Stefan Dürr

Putins Stratege

Stillstand ist nicht sein Ding: Stefan Dürr.
Bild: Privat
Stillstand ist nicht sein Ding: Stefan Dürr.

Sein Unternehmen, das in den Weiten Russlands mittlerweile in acht Regionen zu finden ist, sorgt schon seit Jahren für Aufsehen. Die Wirtschaftsdaten, die sich hinter seiner EkoNiva-Gruppe verbergen, können sich wirklich sehen lassen.

Agrarunternehmer Stefan Dürr ist Russlands unangefochtener Milch-Zar. Aufgewachsen in Walldorf/Baden-Württemberg, begann er eine landwirtschaftliche Berufsausbildung, die er parallel zum Studium der Geoökologie an der Universität Bayreuth auf einem Betrieb in Oberfranken abschloss. Im Rahmen eines deutsch-russischen Praktikantenaustausches des Deutschen Bauernverbands (DBV) im Agrarsektor war der Odenwälder im Jahr 1989 einer der beiden ersten Praktikanten in Russland nach dem Ende des ‚Kalten Krieges‘.

Das Agrarunternehmen Ekosem mit Sitz in Walldorf gründete Dürr 1994. Daraus sind zwei, heute gesellschaftsrechtlich getrennte, Großunternehmen entstanden: die Ekosem-Agrar AG und die Ekotechnika AG, beide mit Sitz in Walldorf. Letztere zählt zu den größten Händlern von John-Deere-Technik in der Russischen Föderation. Die russische Agrarholding EkoNiva gehört zu Ekosem-Agrar. Einschneidende, wirtschaftspolitische Veränderungen brachte der August 2014. Damals reagierte Russlands Präsident Wladimir Putin mit einem Embargo für Lebensmittel aus dem Westen auf die EU-Sanktionen in der Ukraine-Krise.

Selbstversorgung ist seitdem mehr denn je ein zentrales Ziel der Wirtschaftspolitik der russischen Regierung. Dies hat in der Konsequenz natürlich auch Spannungen zwischen Deutschland und Russland zur Folge, die der 55-Jährige als belastend empfindet. „Die Situation ist nicht gut“, sagt Dürr, der für seine Verdienste um die dortige Landwirtschaft mehrfach ausgezeichnet wurde und dem als Anerkennung für seine außerordentlichen Leistungen für das Land 2014 auch die russische Staatsbürgerschaft verliehen wurde. „Die Sanktionen des Westens sind mir absolut unverständlich: Wie man so viel kaputt schlagen kann, was aufgebaut worden ist“, fügt er hinzu. Im November 2018 sind die Sanktionen aus Brüssel um weitere sechs Monate verlängert worden.

„Die Sanktionen des Westens sind mir absolut unverständlich.“
Der Importstopp soll aus Sicht der russischen Regierung die heimische Lebensmittelerzeugung stärken. Der Unternehmer Dürr, der die Landessprache inzwischen fast akzentfrei spricht, unterstützt dieses Ansinnen mit seiner Milchproduktion und -verarbeitung. Natürlich kann er sich dabei des Rückenwinds aus Moskau gewiss sein. Die Firmengruppe beschäftigt mehr als 9000 Mitarbeiter, hält über 130000 Rinder, davon rund 66000 Milchkühe, und erzeugt fast 1700 t Rohmilch täglich. Im Jahr 2017 stand ein Umsatz von etwa 175 Mio. € in den Büchern.

Aber Stillstand ist nicht „das Ding“ von Dürr. Seit Kurzem treibt der schon lange größte Rohmilchproduzent Russlands die vertikale Integration im Milchsektor voran. Ein kleiner Teil der Rohmilch wird in eigenen Molkereien zu verschiedenen Milchprodukten verarbeitet: Es gibt sie seit Ende 2018 unter einem eigenen Label „EkoNiva“ in Supermärkten in der Region Moskau zu kaufen. Der leidenschaftliche Eishockeyspieler Dürr bezeichnet den Aufbau der eigenen Milchverarbeitung als „nächsten logischen Schritt unserer Wachstumsstrategie“. Und das neue Jahr 2019 könnte ihm ein weiteres „Bonbon“ bescheren: „EkoNiva“ ist von den Pekinger Behörden in die Liste der zehn zugelassenen russischen Unternehmen für den Import von Milchprodukten aufgenommen worden.

1 Kommentar

  1. leonhard Neeser
    Erstellt 27. Januar 2019 19:03 | Permanent-Link

    Es ist mir allerdings unverständlich, warum die freie Welt nicht auf die Annexion der Krim hätte reagieren sollen!!

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