Typisch bei guten Wetter

Wenn Rhizoctonia droht

Die Bedingungen für Rhizoctonia-Infektionen in Zuckerrüben sind in diesem Frühjahr nahezu ideal. Hohe Bodentemperaturen von über 20 °C gepaart mit nicht optimaler Bodenstruktur aus dem Herbst ermöglichen in diesem Jahr einen sehr frühen Infektionsstart.

Erste Verdachtsfälle sind bereits aufgetreten. Rhizoctonia überdauert im Boden als Myzel oder in Form von Dauerkörpern (Sklerotien). Durch Verschmelzung von Myzelhyphen können genetische Informationen ausgetauscht werden. Daraus haben sich unterschiedliche Erregergruppen sog. „Anastomosegruppen“ herausgebildet, die sich vor allem in ihrer Wirtsspezifität unterscheiden.

Die bedeutendste Anastomosegruppe (2-2 Untergruppe IIIB) kann Zuckerrüben und Mais befallen. Mais und Zuckerrüben in einer Fruchtfolge erhöhen das Infektionsrisiko. Mais als direkte Vorfrucht vor Zuckerrüben ist auf jeden Fall problematisch. Aber auch hohe Mengen von schlecht verrottetem organische Materials (unverrottete Erntereste, organische Dünger) wirken sich befallsfördernd aus.

Auf bekannten Rhizoctonia-Befallsflächen kann Ertragsverlusten mit dem Anbau resistenter Sorten (z.B. Nauta, Premiere) begegnet werden. Ohne Befall mit Rhizoctonia haben diese Sorten allerdings einen deutlichen Ertragsnachteil gegenüber anfälligen Sorten. Tolerante Sorten (z.B. Daphna, Vivianna) schneiden sowohl bei Befall als auch bei Nichtbefall gut ab, erhöhen aber bei Rhizoctonia-Befall das Inokulum mit Rhizoctonia.

In diesem Frühjahr erhielt die Kombination aus Azoxystrobin und Difenoconazol (Amistar Gold) eine Notfall-Zulassung zur Bekämpfung der „Späten Rübenfäule“ (Rhizoctonia solani).

Azoxystrobin unterdrückt bei ausreichend hoher Aufwandmenge (125 g/ha) das Myzelwachstum von Rhizoctonia und verhindert Infektionen der Zuckerrübe. Darüber hinaus legen neue Studien nahe, dass auch das Inokulum an Rhizoctonia deutlich reduziert werden kann. Der beste Einsatzzeitpunkt von Azoxystrobin gegen Rhizoctonia liegt zwischen dem 4- und 8-Blatt-Stadium. Azoxystrobin wird nicht basipetal verteilt, so dass der Wirkstoff über den „Trichtereffekt“ der Blätter an die Rübenwurzel abgeleitet werden muss. Auf diese Weise wird der Wirkstoff um den Rübenkörper aufkonzentriert. Niederschläge unmittelbar nach der Anwendung unterstützen das Ableiten des Wirkstoffs an die Wurzel.

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