Pflanzenschutz

Insektizide im Raps wirken kaum

Der Schädlingsdruck im Raps ist in diesem Jahr unterschiedlich, aber regional sehr hoch. Während der Fokus derzeit auf dem Rapsglanzkäfer liegt, werden in den ersten Beständen die Schäden durch den Rapsstängelrüssler sichtbar.

S-förmige Verkrümmungen im oberen Drittel des Stängels sind typische Symptome, die durch den Anstich des Stängelrüsslers ausgelöst werden. Aufgrund des intensiven Wachstums des Rapses in den vergangenen Tagen sind die Einstichstellen befallener Pflanzen bereits aufgeplatzt. Beim Aufschneiden des Stängels sind im Mark die Fraßschäden der Larven zu erkennen.
Derzeit setzt der Rapsglanzkäfer den Beständen zu. Behandlungen mit Pyrethroiden der Klasse I hatten vor allem auch bei intensivem Zuflug erwartungsgemäß keine ausreichende Wirkung. Aber auch Indoxacarb (Avaunt), Pymetrozin (Plenum) oder die Neonicotinoide (Biscaya, Mospilan) konnten unter den diesjährigen Bedingungen nicht immer überzeugen.

Die Gründe für die unzureichende Bekämpfung von Rüsslern und Glanzkäfer sind vielfältig:

Unzureichendes Monitoring

In wärmeren Lagen begann der Zuflug der Stängel- und Kohltriebrüssler bereits in der zweiten Märzwoche. Zu diesem Zeitpunkt standen die Gelbschalen noch nicht in allen Betrieben in den Feldern, sodass der Beginn des Zuflugs schlichtweg verpasst wurde.

Allerdings führte die Feststellung des Überschreitens der Schadschwelle zu diesem Zeitpunkt nicht zwangsläufig zu einer Behandlung. Aufgrund der nachfolgend kühlen und regnerischen, verbreitet sogar winterlichen Witterung wurden keine Insektizid-Maßnahmen durchgeführt, weil auch der sehr kurze Reifungsfraß des Großen Rapsstängelrüsslers unterschätzt wurde.

Auch nach einer Rüsslerbekämpfung musste der weitere Zuflug beobachtet werden, da die Rüssler in diesem Jahr nicht geschlossen zu einem Termin einflogen. Gebietsweise war eine Nachbehandlung gegen die Stängelschädlinge notwendig.

Intensive Strahlung

Die intensive Strahlung im April führte zu einem schnelleren Abbau der photolytisch weniger stabilen Pyrethroide sowie von Indoxacarb und Pymetrozin nach der Applikation. Darunter litt die Dauerwirkung der Produkte, die in diesem Jahr regelmäßig überschätzt wurde.

Die Rapspflanzen bilden zudem infolge der Strahlung sehr schnell eine dicke Wachsschicht, die das Eindringen von Wirkstoffen mit ungünstigem log POW (kleiner 0 oder größer 4) erschwerte. Insbesondere das Pymetrozin büßte dadurch einen Großteil seiner systemischen Wirkung ein.

Hohe Temperaturen

Die für April sehr hohen Temperaturen begünstigten dauerhaft den Zuflug der Schädlinge. Bei Wirkungsgraden der Produkte von 50-80 % war deshalb die Verringerungen des Glanzkäferbesatzes marginal.

Der ebenfalls aus der Wärme resultierende rasche Wuchs des Rapses führte zudem zu einer raschen „Verdünnung“ der systemischen Produkte, wenn sie überhaupt aufgenommen wurden. Das begrenzte deren Dauerwirkung.

Unangepasste Spritzmischungen

Nicht zuletzt werden Insektizide im Raps häufig in Kombination mit den pH-Wert erhöhenden Bordüngern (Borethanolamin, Natriumborat) ohne Ansäuerung der Spritzbrühe ausgebracht. Sowohl einige der Pyrethroide als auch das Indoxacarb werden unter alkalischen Bedingungen sehr schnell hydrolisiert und auf diese Weise stark unterdosiert.

Aufgrund der besonderen Bedingungen dieses Jahres wurden die Schädlinge aus unterschiedlichsten Gründen mit zu geringen, subletalen Dosen der Wirkstoffe konfrontiert. Dadurch ist mit einer verstärkten Selektion weniger sensitiver Individuen zu rechnen, was die Regulierung dieser Schaderreger in den Folgejahren zusätzlich erschweren wird.

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