Weizen

Physiologische Blattflecken treten auf


„Tommi-Flecken“ verunsichern seit Anfang April die Landwirtschaft. Beim Pflanzenschutz ist Vorsicht geboten. „Griffig“ formulierte Mittel wirken verstärkend.

Seit Anfang April treten regional unterschiedlich in den Weizenbeständen unregelmäßig gelbe, länglich ovale bis runde Flecken auf unteren Blättern auf, die keine Sporenlager erkennen lassen. Auch in den Sporenanalysen sind keine pilzlichen Schaderregern z.B. Septoria tritici, Schneeschimmel oder DTR nachzuweisen.

Die Flecken befinden sich eher im oberen Drittel der älteren Blätter (F-4 und F-5). Diese werden durch das Schossen mit dem Aufstellen des Blattapparates deutlicher und sind für den Landwirt jetzt gut zu erkennen. Und führen deshalb zu Verunsicherungen. Die Symptome treten verstärkt dort auf, wo das Pflanzenwachstum durch andere Stressfaktoren, wie z.B. Bodenverdichtungen, Nährstoffmangel, Nässe oder Wassermangel behindert wird. Diese Faktoren verursachen einen erhöhten Ethylen-Pegel in der Pflanze.

Ähnliche Flecken können auch durch genetische Abwehrreaktionen hervorgerufen werden. Dabei lässt die Pflanze Zellen absterben, um auf diese Weise eindringende Schaderreger, z.B. Mehltau- oder Rostsporen auszuhungern. Das ist aktuell auch in Gerstenbestände zu beobachten. Empfindliche Sorten reagieren nicht nur auf Sporen, sondern auch auf Pollen oder andere Partikel in der Luft (Hypersensibilität).

Sorten mit ausgeprägter Neigung zu nicht parasitären Blattflecken sind z.B. Patras, Genius, Tobak, Elixer, Mulan oder Akteur. Früher waren diese Symptome als „Astron-“ oder „Tommi-Flecken“ bekannt. Aus den Erfahrungen aus dem letzten Jahr sollte auch mit dem Pflanzenschutz vorsichtig umgegangen werden. „Griffig“ formulierte Mittel verstärkten in den Vorjahren diese Symptome.

Um die physiologischen Blattflecken auf oberen Blättern (F-3, F-2 und F-1) zu vermeiden, ist vor allem bei Wirkstoffen, die schnell in das Blatt eindringen können (z.B. Morpholine, schnelle Azole wie Propiconazol) und die Wachsschicht angreifen (Moddus, EC–formulierte Insektizide), Vorsicht geboten. Der Einsatz dieser Produkte ist unter kritischen Bedingungen unmittelbar nach Tau oder einer kühlen Regenperiode besser in die Abendstunden zu verschieben, wenn die Wachsschicht ausgeprägter ist. Diese Produkte sollten auch nicht unmittelbar vor oder nach Nachtfrost eingesetzt werden.

Stressflecken infolge von Pflanzenschutzmaßnahmen lassen sich durch die Zuhabe eines Spreitmittels (Break thru, Silwet Gold) vermeiden, da das Blatt gleichmäßig mit einem Film überzogen wird. Dadurch wird das zu schnelle Eindringen der Wirkstoffe vermieden.

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