Keine Scheu vor Rampenlicht.
Bild: Sarah Wiener Stiftung
Keine Scheu vor Rampenlicht.

„Bienen arbeiten für künftige Generationen, die sie nie kennenlernen werden“, sagte die Fernsehköchin Sarah Wiener in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Das sollten Politiker auch tun, schlussfolgert die 56-jährige Unternehmerin und Besitzerin eines Bauernhofs in Brandenburg.

An diesem Vergleich wird sich die im westfälischen Halle geborene Wiener, die in Wien aufwuchs und im Jahr 1966 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, womöglich bald messen lassen müssen. Wiener will für die österreichischen Grünen zur Europawahl antreten.

Lautsprecherin in sozialen Medien

Ihre pointierte Meinung zu Ernährungsthemen und Landwirtschaft sowie zahlreiche Fernsehauftritte sind ein Indiz, dass Wiener für ein Politikerleben bestens gewappnet ist. Ein Blick auf ihr Facebook-Profil zeigt, dass sie mit Kritikern umzugehen weiß. Dort sind das aber meist nur Internet-Trolle; mit fundiert argumentierender politischer Konkurrenz hat die in Berlin lebende Wiener bisher wenig zu tun. Erste Erfahrungen sammelte sie beim Informellen Rat der EU-Landwirtschaftsminister auf Schloss Hof. Hier hielt Wiener auf Einladung von Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) eine Rede.

Wieners Aussagen schlagen Wellen – derzeit noch in den sozialen Netzwerken. Reaktionen auf ihre Aussage im NOZ-Interview, Kunstfleisch sei pervers, gehen von „Die hat bei den Grünen nichts verloren“ bis „Mein Gott, Wiener, weißt du, was pervers ist? Die Massentierhaltung!“

Gerade die Massentierhaltung ist auch Wiener ein Dorn im Auge. Der Protest dagegen ist quasi ihr Aushängeschild. Überhaupt argumentiert sie strikt gegen industriell erzeugte Lebensmittel. Dabei betont sie stets, sich in der Debatte weder auf die biologische noch die konventionelle Seite schlagen zu wollen. Schließlich gebe es auch reichlich Industrie-Bio.

Daher sehnt sich Wiener zurück in die Zeit vor 50 Jahren, als die Landwirtschaft kleinbäuerlicher strukturiert war, ohne „Tonnen von Pestiziden und Antibiotika“. Damals hätten Landwirte mehr gesellschaftliches Ansehen genossen. Daher ärgere sie die Haltung vieler Bauern, die sagen: Das haben wir schon immer so gemacht! Den wahren Feind nachhaltiger ökologischer Ernährung sieht Wiener in Fabriken, Handel und Rohstoffspekulanten.

Die Kritik, dass die von ihr bevorzugte Produktionsweise höhere Kosten verursache, kontert sie mit guten Ratschlägen. Wer wisse, was sich aus einem halben Kilo Grieß oder aus einem Schweinefüßchen kochen lasse, könne sich günstig und lecker ernähren. Sie sei selbst einmal Sozialhilfeempfängerin gewesen und wisse, wovon sie spreche.

Von Sozialhilfe zum Business

Das ist aber lange her: Seit 2004 betreibt Wiener eine GmbH mit Sitz in Berlin, zudem ein Restaurant in Berlin im "Hamburger Hof“, die Holzofenbäckerei „Wiener Brot“ und den Catering-Service „Hoflieferanten Berlin“. Dazu kommt das eingangs erwähnte Gut Kerkow, eine Bio-Landwirtschaft mit eigener Schlachterei und Fleischerei in der Uckermark.

Auch als Kolumnistin für Ernährungsthemen tritt Wiener auf, seit März 2018 läuft 14-täglich die fünfminütige Sendung „Sarah Wieners Speisekammer“ auf Deutschlandfunk Kultur.

Ihre Entscheidung, sich bei den österreichischen Grünen für den zweiten Listenplatz zu bewerben, begründet Wiener im NOZ-Interview wie folgt: „Als ernährungspolitisch engagierte Einzelperson bin ich dankbar für die Chance, vielleicht Politik in größerem Umfang mitgestalten zu dürfen.“ Die endgültige Entscheidung über ihre Kandidatur fällt auf einem Parteikongress Mitte März.

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