Portrait

Farming While Black


Leah Penniman lehrt die Landwirtschaft.
Bild: Jamel Moseley Mel
Leah Penniman lehrt die Landwirtschaft.

Landwirtschaft ist in den USA – wie auch in Europa – eine von Weißen dominierte Branche. Während man in Europa durchaus von historischen Gegebenheiten sprechen kann – schließlich gab es "Gastarbeiter" erst lange nachdem das Land verteilt wurde –, ist das in den USA etwas anders gelagert.

Seit der Besiedelung des Kontinents arbeiteten die Afroamerikaner auf den Feldern – nur eben als Sklaven. Dieses düstere Kapitel der Vereinigten Staaten ist zwar vordergründig schon lange vorbei, doch bei der Verteilung des Landes sind die Afroamerikaner trotzdem leer ausgegangen. Daraus resultiert bis zum heutigen Tag, dass Schwarze kaum Zugang zur Ressource "Boden" haben, was zu einer Ungerechtigkeit bei der Produktion von Nahrungsmitteln führt. Diese Lebensmittelapartheid ist ein ernstes, systemisches Problem der USA. Erst langsam verändern sich hier die Gegebenheiten und zumindest einige junge Schwarze, Latinos und Ureinwohner versuchen, sich als Farmer selbstständig zu machen.

Eine Frau mit reichlich Erfahrung in diesem Kontext ist Leah Penniman. Seit 1996 ist sie Landwirtin, hat zudem eine ganze Reihe weiterer Abschlüsse in der Tasche: Sie hat an der Clark University einen Master in Science Education und einen Bachelor in Umweltwissenschaften und International Development erworben. Seit 2002 unterrichtet sie als Gastdozentin für Naturwissenschaften an der University Park Campus School, der Tech Valley High School und der Darrow School.

Mehr als 19 000 Menschen arbeiteten auf der Soul Fire Farm

Aus ihrer Biografie und ihrer Lehrtätigkeit heraus entstand im Jahr 2011 die Soul Fire Farm, ihre eigene Landwirtschaft. Die 73 ha große Farm befindet sich in Grafton im Staat New York. Lebensmittel werden hier intensiv mit ausschließlich organischen und uralten Techniken kultiviert. "Die Techniken verbessern die Qualität des Oberbodens, Kohlenstoff wird abgebaut und die Biodiversität des Bodens gefördert", erklärt Penniman. Produziert werden Gemüse, Geflügel, Eier, Kräuter und Blumen.

Die Gebäude auf dem Bauernhof werden in Handarbeit aus lokalem Holz, Lehmziegeln, Strohballen, Sonnenwärme und aufgearbeiteten Materialien hergestellt. "Das Ziel der Farm ist es, Rassismus und Lebensmittelapartheid zu beenden", so die in Massachusetts aufgewachsene Penniman mit kreolischen Wurzeln.

„Ziel der Farm ist, die Boden.- und Lebensmittelapartheid zu beenden. “

Das Team aus Arbeitern und Aktivisten, vornehmlich Latinos, Schwarze und amerikanische Ureinwohner, bringt auch unterschiedliche Akteure auf dem Land zusammen, um Kompetenzen in nachhaltiger Landwirtschaft, natürlichem Bauen, Gesundheit und Umweltgerechtigkeit zu fördern. Seit der Gründung der Soul Fire Farm, die sich durch Spenden und Zuschüsse finanziert, haben hier mehr als 19 000 junge US-Amerikaner gearbeitet und sich fortgebildet. Allein 500 Landwirte hat Penniman auf diesem Weg ausgebildet. Nun hat die umtriebige Lehrerin ihre bisherigen Erfahrungen als schwarze Farmerin in den USA in einem Buch zusammengefasst.

In "Farming While Black" benennt Penniman einerseits klar die bereits genannten soziokulturellen und ökonomischen Defizite der von Weißen dominierten US-Agarwirtschaft, ergeht sich aber nicht nur in Anklagen an das System. "Ich erkläre den Lesern, worauf es bei der Gründung einer eigenen Landwirtschaft nach ankommt, was auf einer Farm im Laufe des Jahres zu tun ist", beschreibt die Mutter zweier Teenager. Auch wenn sich ihr Buch vornehmlich an Afroamerikaner, Latinos und amerikanische Ureinwohner richtet, sei es doch eine gute Lektüre für jedermann, betont die Autorin. Denn neben den praktischen Tipps rund um die Landwirtschaft widmet sie sich auch dem schwierigen Thema der Land- und Lebensmittelapartheid in den USA.

Der US-Präsident hat ihr einen Preis für ihre Projekte verliehen

"Unsere Leute haben seit jeher weniger Zugang zu Land als die Weißen und damit auch nicht zu selbst produzierten Lebensmitteln", sagt sie. "Wir sind tagtäglich mit institutionellem und zwischenmenschlichem Rassismus direkt in unserer Nachbarschaft konfrontiert und leben im ländlichen, überwiegend weißen Bundesstaat New York." Und in der Tat: Statistiker sagen, dass 98 Prozent der Agrarfläche in den USA Weißen gehören.

Aus europäischer Sicht mag das alles ja wie linksorientierter Polit-Aktivismus klingen. Wie ernst das Problem der Land- und Lebensmittelapartheid in den USA aber tatsächlich ist, das Penniman mit ihrer Soul Fire Farm angeht, zeigt sich auch an den zahlreichen Preisen, die sie in den USA für das Programm erhalten hat. Unter anderem ist sie Trägerin eines Preises des US-Präsidenten für besondere Leistungen in der Lehre.

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