Zwischenfrüchte

Nach welchen Kriterien auswählen?


Die Ernte ist noch in vollem Gange, dennoch sollte der Blick bereits auf die kommende Aussaat gerichtet werden. Insbesondere die Saatgut-Bestellung von Zwischenfrüchten für den Herbst muss kurzfristig angegangen werden. Aufgrund der letztjährigen Trockenheit sind auch bei der Vermehrung der Zwischenfrüchte Ertragseinbußen aufgetreten, was die Verfügbarkeit von Einzelkomponenten beeinträchtigen dürfte.

 Welche Zwischenfrucht (-mischung) in Frage kommt, ergibt sich aus den unterschiedlichen Zielen. Diese können betriebsspezifisch sehr unterschiedlich ausfallen. Bei Zielkonflikten gilt es eine Gewichtung vorzunehmen.

- Rechtliche Grundlagen

Ein Großteil der in Deutschland angebauten Zwischenfrüchte wird zur Erfüllung der ökologischen Vorrangfläche im Rahmen des Greenings genutzt. Damit einher geht der Zwang zu Mischungen aus mindestens zwei Komponenten sowie zur Einhaltung bestimmter Samenanteile. Beim Einsatz organischer Dünger muss zudem auf die Begrenzung bei Leguminosen (unter 50 % Anteil) geachtet werden.

- Phytosanitäre Aspekte

Der Zwischenfruchtanbau stellt aus phytosanitärer Sicht häufig einen Kompromiss dar. Je vielfältiger die Fruchtfolge, umso schwieriger ist die Auswahl, da viele Zwischenfruchtkulturen von den gleichen Schaderregern befallen werden wie die Kulturpflanzen. Insbesondere die Förderung bodenbürtiger Schaderreger muss durch die Wahl der richtigen Komponenten zwingend ausgeschlossen werden. So ist auf Kreuzblütler (Senf, Ölrettich, Kresse) in Rapsfruchtfolgen zu verzichten, um der Kohlhernie keinen Vorschub zu leisten.

Auch die Verunkrautungssitutation in der Hauptfrucht sollte durch die Zwischenfrucht nicht nachteilig beeinflusst werden. Vor Zuckerrüben ist deshalb der Anbau von Buchweizen nicht sinnvoll. Buchweizen wird schnell samenreif und kann wie der Windenknöterich in Zuckerrüben zu Bekämpfungsproblemen führen. Die nach bisherigen Erfahrungen ansonsten Fruchtfolge-neutrale Phacelia darf nicht direkt vor Kartoffeln ausgesät werden, um die Gefahr der Eisenfleckigkeit nicht zu erhöhen.

- Bekämpfung von Schaderregern

Insbesondere im Zuckerrübenanbau spielt die Reduktion der Rübenzystennematoden (Heterodera schachtii) über den Anbau resistenter Zwischenfrüchte (Ölrettich, Senf) eine wichtige Rolle, um die Ertragsstabilität der Zuckerrüben zu erhalten. In Kombination dem Anbau toleranter Rübensorten können so selbst enge dreifeldrige Fruchtfolgen vor größeren Schäden bewahrt werden.

- Nährstoffmanagement
In organisch düngenden Betrieben steht die Speicherung der im Herbst aufgebrachten Nährstoffe im Vordergrund. Das gilt im besonderen Maße für leichte, sandige Standorte, die zur Nährstoffverlagerung neigen. Schnellwüchsige Arten mit hohem Nährstoffaneignungsvermögen sind in diesem Fall gefragt (Kreuzblütler).
Auf weniger auswaschungsgefährdeten Standorten sollte im Rahmen des Nährstoffmanagements auch die Wurzelarchitektur der Nachfrucht Berücksichtigung finden. Vor flachwurzelnden Hauptfrüchten haben sich tiefwurzelnde Zwischenfrüchte bewährt, um die Nährstoffe aus dem Unterboden nach oben zu holen. Damit erhöht sich die Verfügbarkeit beispielsweise für Kartoffeln, Mais oder Sommergerste durch den Anbau von Ölrettich.

Tiefwurzelnde Hauptfrüchte (Zuckerrüben) hingegen profitieren nicht davon, wenn der Unterboden durch tiefwurzelnde Zwischenfrüchte bereits „entleert“ wurde. Die mit den Rückständen der Zwischenfrucht an der Oberfläche abgelegten Nährstoffe stehen bei Trockenheit nicht zur Verfügung.

Nicht zuletzt zeigen einige Sommerkulturen Schwächen bei der Phosphoraneignung (Kartoffel, Mais). Auf P-schwachen oder P-fixierenden Böden (hoher pH-Wert), kann gezielt das Aufschlussvermögen einiger Zwischenfrüchte genutzt werden (Lupine, andere Leguminosen, Buchweizen, Kreuzblütler).

Die Beispiele lassen die Zielkonflikte erkennen. Bei der Auswahl der Zwischenfrüchte ist deshalb zwischen dem vorrangigen Ziel und dem größeren Risiko abzuwägen. Wenn z.B. Zuckerrüben und Raps in einer Fruchtfolge stehen widersprechen sich der Anbau von Ölrettich zur Nematoden-Bekämpfung und das Kohlhernie-Risiko für den Raps.

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