Raiffeisen

Ein Wein bei "Pommes Peter"

Viel herumgekommen ist Manuel Andrack auf den Spuren von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen.
Bild: Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft
Viel herumgekommen ist Manuel Andrack auf den Spuren von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen.

Auf den Zeitungsständern in den Vorzimmern der Agrargenossenschaften findet sich die "taz" aus Berlin vermutlich selten. Dabei haben Unternehmen wie Agravis, RWZ Köln oder DZ Bank und die linksliberale Tageszeitung eines gemeinsam: sie sind Genossenschaften.

Im Fall der taz, so hat es der Moderator und Autor Manuel Andrack im Rahmen seiner "Raiffeisen-Tour 2018" recherchiert, reichen die genossenschaftlichen Wurzeln allerdings nur bis ins Jahr 1992 zurück. Damals, so schreibt Andrack in den Impressionen seiner Genossenschaftsreise, die er kürzlich auf der Generalversammlung der RWZ Köln vorgestellt hat, stand die taz kurz vor dem Aus. Die Berliner Mauer war vor wenigen Jahren gefallen, linkspolitische Positionen wenig hip. Ein findiger Rechtsanwalt, der heutige Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), legte der Zeitungsredaktion nahe, eine Genossenschaft zu gründen. Eine gute Idee, wie sich zeigen sollte: 3.000 Genossenschaftsgründer spülten seinerzeit genug Geld in die Kasse, um die Zeitung zu retten, heute strebt die taz 20.000 Mitglieder bis 2020 an.

Ob die Agrargenossen treue Leser der Zeitungsgenossen von der Berliner taz sind, sei einmal dahingestellt. Aber möglicherweise – und das ist eine zentrale Erkenntnis nach der literarischen Genossenschaftstour – sollte man nicht zu sehr in Klischees denken: Das Buch "Auf den Spuren einer Idee", mit der die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft Manuel Andrack im Raiffeisen-Jahr 2018, dem 200. Geburtsjahr des Vaters des Genossenschaftswesens, beauftragte, bietet erstaunliche Anekdoten aus der deutschen Genossenschaftswelt.

So wird die Idee der "Sharing Economy", die gemeinhin wohl eher im Kosmos urbaner Hipster verortet wird, schon seit 1991 im beschaulichen Lübeck gelebt mit der Carsharing-Genossenschaft StattAuto eG. Startete StattAuto mit 20 Mitgliedern und einem Pkw, sind es heute 180 Autos für 3.600 Nutzer. An anderer Stelle stößt Andrack im Raiffeisenhaus von Flammersfeld in Rheinland-Pfalz über ein gelbes Hinweisschild mit der Aufschrift "Addis Abeba 10.472 km". Josef Zolk aus dem Vorstand der Deutschen Raiffeisen-Gesellschaft erklärt, was es damit auf sich hat: Die Raiffeisen-Gesellschaft und die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft beantragten gemeinsam den immateriellen Kulturerbe-Status für die Genossenschaftsidee. Im Herbst 2016 beschloss der Unesco-Ausschuss in Addis Abeba, die Genossenschaftsidee unter das immaterielle Weltkulturerbe zu fassen, das wegweisende Konzepte in der Menschheitsgeschichte auszeichnet.

An zahlreichen Stellen feiert Andrack die Genossenschaftsidee auf humorvolle Weise und frei von jedem Pathos. So etwa die Schilderung, wie er und sein Team zum Mittagessen bei "Pommes Peter" einkehren. Dessen Imbissbude befindet sich gegenüber der ältesten Winzergenossenschaft der Welt in Mayschoß. Passend dazu reicht Imbissbudenbesitzer "Pommes Peter" zu seinen Fritten den besten Riesling der Winzergenossenschaft. Und klärt Andrack und seine Crew auf, dass im pfälzischen Mayschoß "sogar das Grundwasser zwei Prozent Alkohol" habe.

Darüber hinaus führt die Genossenschaftsreise Andrack unter anderem in den Melkstand eines von rund 1.000 genossenschaftlichen Milchbauern der Schwarzwaldmilch. Der Moderator fühlt sich im hilflosen Geschwindigkeitsrausch bei einer Tandem-Fahrt durch Agravis-Gebiet. Bei der Einkaufsgenossenschaft Rewe darf er in einer Supermarktfiliale an der Kasse sitzen, Waren übers Band ziehen und Kunden nach Payback- oder Treuepunkten fragen. Und lernt zudem das Spiele-Angebot kennen in der "Filiale der Zukunft" der Westerwald Bank in Bad Marienberg. Dort wird erprobt, wie die Bankfiliale der Zukunft aussehen muss, um beim digital- affinen Kunden der Zukunft zu bestehen.

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