Getreide

Mehltau kommt wieder auf


Im Herbst litten viele Getreide-Bestände, vor allem Wintergerste unter starkem Mehltaubefall. Aufgrund fehlender Bekämpfungsmöglichkeiten im Herbst wurden diese Infektionen erst im Frühjahr, wenn überhaupt, ausgeräumt.

Zur Bekämpfung des Mehltaus wurden Kombinationen aus eradikativ wirkenden Substanzen (Morpholine, Spiroketalamine) und protektiven Wirkstoffen (Proquinazid, Cyflufenamid) appliziert. Danach brachen die Infektionen – auch unterstützt durch die trocken-warme Witterung im April – schnell in sich zusammen. Die Dauerwirkung der um die Monatswende März/April applizierten Fungizide lief je nach Aufwandmenge spätestens gegen Ende April aus. Mit den einsetzenden Niederschlägen und dem deutlichen Temperaturabschwung waren erneut gute Bedingungen für neuen Mehltaubefall gegeben, der sich mittlerweile in teils starkem Befall am Stängel insbesondere im Weizen zeigt.

Die Bekämpfung von Stängelmehltau ist wegen der tief im Bestand befindlichen Zielfläche und aufgrund des absterbenden Gewebes praktisch nicht möglich. Da die teilsystemischen Fungizide nur akropetal (spitzenwärts) und nur im intakten Gewebe aufgenommen werden. Wenn die unteren Blätter absterben, ist eine systemische Bekämpfung nicht mehr möglich. Damit die Spritzbrühe in den tieferen Bereich des Bestandes gelangt, bedarf es zudem hoher Wasseraufwandmengen, größerer Tropfen, geringer Vorfahrtgeschwindigkeit und der Zumischung eines (Super-) Spriters.

Punktuelle Verbrennungen drohen

Morpholine wirken durch die Dampfphase auch über die Pustel. Bei massivem Stängelmehltau, der droht auf obere Blätter (F-2, F- 1) zu springen sollte deshalb auch ein Morpholin (Fenpropidin) oder Spiroketalamin (Spiroxamine) zum Einsatz kommen. Diese Wirkstoffe neigen aufgrund der sehr zügigen Passage der Kutikula dazu, punktuelle Verbrennungen auf den Blättern zu erzeugen. Das ist auf den ertragswirksamen, oberen Blattetagen, die mit der Spritzung zum jetzigen Zeitpunkt getroffen werden, unerwünscht.

Die Zumischung von 50 g Bor (als Borethanolamin oder Natriumborat) erhöht den pH-Wert der Spritzbrühe und damit auch die Fettlöslichkeit der Wirkstoffe. Damit wird ein längeres Verweilen in der Kutikula erreicht. Das schädigende, zu schnelle Eindringen wird so vermieden. Keinesfalls sollten aber Morpholine und Spiroketalamine in dieser Phase mit pH-reduzierenden Wirkstoffen (Trinexapac, Etephon) oder Produkten (Ariane C) appliziert werden.

Angehende Infektionen können auch durch mehltauwirksame Azole (Triadimenol, Cyproconazol) gestoppt werden. Die Zugabe eines Protektivpartners (Vegas) ist in jedem Fall angeraten, um noch nicht befallenes Gewebe zu schützen.

Die Kommentare für diesen Artikel sind geschlossen.

stats