Rapsanbau

Knospenverlust bereitet Sorgen


Die Berichte von Rapsbeständen mit massiven Knospenverlusten mehren sich. Oft blüht der Raps gar nicht oder nur kurz. Kommt starker Schädlingsbefall hinzu, müssen Landwirte umbrechen.

Der Frost im Februar und März hat die Knospenabwürfe verursacht. Vielerorts kommt Schädlingsbefall hinzu. Der Befall mit Larven von Stängel- und Kohltriebrüsslern ist in diesem Jahr unerwartet hoch. Offenbar gab es Schwierigkeiten bei der Terminierung der ersten Insektizidmaßnahme. In der Folge wurden die Stängel durch die Larven ausgehöhlt und können weder Wasser noch Assimilate in ausreichender Menge transportieren.

Wann umbrechen?

Bestände mit massivem Rüsslerbefall (jeder zweite Stängel mit Fraßgängen) sind meist umbruchreif, weil die Fraßschäden häufig so tief ansetzen, dass auch die unteren Verzweigungen nicht mehr versorgt werden können und demnach den Knospenverlust des Haupttriebes nicht zu kompensieren vermögen.


Regional kam ein hoher Rapsglanzkäfer-Druck hinzu, der die ohnehin hohen Knospenverluste weiter erhöhte. Die zu dem Zeitpunkt vorherrschenden hohen Temperaturen beeinflussten die Dauerwirkung der Insektizide negativ, so dass vielfach bei hohem Zuflug kein ausreichender Schutz der Knospen gewährleistet wurde.

Was kann in den durch Frost und Glanzkäfer geschädigten Beständen getan werden?

Phytohormonhaushalt in Ordnung bringen:
Die weit entwickelten Haupttriebe zeichnen sich durch hohe Auxinaktivität aus, die die Entwicklung der Nebentriebe hemmt. Weiterhin wird durch die zahlreichen abgängigen Schotenansätze das Alterungshormon Ethylen freigesetzt, das zu vorzeitiger Abreife führt und somit ebenfalls die jungen Nebentriebe schwächt. Ein Abschlegeln der Haupttriebe würde das phytohormonelle Problem lösen. Das dürfte allerdings in den allermeisten Fällen unpraktikabel sein (Fahrspurverluste).

Eine Alternative sind gezielte Spritzapplikationen. Durch die Spritzung hoher Mengen Mangan kann das auxin-abbauende Enzym Auxinoxidase stimuliert werden. Idealerweise wird Mangan in Kombination mit Bittersalz angewendet, um die negativ geladenen Zellzwischenräume mit dem Kation Magnesium abzusättigen. So verbessert sich die Manganverfügbarkeit. Aufgrund des pH-Wert-senkenden Effektes von Bittersalz sollte Mangan als Salz (Mangansulfat) angewendet werden.

Auf die Zugabe von Nährstoffen mit auxin-stimulierender Wirkung (Bor, Zink) sollte in den kommenden Spritzungen gänzlich verzichtet werden. Achtung: Auch viele „Bittersalze“ enthalten bereits zusätzlich Bor oder Zink.

Hilfreich kann zudem das Spritzen von Calcium sein, um das Abfallen der absterbenden Knospen zu beschleunigen. Vorsicht ist jedoch bei den Calcium-Formen geboten. Die niedrigen Deliqueszenzpunkte von Calcium-Nitrat (ca. 50 % rel. LF) und vor allem Calcium-Chlorid (ca. 40 % rel. LF) lassen Calcium zu schnell eindringen. Dadurch platzen die Zellen. Nekrosen sind die Folge. Am besten eignet sich deshalb Ca-Formiat (teuer).

Durch den Zusatz von kleinen Mengen Tebuconazol wird die apikale Dominanz der Haupttriebe gebrochen werden. Strobilurine und Carboxamide haben cytokinin-fördernde Wirkung und verschieben so das Auxin-Cytokinin-Verhältnis zugunsten der Cytokinine. So kann der Schotenansatz an den Nebentrieben verbessert werden. Gleichzeitig wird auf diese Weise die Wirkung des Ethylens herabgesetzt, so dass die Nebentriebe mehr Zeit für die Ausbildung der Schoten erhalten. Eine spätere Abreife ist zu erwarten.

Source-Sink-Beziehungen berücksichtigen: Durch die ausbleibende Schotenbildung infolge des Knospenabwurfes fehlen der Pflanze die „Sinks“ um die gebildeten Assimilate abzuleiten. Betroffene Pflanzen beginnen ihre überschüssige Energie auf Anthocyane zu übertragen. Dies ist vergleichbar mit der Rotfärbung von Maispflanzen, denen der Kolben abgerissen wurde. Anthocyane legen sich über das Chlorophyll und verhindern die weitere Aufnahme von Lichtenergie. Wenn nicht rechtzeitig alternative „Sinks“ in Form von Schoten an Nebentrieben zur Verfügung stehen, beginnt eine Rückkopplungsreaktion, in der auch die „Source“-Kapazitäten zurückgefahren werden (Blattalterung und -abfall). Kurzfristig kann der Pflanze nur geholfen werden, indem sie in die Lage versetzt wird möglichst viel „mobile Energieträger“ (ATP) zu bilden. Dafür muss vor allem die Phosphorversorgung der Pflanze stimmen.

Eine Phosphor-Blattdüngung bedarf jedoch einer gesonderten Überfahrt, da Kationen in der Spritze (Mn, Mg, Ca) in Kombination mit flüssigen Phosphordüngern ausflocken.

Konsequente Schädlingsbekämpung: Geschädigte Bestände haben ein geringes Kompensationsvermögen, so dass eine konsequente Schädlingskontrolle unabdingbar ist. Am besten werden der früh auftretende Kohlschotenrüssler und die etwas später zufliegende Kohlschotenmücke deshalb in getrennten Überfahrten bekämpft. Aufgrund der fortschreitenden Pyrethroid-Resistenz sollte gegen Kohlschotenrüssler ein Neonicotinoid (Thiacloprid) eingesetzt werden. Gegen die Mücke wirken auch noch Pyrethroide (lambda-Cyhalothrin, tau-Fluvalinat) sicher.

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