Maisanbau

Warum zu viel Regen schädlich ist

Für hohe Erträge braucht Mais zwar reichlich Regen, Staunässe kann aber zu Ertragseinbußen führen.
IMAGO / Panthermedia
Für hohe Erträge braucht Mais zwar reichlich Regen, Staunässe kann aber zu Ertragseinbußen führen.

Der anhaltende Regen der vergangenen Wochen führte zu Staunässe und Überflutungen auf den Maisfeldern. Entscheidend ist nun die weitere Witterung.

Bei Staunässe wird der im Boden vorhandene Sauerstoff durch aerobe Mikroorganismen binnen weniger Stunden aufgebraucht und Kohlendioxid aus der Wurzelatmung angereichert. Das Wasser staut sich meist bis zu einer Verdichtungsschicht (z.B. Bearbeitungszone oder Pflugsole), sodass der gesamte Bereich darüber anaerob wird. Unter der Verdichtungsschicht ist der Boden oft wieder aerob (Sauerstoff vorhanden). Ältere Maispflanzen, deren Wurzelsystem bereits unterhalb der Verdichtungsschicht gewachsen sind, können deshalb mit staunassen Bedingungen meist besser umgehen als jüngere Pflanzen.
 
Durch den Ausschluss von Sauerstoff kann die Wurzel nicht ausreichend mit Adenosintriphosphat (ATP) versorgt werden, da die Atmung gehemmt wird. Die reduzierte Wurzelleistung führt wiederum zur schwächeren Nährstoffaufnahme (besonders von N und P). Ältere Maispflanzen zeichnen durch vergilbte untere Blätter. Jüngere Pflanzen vergilben insgesamt. Die Funktion der Spaltöffnungen kann aufgrund mangelnder Energie (fehlendes ATP als Energielieferant) nicht durchgeführt werden, somit bleiben diese geschlossen. Folglich kann die Pflanze nicht transpirieren und bildet keine weitere Biomasse.

Zudem führt die CO2-Anreicherung zum Abbau von Feinwurzeln. Das CO2 ist Gift für die Wurzel. Wachstumsdepressionen in überfluteten Böden treten beim Mais schon nach 24 bis 48 Stunden unter nassen bis staunassen Bedingungen auf. Ab wann mit schweren Ertragsminderungen gerechnet werden muss, hängt unter anderem vom Wachstumsstadium der Pflanzen ab. Dabei ist die Ansatzhöhe des Vegetationskegel am wichtigsten. Die Maispflanzen können im überfluteten Boden längere Zeit überleben, solange der Vegetationskegel sich oberhalb des Wassergrenze befindet. Weitere Faktoren sind Bodentyp (Staunässe, Infiltration), Temperatur (hohe Temperaturen wirken sich ungünstiger aus, weil über die Wurzel mehr C02 ausgeschieden wird), der Anteil an organischen Bestandteilen und die Stickstoffversorgung im Boden.
 
Wesentlich ist die Witterung nach der Überflutung. Bleibt das Wetter danach nass, bewölkt und kühl wachsen die Maispflanzen langsamer und das Risiko für den Befall durch bodenbürtige Pilze (Rhizoctonia) steigt. Unter günstigen Bedingungen verwachsen sich die Pflanzen wieder und es kommt zu einer geringeren Ertragseinbuße, solange der Vegetationskegel überlebt hat.
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