Thomas Böck

Allgäuer mit Diesel im Blut


"In dem Job kann ich viel bewegen und habe große Gestaltungsfreiheit", sagt Thomas Böck.
Foto: Claas
"In dem Job kann ich viel bewegen und habe große Gestaltungsfreiheit", sagt Thomas Böck.

Claas hat mit seinem Landtechnik-Sortiment noch großes vor und hat sich dafür Thomas Böck ins Haus geholt. Mit ihm soll die Familienfirma weiter wachsen.

Wenn Thomas Böck in seiner Heimatstadt Marktoberdorf nach seinem Job gefragt werden sollte und er würde die Firma Claas nennen, könnte der Interessierte bestimmt annehmen, sich verhört zu haben. Immerhin ist die beschauliche Stadt im Allgäu Sitz des Agco-Konzerns, der dort seine Premiumschlepper namens Fendt fertigt. Mitnichten hat sich der Fragende verhört – denn der 48-Jährige ist seit dem 1. Oktober 2019 Vorsitzender der Konzernleitung/Chief Executive Officer (CEO) beim Familienunternehmen im westfälischen Harsewinkel.

Neben seinem bisherigen Tätigkeitsfeld als CTO, also Forschungs- und Entwicklungschef, trägt er fortan die Gesamtverantwortung für die Konzernstrategie und damit die Fertigung von jährlich etwa 14.000 Futtererntemaschinen, 11.000 Traktoren sowie 9.000 Mähdreschern.

Führungsriege reformiert

Bislang bestand die Konzernleitung bei Claas aus sechs gleichberechtigten Mitgliedern. Zum 1. Oktober vorigen Jahres, quasi mit dem Start des neuen Geschäftsjahres, hat der Landtechnikkonzern seine Führungsstruktur und diese Position erstmalig etabliert. "Mit dieser wichtigen Veränderung wollen wir noch bessere und schnellere Entscheidungsprozesse bei Claas erreichen und erhöhen unsere Beweglichkeit in einer Zeit des raschen Wandels", begründet Catharina Claas-Mühlhäuser, Vorsitzende des Claas-Aufsichtsrats, diesen Schritt aus ihrem Hause.

Und dieses Haus ist für Böck, der für seine neue Aufgabe ausgeprägte Technikbegeisterung und großen Teamgeist mitbringt, nicht neu. Als Mitglied der Konzernleitung war der Diplomingenieur mit Fachrichtung Elektrotechnik bisher zuständig für das Ressort Technologie und Systeme. Er begann seine berufliche Laufbahn als Entwickler für Fahrzeugsysteme. Zwischen 1996 und 2006 arbeitete er bei renommierten Land- und Nutzfahrzeugherstellern in leitenden Positionen. Dort verantwortete er unter anderem die Elektronik- und Hydraulikentwicklung.

Nachdem der begeisterte Bergwanderer zu Beginn seiner beruflichen Karriere bei Fendt in Marktoberdorf arbeitete, trat er im Jahr 2006 dann in die Claas-Gruppe ein und bewährte sich seitdem in Führungspositionen, unter anderem als Geschäftsführer Technik der Claas Saulgau GmbH. Der Liebhaber von Fahrzeugtechnik gilt in der Branche als international vernetzt und vertritt sein Unternehmen in diversen Verbänden, beispielsweise im Aufsichtsrat des europäischen Landtechnik-Verbands Cema in Brüssel.

Im Jahr 2014 wurde Böck in die Konzernleitung in Harsewinkel berufen. Wegbegleiter sollen ihn auch als extrem ‚digitalaffin‘ beschrieben haben. So steht denn auch auf seiner To-do-Liste weit oben, die Digitalisierung des 11.000-Mitarbeiter-Konzerns auf allen Ebenen weiter voranzutreiben.

Mit dem Chefposten bei Claas ist Böck auf dem Karrieregipfel angekommen. Die Freude darüber merkt man dem Allgäuer an. Denn in dem Job könne er viel bewegen und habe "große Gestaltungsfreiheit". "Um die Vorteile eines Familienunternehmens weiter nutzen zu können, brauchen wir eine gute Moderation, aber auch schnellere Entscheidungsprozesse", ist er überzeugt. Mittlerweile sind die 13-Stunden-Arbeitstage an der Tagesordnung. Aber das stört Böck nicht, bereits schon als Kind war er hart im Nehmen: So radelte Böck nicht selten die 17 km nach Rückholz zu den Großeltern, um Traktor fahren zu können.

Relevante Märkte im Blick

Unter seiner Regie soll Claas weiter wachsen; nicht nur in den europäischen Kernmärkten, sondern auch in Asien, Nordamerika sowie Russland. Zudem sieht der Vater zweier Töchter die Weiterentwicklung digitaler Farm-Management- und anderer Assistenzsysteme als wichtiges Ziel an.

Als Böck Mitte Dezember in Düsseldorf zum ersten Mal die Jahreszahlen des Konzerns präsentierte, hatte er eine gute und eine schlechte Nachricht im Gepäck. Die gute: Im vorigen Geschäftsjahr konnte Claas trotz der angespannten Konjunkturlage den Umsatz von etwa 3,9 Mrd. € halten. Die schlechte Botschaft aber lautete: "Unsere Profitabilität ist unter Druck geraten." Immerhin ging der Gewinn vor Steuern um fast 40 Prozent auf 136 Mio. € zurück. Böcks erstes Jahr in Harsewinkel dürfte alles andere als ein Spaziergang werden.

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