Später Aufgang des Rapses

Ab wann muss umgebrochen werden?

Viele Rapsbestände, die im September in trockenen Boden gesät wurden, laufen erst mit dem Regen der vergangenen Tage endgültig auf. Das dürfte vor allem für kalte Standorte zu spät sein.

 
Auf kalten Standorten mit frühem Vegetationsende muss ein Umbruch schlagspezifisch geprüft werden. Unter Berücksichtigung von 

  • - noch zu erwartender Temperatursumme am Standort,
  • - voraussichtlicher Bestandesdichte und
  • - minimalem Ertragsziel
kann eine sichere und belastbare Entscheidung getroffen werden. Die Temperatursumme wird aus den Tagesmitteltemperaturen errechnet. Tage mit weniger als 4,5 °C Tagesmitteltemperatur gehen nicht in die Berechnung ein. Für die Bildung eines Blattpaares benötigt der Raps ca. 140 °-Tage. Stehen bis zum Vegetationsende also bspw. noch 420 °-Tage zur Verfügung erreicht der Raps noch das 6-Blattstadium.
Ob diese Entwicklung ausreicht, um ein zu definierendes Mindestertragsziel zu erreichen hängt von der Bestandesdichte ab. Bei einem unterstellten TKG von 5 g und einem angenommenen Mindestertragsziel von 3 t/ha müssen 60.000 Körner pro qm produziert werden. Diese Korndichte setzt sich zusammen aus:

Pflanzen pro qm x Verzweigungen pro Pflanze x Schote pro Verzweigung x Körner pro Schote

Der Einfachheit halber unterstellen wir 25 Schoten pro Pflanze und 15 Körner pro Schote. Setzt man zudem voraus, dass der Vegetationsbeginn nicht weit vor dem 20. März einsetzt und deshalb im Frühjahr keine weiteren Blätter (=Achselknospen) gebildet werden können, so entspricht die Blattzahl im Herbst gleichzeitig der potentiellen Zahl der Verzweigungen. Daraus ergibt sich die „Mindestbestandesdichte“:
60.000 Körner / 6 Verzweigungen / 25 Schoten / 15 Körner = 27 Pflanzen pro qm
Laufen weniger als 27 Pflanzen pro qm auf, muss der Bestand vor dem Hintergrund der getroffenen Annahmen umgebrochen werden. Bei 27 oder mehr Pflanzen pro qm kann das Mindestertragsziel noch realisiert werden.

Achtung: Bei dem gewählten Mindestertragsziel handelt es sich dann um den maximal erzielbaren Ertrag, der durch Schädlinge, Krankheiten oder unvorhergesehene Witterungsereignisse noch geschmälert werden kann. Ein solcher Bestand hat keine Kompensationsmöglichkeiten und muss deswegen intensiv geführt werden. Einsparungen bei Pilz- oder Insektenbekämpfung schließen sich damit aus.

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