Wilhelm Fromme

Das Urgestein des Agrarhandels

Erwin Frommes zweite Heimat ist die Bundeslehranstalt des privaten Agrarhandels auf Burg Warberg.
Foto: Wilh. Fromme
Erwin Frommes zweite Heimat ist die Bundeslehranstalt des privaten Agrarhandels auf Burg Warberg.

Das Familienunternehmen Wilhelm Fromme in Salzgitter-Ringelheim ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus ein Markenzeichen für bodenständigen Agrarhandel und ein verantwortungsbewusstes Miteinander mit Angestellten und Kunden.

Der Senior Erwin Fromme feierte vor Kurzem seinen 90.Geburtstag, was ihn nicht davon abhält, sich immer noch mit den Agrarmärkten und der Politik auseinanderzusetzen. So ist jede Veranstaltung ein Gewinn für alle Teilnehmer, wenn der ewig junggebliebene Erwin Fromme mit seiner ihm eigenen markanten Stimme das Wort im Zuschauerraum ergreift und auch eine dröge Veranstaltung Fahrt aufnimmt. Sein Hinterfragen der Sinnhaftigkeit politischer Entscheidungen trifft den Nagel auf den Kopf. Wie soll der Agrarhandel vor Ort den Kunden überall Lagerraum bereitstellen, wenn die Auflagen immer aufwendiger werden, bekommen ranghohe Beamten zu hören. Fromme weiß, wovon er spricht. Sein Firmenstammsitz in Ringelheim liegt mitten im Ort. Er war einer der Ersten, der hohe Investitionen in Filteranlagen und Lärmschutz bei der Erfassung tätigte, damit die Anwohner nicht von Feinstaub und lauten Motoren gestört werden, wenn im Sommer die Erntewagen zum Abladen kamen.

Mittlerweile hat Sohn und Geschäftsführer Kurt Fromme in Salzgitter-Beddingen am Stichkanal eine leistungsfähige Annahmestelle gebaut. Doch gibt es hier für die Familie schon wieder einen Aufreger. Wie solle man den Anschluss an den Welthandel und zu den überregionalen Kunden mit Getreide halten, wenn keine 2000-t-Schiffe den Mittellandkanal erreichen können? Nach viel Überzeugungsarbeit bei der niedersächsischen Regierung ist jetzt eine Anbindung im Verkehrswegeplan vorgesehen. Für unfair hält er unangemeldete Kontrollen von Getreide, die der Landhandel selbst bezahlen muss. Er sucht den Kontakt mit den Verantwortlichen, spricht offene Worte und wirbt um Runde Tische.


In seinen 60 Berufsjahren ist der Strukturwandel im Agrarhandel sein ständiger Begleiter. Ohne Überheblichkeit stellt er sich über die Maßgabe "Wachse oder weiche" und setzt sich mit Spezialitäten und ständigem Kundenkontakt gegenüber Übernahmeangeboten zur Wehr. "Ich bin länger im Betrieb, als ihr alt seid”, nimmt der Niedersachse manche Besserwisser humorvoll auf den Arm. Seine väterliche Herzlichkeit zeichnet ihn als wichtigen Brückenbauer in der Branche aus. Der Politikberater hinter den Kulissen und Kämpfer für die Sache ist nicht immer bequem, aber konsequent, authentisch und respektiert. Die frühere Mauer zwischen den privaten Agrarhändlern und den Genossen hat Fromme abgebaut. Sein zweites Zuhause ist die Bundeslehranstalt des privaten Agrarhandels auf Burg Warberg, wo er natürlich seinen Geburtstag feierte.

Der passionierte Jäger kann aber auch loslassen. Seit 2004 ist Sohn Kurt Fromme alleiniger Inhaber des Unternehmens. Tochter Regine ist eine anerkannte Agrarhändlerin in einem großen internationalen Konzern. Die Enkel stehen in den Startlöchern mit einer fundierten Ausbildung, bevor es ans Studieren geht. Der Nachwuchs ist sein Herzensanliegen. Damit jeder eine Chance im Beruf erhält, hat er an seinem 70. Geburtstag die Erwin Fromme Stiftung gegründet.

Jährlich kommen einige Fromme-Fans hinzu, wenn auf Burg Warberg die jungen Preisträger, die mit ihrer Ausbildung Großartiges für den Agrarhandel leisten, vom Meister persönlich den Ritterschlag und Auslandsstipendien erhalten. Auch im eigenen Unternehmen setzte er auf Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und nicht über das Ziel hinausschießen. Ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl auf das ständige Stühlerücken im Agrarhandel, das für Vertrauensverlust und vielleicht auch manche Schieflage sorgt. Für Fromme sind solche Geschichten sein Lebenselixier.

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