Blattläuse

Kartoffeln vor Virusvektoren schützen


Blattläuse sind vor allem als Virusvektoren bedeutende Schädlinge in der Pflanzkartoffelproduktion. Sie können sowohl die nicht persistenten Y-Viren als auch das persistente Blattrollvirus übertragen.

Neben einer intensiven Ackerhygiene trägt ein strategischer Insektizideinsatz maßgeblich zum Erfolg bei der Vermeidung von Kalamitäten bei. Dabei gilt es aus der breiten Palette der zur Verfügung stehenden Produkte das passende auszuwählen. Entscheidungskriterien sind neben dem Entwicklungsstand der Kartoffel auch die Witterungsbedingungen.

Da die Y-Viren bereits mit kurzen Probestichen der Läuse übertragen werden können, muss die ersten Behandlung erfolgen, wenn 30 bis 50 Prozent der Kartoffeln aufgelaufen sind und der Zuflug einsetzt. Dafür bieten sich in erster Linie Pyrethroide an, die einen raschen Knockdown-Effekt auf die getroffenen Läuse ausüben und darüber hinaus über eine Repellent- (vergrämende) Wirkung verfügen. Auf diese Weise wird auch Neuzuflug verhindert.

Pyrethroide haben eine hohe Fettlöslichkeit und betten sich deshalb in der Wachsschicht der Pflanzen ein. Eine Aufnahme in das Blatt erfolgt nicht. Pyrethroide wirken lediglich als Kontaktinsektizide. Bei hohen Niederschlägen können Pyrethroide samt der Wachsschicht abgewaschen werden. Ist die Pflanze mit Bodenpartikeln belegt - sei es durch starke Niederschläge („Heraufspritzen von Boden“) oder Wind -, werden Pyrethroide aufgrund der hohen Bindungsaffinität für organische Substanz schnell „festgelegt“. Zusätzlich wird die Halbwertzeit der Wirkstoffe durch hohe Temperaturen und intensive Einstrahlung deutlich kürzer. Unter derzeitigen Witterungsbedingungen mit 30 °C und über 12 Stunden Sonne pro Tag bleibt ein Pyrethroidmolekül maximal 2 - 3 Tage stabil.

Gegen versteckt sitzende Läuse im Bestand ist die Zumischung von Pirimicarb angebracht. Das Pirimicarb wirkt über eine ausgeprägte Dampfphase. Je höher die Temperaturen, umso weniger Wirkstoff wird benötigt. Die Dauerwirkung beschränkt sich dafür auf wenige Stunden.

Spätestens ab dem Reihenschluss müssen systemische Produkte - ggf. ergänzt durch ein Pyrethroid - eingesetzt werden. Bei ausgeprägter Wachsschicht nach längerer Trockenheit sind Wirkstoffe mit positivem log Po/w-Wert im Vorteil (Thiacloprid, Acetamiprid, Clothianidin), da sie aufgrund der besseren Fettlöslichkeit durch die Wachsschicht diffundieren können. Wirkstoffe mit negativem log Po/w-Wert (Flonicamid, Pymetrozin, Thiametoxam) können die Wachsschicht dagegen nur schlecht passieren und sind auf Additive zur Lösung der Wachsschicht angewiesen.

Hohe Temperaturen haben eine starke Transpiration zur Folge. Durch die Verdunstungskälte wird der Blattapparat abgekühlt. Mit dem beschleunigten Wasserstrom durch die Pflanze werden auch systemische Wirkstoffe in der Pflanze zügig verlagert. Wirkstoffe mit hoher Wasserlöslichkeit (Flonicamid, Thiametoxam, Acetamiprid) akkumulieren sich dann rasch in den Blattspitzen. Am Blattgrund wird die Wirkstoffkonzentration verdünnt, die Schutzwirkung nimmt ab. Bei bedecktem Wetter und niedrigen Temperaturen sind diese Wirkstoffe jedoch im Vorteil, da auch der Neuzuwachs schnell geschützt wird.

Auch systemische Mittel können durch organisches Material (z.B. Humusteilchen) auf der Blattoberfläche gebunden werden. Bei staubbedeckten Pflanzen sollten deshalb bevorzugt Wirkstoffe mit geringem K(f)oc-Wert eingesetzt werden (Flonicamid, Thiametoxam, Acetamiprid, Clothianidin).

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