Wintergerste

Jetzt die richtigen Weichen stellen


Die Wintergerstenbestände präsentieren sich im Moment sehr uneinheitlich. Bis 25. September gesäte Bestände wurden in der Regel noch halbwegs trocken bestellt und sind heute, abgesehen von abgefrorenen Blattspitzen und Vergilbungen in wassergesättigten Senken, weitgehend grün und vital.

Aufgrund der langen Vegetationszeit im Herbst/Winter haben diese häufig drei bis vier starke und ebenso viele schwache Triebe gebildet. In diesen Fällen gilt es, die Bestandesdichte durch geeignete Maßnahmen zu reduzieren.

Vor allem leichte Standorte leiden bei überzogenen Beständen unter verstärktem Trockenstress, da eine hohe Blattfläche eine unnötig hohe Transpiration nach sich zieht. Weiterhin verschob sich das Sortenspektrum verstärkt zu Sorten, die den Ertrag in erster Linie über eine hohe Kornzahl pro Ähre generieren.

Im Vergleich zu den Bestandesdichtesorten reagieren diese Korndichte-Typen negativ auf überhöhte Bestandesdichte und fallen dann im Ertrag aufgrund der schlechteren Kornausbildung überproportional ab. Auf der anderen Seite können mit diesen Sorten auch bei vermeintlich zu geringer Ährendichte noch unerwartet hohe Erträge realisiert werden.

Durch das Hinauszögern der Anschlussdüngung wird die Triebreduktion verstärkt. Um den richtigen Termin für die nächste N-Gabe zu bestimmen, kann man sich am überdrillten Vorgewendebereich orientierten. Hellt der Bestand dort auf, setzt die Stickstoffverlagerung innerhalb der Pflanzen ein. Die zweite N-Gabe kann dann fallen.

Weiterhin kann über Pflanzenschutzmaßnahmen regulierend auf die Bestandesdichte eingewirkt werden. Kombinationen aus trinexapac-haltigen Produkten in Kombination mit Morpholinen (Fenpropidin, Fenpropimorph, Spiroxamine) beschleunigen die Reduktion der kleinen Nebentriebe.

Späte September- und Oktobersaaten wurden vielfach nicht mehr unter optimalen Bedingungen gedrillt. Verdichtungen und Schmierhorizonte hatten ein schwaches Wurzelwachstum zur Folge, so dass auch die oberirdische Entwicklung zurückblieb. Die pflanzenbaulichen Maßnahmen müssen in diesem Fall auf die Förderung der Nebentriebe und auf die Absicherung der Bestandesdichte abzielen:

  • Kopfkalkung zur Stabilisierung der Bodenstruktur
  • anionenbetonte Düngung zur Förderung der Feinwurzelbildung und Cytokininproduktion (Nitrat und Sulfat)
  • Mikronährstoffspritzung (vor allem mit Mangan und Kupfer, aber auch mit Bor)
  • Wachstumsreglereinsatz (Mepiquat, Chlormequat) zur Brechung der apikalen Dominanz

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