten am IfZ durchführen. Allein in den Jahren 2016 und 2017 wurden fünf Bachelor- und 14 Masterarbeiten am IfZ betreut sowie acht Promotionen abgeschlossen.

In diesem Jahr gewinnt die Forschung noch an Schubkraft. Das IfZ ist dem Exzellenzcluster ‚PhenoRob‘ angeschlossen, das sich 2018 als eines von 57 Forschungsprojekten in einem bundesweiten Wettbewerb qualifiziert hat. In dem aus Bundesmitteln über sieben Jahre geförderten Vorhaben entwickeln die Universität Bonn und das Forschungszentrum Jülich neue Technologien, um Pflanzen zu beobachten, Krankheiten früher zu erkennen und gezielter behandeln zu können. Mahlein, die in Bonn Agrarwissenschaften studiert und sich dort auch habilitiert hat, freut sich auf die zusätzlichen Impulse für den Integrierten Pflanzenschutz und Verfahren des Smart Farming im Zuckerrübenanbau. Sie wiederum kann als außerplanmäßige Professorin in Göttingen das neu angebotene Modul „Sensortechnologien in der Pflanzenproduktion“ gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. Frank Beneke, der in Göttingen Agrartechnik lehrt, mit aktuellem wissenschaftlichem Hintergrund anreichern.

Darüber hinaus stehen im Zuckerrübeninstitut weitere Forschungsprojekte an. Die IfZ-Direktorin nennt als Beispiele den Einfluss von Zwischenfrüchten auf die Treibhausgasemissionen, die Lagerstabilität von Sorten oder die viröse Vergilbung von Rübenpflanzen. Darüber hinaus erfordert der Wegfall von Neonicotinoiden neue Ansätze im Pflanzenschutz und die Verringerung des Glyphosateinsatzes eine verstärkte Forschung in der mechanischen Unkrautbekämpfung.

Die aktuellen Forschungsthemen zeigen sich auch im Gewächshaus des IfZ. Bis vor Kurzem waren dank der Beizung mit Neonicotinoiden Läuse kein größeres Problem für die Rübenanbauer. Das hat sich mit dem Verbot dieser Wirkstoffgruppe geändert. Jetzt werden im IfZ Blattläuse angezogen und gezielt mit Viren beladen, um die Situation im Rübenacker zu simulieren.

Rechnung tragen die Wissenschaftler auch der steigenden Bedeutung von Pilzkrankheiten. In einer modernen Klimakammer lassen sich Temperatur und Feuchtegehalt gezielt steuern, um etwa ideale Bedingungen für einen Pilzbefall zu erzeugen.

Das IfZ befasst sich jedoch nicht nur mit Zukunftstechnologien, sondern weist auch solide Bodenhaftung auf. Seit Jahren koordiniert das Institut für das Bundessortenamt die technische Durchführung der Wertprüfung von Rübensorten. Für die offiziellen Feldversuche sowie eigene Versuchsfragen besteht eine Kooperation mit niedersächsischen Landwirten in der Umgebung.

Dauerversuch zur Fruchtfolge liefert Argumente

Um generell die Bedeutung von Rübenfruchtfolgen zu beleuchten, haben die IfZ-Forscher zudem bereits 2006 in Harste bei Göttingen auf 5 ha einen Dauerversuch mit neun Fruchtfolgevarianten in drei Wiederholungen angelegt. Zahlreiche Fragestellungen lassen sich untersuchen, wie etwa die Ertragsbildung, den Einfluss auf die Bodenstruktur oder die Biodiversität im Bodenleben.

Hier sammelt Mahlein mit ihrem Team auch wichtige Argumente, die für die Zuckerrübe in der Fruchtfolge sprechen. Die Pflanzen, die den Boden von März bis in den November hinein bedecken, aber nicht besonders hoch wachsen und auch über eine längere Phase ohne Bodenbearbeitung auskommen, bieten wertvolle Rückzugsräume für bodenbrütende Vogelarten. Die Populationen von Lerche oder Kiebitz lassen sich messen. Außerdem sind Zwischenfrüchte meist fester Bestandteil der Rübenfruchtfolgen und leisten einen weiteren Beitrag für eine höhere Biodiversität.

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