Weizen

Bis wann sollte noch gesät werden?

Der Winterweizen ist im Hinblick auf den Saattermin eine ausgesprochen anpassungsfähige Kultur. In der Regel hat man, je nach Region (Nord – Süd, maritim – kontinental, Höhenlagen - Ebene) ein Zeitfenster von 4 bis 8 Wochen, wenn Sortenwahl und Saatstärke dem Saattermin angepasst werden.

Ob überhaupt noch Weizen gesät werden kann, dazu müssen folgende Faktoren beachtet werden:

• Wann ist mit dem Vegetationsschluss zu rechnen?
• Wann setzt das Wachstum im Frühjahr ein?
• Wie viele Tage kann der Weizen im Kurztag wachsen?
• Wie intensiv ist die Vernalisation?
• Welcher Weizen-Sortentyp kommt in Betracht?

Der Weizen läuft nach einer Temperatursumme von 90°C-Tagen auf. Für die Keimung braucht ein Samenkorn 20 bis 30 mg Wasser. Der Wasserbedarf für die Keimung ist im Herbst meistens gedeckt. Der Temperaturanspruch pro neugebildetes Blatt beträgt 70°C-Tage. Zur Berechnung der Temperatursumme addiert man die Tagesdurchschnittstemperatur der Tage über 5 °C. Daraus lässt sich errechnen, wie weit sich der Weizen noch vor Winter entwickelt kann.

Beispiel: Bei einem Vegetationsschluss um den 25. November und einer Durchschnittstemperatur von 7 °C läuft ein am 30. Oktober gesäter Weizen um den 11. November auf und kann bis zum Winter noch ein Blatt bilden.

Spätgedrillter Weizen hat also im Herbst nicht mehr genug Zeit zum Bestocken. Im Frühjahr wird der Weizen durch den Langtag (um den 05. April plus/minus 7 Tage je nach Sorte) zum Schossen gezwungen. Setzt die Vegetation bereits Ende Februar ein, hat der Weizen genug Zeit, um im Kurztag zu bestocken. Kommt die Vegetation erst gegen Ende März in Gang, hat der Weizen wiederum keine Zeit mehr zu bestocken. Deshalb muss die Saatstärke im Herbst auf die Zielbestandesdichte zur Ernte erhöht werden.

Der Weizen benötigt zum Schossen zudem eine Vernalisationsdauer von 30 bis 50 Tagen. Der optimale Temperaturbereich für die Vernalisation liegt bei 1°C bis 8°C tagsüber. Die niedrigen Temperaturen heben die Schoßhemmung auf und sind Voraussetzung für die Bildung generativer Organe. Durch unzureichende Vernalisation (zu wenige kühle Tage) wird die Blütenbildung verzögert.

Für die Spätsaat kommen spät schossende Sorten in Frage, die mehr Zeit zum Bestocken und für die Ährenanlage im Frühjahr haben. Einzelähren-Typen haben den Vorteil, dass sie geringere Bestandesdichten über die Kornzahl je Ähre und das TKG kompensieren können.

  • Wenn der Weizen vor Vegetationsschluss noch aufläuft und im 1- bis 2-Blattstadium überwintert, ist eine Aussaat im Spätherbst noch möglich. Zu beachten ist aber, dass der Weizen im Herbst nicht mehr bestocken kann und deshalb bei spätem Vegetationsbeginn im Frühjahr die Saatstärke erhöht werden muss.
  • Der durchschnittliche Abstand zwischen den Körner sollte aber nicht enger als 2 cm sein. Daraus resultiert eine maximale Aussaatstärke von 333 Körner/m² (6,6 m Drillreihen pro m² bei 15 cm Reihenabstand) und 400 Körner/m² (8 m Drillreihen pro m² bei 12,5 cm Reihenabstand).
  • Einzelährentypen und spät schossenden Sorten haben Vorteile bei später Saat.
  • Bildet der Weizen bis Anfang April nicht wenigstens 6 Blätter am Haupttrieb, ist es zu spät für die Aussaat des Weizens.

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