Für die kommende Saison

Mehrzeilige Wintergerstesorten


Die Wintergerste lieferte überregional zufriedenstellende bis überraschend gute Ergebnisse. Bis zum Einsetzen der ersten Hitzeperiode Anfang Juni war bereits ein Großteil der Kornfüllung abgeschlossen.

Die Frühreife der Wintergerste ist somit nicht nur ein Vorteil für eine früh zu bestellende Nachfrucht (Raps, Zwischenfrüchte), sondern auch, wenn mit hitzebedingt schlagartiger, früher Abreife zu rechnen ist. Der frühere und insgesamt im Vergleich zum Winterweizen geringere Wasserbedarf ist auch ein wirksames Instrument zur Risikostreuung bei verstärkt unkalkulierbaren Witterungsverläufen. Damit dürfte die Wintergerste auch langfristig ihre Stellung in der Fruchtfolge behaupten.

Kriterien für die Sortenentscheidung

Neben einer hohen Ertragsleistung und -stabilität stehen je nach Standort und betriebsindividuellen Gegebenheiten auch unterschiedliche agronomische Eigenschaften im Fokus. Die Winterhärte der Sorten war in den vergangenen Jahren nur wenig gefordert, sodass neue Sorten in diesem Merkmal nur schwer einzuschätzen sind. Überdurchschnittliche Winterhärte wiesen in der Vergangenheit KWS Kosmos und die GMV-doppelresistente KWS Keeper auf. In der Standfestigkeit gibt es abgesehen von einigen stärker lageranfälligen Sorten (Lomerit, Veronika, KWS Meridian) nur geringe Unterschiede im Hauptsortiment. Als besonders standfest gelten SU Ellen und trotz ihrer Länge auch die Quadriga.

Die Strohstabilität wird in den aktuellen Hochertragssorten zunehmend zum Problem. Die Abkehr in der Züchtung von Bestandesdichtetypen und die Konzentration auf Sorten mit (sehr) hoher Kornzahl pro Ähre mit gleichzeitig hohem TKG führt zu immer höheren Einzelährengewichten, die besonders das Pedunkel (Halmabschnitt unter der Ähre) zu überlasten drohen. SU Jule und Mirabelle stechen bei Halm- und Ährenknicken positiv hervor. Ein Vorteil auf Standorten mit hoher Stickstoff-Nachlieferung (hohe Humusgehalte, organische Düngung).

Auf die Gesundheitsaspekte wird zukünftig mehr Wert gelegt werden müssen. Leider sind in den entscheidenden Krankheiten wie Netzflecken (Resistenzentwicklung) und Ramularia (letztmalige Nutzung von Chlorthalonil in 2020) keine großen Unterschiede im Sortenspektrum vorhanden. Viele der Hochertragssorten weisen zudem eine (sehr) hohe Anfälligkeit für Zwergrost auf (z.B. KWS Higgins, KWS Kosmos, Wootan). Frühzeitige Kontrollen sind in diesen Sorten angeraten. Eine sichere Bekämpfung ist aber bisher noch günstig mit Azolen und Strobilurinen zu bewerkstelligen.

Virusresistenzen nutzen

Für Standorte, auf denen das durch den bodenbürtigen Pilz Polymyxa graminis übertragene Gelbmosaikvirus auftritt, sollten vorzugsweise doppelresistente Sorten ausgedrillt werden: KWS Keeper, Joker, SU Ellen. Die Praxis zeigt aber auch, dass Hybriden unter diesen Bedingungen gute Ergebnisse liefern.

Mit Paradies ist ab diesem Jahr auch die erste Sorte mit Resistenz gegen das von Blattläusen übertragene Gelbverzwergungsvirus am Markt. Zukünftig eine interessante Alternative zur Spritzung von Insektiziden im Herbst oder für sehr frühe Aussaattermine.

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